Unsere Erfolge für den Natur- und Umweltschutz 2011

Adieu Atomkraft

Nachdem in Japan das eingetreten ist, was nach den Beteuerungen der Politik gar nicht passieren konnte, haben auch viele Japaner ihre Einstellung zur Atomkraft geändert: Auf einer Protestkundgebung im September forderten in Tokio Zehntausende Menschen die Regierung zum Atomausstieg auf. Auch der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sprach auf dieser Kundgebung. 

Wie uns Akiko Yoshida von Friends of the Earth Japan berichtete, sind 70 bis 80 Prozent der Japaner für einen Atomausstieg. Dennoch regiert die Politik in Japan nur zögerlich. Deshalb brauchen die Atomkraftgegner dort einen langen Atem. Dabei wollen wir sie unterstützen. Die Katastrophe macht uns hier in Deutschland nicht nur tief betroffen, sie mahnt uns auch, endlich Schluss mit dem blinden Glauben an die Beherrschbarkeit der Atomenergie zu machen. Deshalb müssen wir nun dafür kämpfen, dass der Ausstieg schnell erfolgt und einer Bundesregierung, die noch vor einem halben Jahr acht Atomreaktoren für unverzichtbar erklärt hat, genau auf die Finger sehen.

Der BUND u.a. Verbände konnten im März 2011  250.000 Menschen mobilisieren, die in Berlin, Hamburg, München und Köln für den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstrierten.

Gegen schädliche Chemikalien im Kindergarten – für eine Zukunft ohne Gift

Am 1. Juni, dem Internationalen Kindertag, demonstrierte der BUND vor dem Verbraucherschutzministerium für ein Verbot von gesundheitsschädlichen Chemikalien in Kindertagesstätten. Zusammen mit einer Gruppe von Kindern baute der Umweltverband direkt vor dem Gebäude des Ministeriums in der Berliner Wilhelmstraße eine Kita auf und stapelte belastete Weich-PVC-Produkte und Spielzeuge auf den Bürgersteig. Die Forderungen des BUND waren in großen bunten Lettern über der improvisierten Kita zu lesen: "Kitas giftfrei machen, Frau Aigner!" 

Zugleich veröffentlichte der BUND Untersuchungsergebnisse von 160 Staubproben aus Kitas in ganz Deutschland. Die Laboranalysen zeigen, dass Kitas im Durchschnitt dreimal höher mit gesundheitsschädlichen Weichmachern belastet sind als normale Haushalte. "Kinder müssen besser vor gesundheitsgesundheitsschädlichen Chemikalien geschützt werden", sagte die BUNDChemieexpertin Sarah Häuser. "Kitas und Eltern brauchen endlich Gewissheit, dass sie mit harmlos aussehenden Hüpfbällen, PVC-Böden, Turnmatten oder Regenjacken die Gesundheit der Kinder nicht länger aufs Spiel setzen." 

Im August hat der BUND auch die gesundheitsschädliche Chemikalie Bisphenol A in Kindertagesstätten nachgewiesen. Das hormonell wirksame, bisher nur in Babyflaschen verbotene Bisphenol A (BPA) fand sich in 92 der 107 vom BUND untersuchten Staubproben aus Kitas. Sarah Häuser: "Unsere Analysen zeigen, dass Kinder wahren Giftcocktails ausgesetzt sind. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Doch obwohl Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner schon mehrmals von uns auf diese Gefahren hingewiesen wurde, glänzt sie bisher durch Untätigkeit."

BUND-Transparent vor dem Verbraucherschutzministerium im Juni 2011: Kitas giftfrei machen, Frau Aigner!

Flächenkauf am Grünen Band: Lebensräume wachsen zusammen

Rücksichtslos durchschnitt die ehemalige innerdeutsche Grenze das Land auf fast 1.400 Kilometer Länge. Heute bietet das Grüne Band mit seinen zahlreichen Biotopen vielen seltenen und gefährdeten Tierarten einen wertvollen Rückzugsraum. Während im Großteil von Deutschland Tiere durch intensivierte Landwirtschaft, Moortrockenlegung und Flächenverbrauch ihren natürlichen Lebensraum verloren haben, ist am Grünen Band durch die Grenzsicherung ein abwechslungsreicher Biotopverbund entstanden. Säugetiere, Insekten, Vögel und Kriechtiere finden hier ein passendes Biotop.

Mit Hilfe unserer Freunde und Freundinnen konnten wir das Grüne Band wieder um einen wichtigen Baustein erweitern: An der Grenze zwischen Thüringen und Bayern hat der BUND eine Naturfläche gekauft. Wir konnten auch gleich mit der Arbeit beginnen, damit sich hier die seltene Küchenschelle entwickeln kann 

Der ehemalige Grenzsteifen zwischen Hessen und Thüringen bei Obersuhl. Foto: Klaus Leidorf

Bedrohtes Naturparadies auf Rügen: Widerstand hat sich gelohnt

 Zwölf Jahre Widerstand gegen den drohenden Kiesabbau auf Rügen und die Zerstörung eines wertvollen Naturschutzgebietes haben sich schließlich ausgezahlt. Die Hartnäckigkeit des BUND und sinkende Kiespreise haben dafür gesorgt, dass der Baustoffkonzern seine Abbaupläne aufgegeben hat und nun die Flächen auf der Abbaufläche verkaufen will. Der BUND konnte so mit Hilfe vieler Unterstützer fünf wertvolle Flurstücke, die sich im Naturschutzgebiet und auf der Abbaufläche befinden, kaufen. 

Dafür sagen wir DANKE an alle, die die Rettung bisher unterstützt haben! Wir haben damit die Chance, das einmalig schöne Gebiet auf Rügen dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Doch noch bleiben Flächen im Besitz der Baustofffirma, die ebenfalls als "Vorbehaltsgebiet zur Rohstoffsicherung" eingestuft sind. Dies betrifft fast vollständig das direkt angrenzende Waldgebiet. Die Flächen sind ein unverzichtbarer Mosaikstein des komplizierten Arten- und Biotopgefüges im Naturschutzgebiet. Sie haben durch den Wald wichtige Funktionen als Windbremse und für das Kleinklima und beherbergen ganz spezielle Tierarten. Einige knorrige Kiefernköpfe dienen zum Beispiel den Seeadlern als Sitzwarte.

Kreidefelsen auf Rügen: die berühmte Victoria-Ausicht am Königstuhl bei Sassnitz, Foto: www.sxc.hu /fkdeluxe


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