Genauer hinsehen: die BUND-Naturbeobachtungstipps

Eichhörnchen im Düsseldorfer Hofgarten, Foto: Ray eye, Creative Commons

Die Natur hält kleine und große Entdeckungen und Erlebnisse für uns bereit – wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzusehen. Die BUND-Tipps zur Naturbeobachtung lenken Ihren Blick auf Naturphänomene, die Sie tagtäglich, übrigens auch gut mit Kindern, in der eigenen Umwelt beobachten können.

Unser Tipp im November: Wilde Früchte

Schlehe
"Solchen Monat muss man loben: Keiner kann wie dieser toben, keiner so verdrießlich sein und so ohne Sonnenschein!" (*Heinrich Seidel), Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

Der November mag nicht jedermanns Sache sein, doch eines kann uns diesen Monat im wahrsten Sinne des Wortes versüßen: die Wildfrüchte, die jetzt geerntet werden können. Die fruchtbehangenen Büsche verführen nicht nur Hobbyköche zum Pflücken, sondern auch viele Vögel bedienen sich hier. So kann der November neben aller Düsternis denn ein Genuss für Gourmets, Vögel und Vogelfreunde sein.

Die genügsame Schlehe

Dieser Wildstrauch ist im Frühjahr mit zahlreichen weißen, nach Mandeln duftenden Blüten verziert, im Herbst dann mit blauschwarz bereiften Früchten behängt. Schlehenfrüchte werden am besten nach dem ersten Frost geerntet, da dann ein Teil der bitteren Gerbstoffe abgebaut ist. Etwa 20 Vogelarten verspeisen die Früchte gerne, zum Beispiel Meisen und Grasmücken. Die Schlehe bietet auch Lebensraum für den seltenen Neuntöter, der auf den Dornen seine Beute aufspießt. Beim Menschen sollen die Früchte vor allem bei Verdauungsproblemen hilfreich sein.
Der Schlehdorn ist oft an sonnigen Weg- und Waldrändern zu finden. Falls Sie besonders viele Schlehen vorfinden, dann wird es einen besonders strengen Winter geben – so jedenfalls sagt es der Volksglaube.

Kulinarisch können Sie sich vielseitig verwöhnen mit Schlehensirup, Schlehen-Chutney oder –  für besonders talentierte Zuckerbäcker – mit Yoghurt-Schlehen-Pralinen.

Mispel, Hundsärsch oder Arschperln

Die baum- oder strauchartige Mispel besitzt bräunliche Früchte mit einer aufklaffenden Fruchtspitze. Im Saarland hat ihnen dieses Erscheinungsbild den Namen "Hundsärsch" oder "Arschperln" eingetragen. Erst durch Frosteinwirkung wird das Fruchtfleisch weich und angenehm säuerlich. Beliebt sind die Früchte bei Vögeln wie der Ringeltaube, dem Kernbeißer und der Amsel, aber auch Eichhörnchen fressen die zuckerreichen Früchte und verteilen die Samen. Wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung wurden die Früchte in der Volksmedizin zur Linderung von Nieren- und Harnwegentzündungen genutzt.

Die Art war daher früher als Obstbaum weit verbreitet, ist aber eher vereinzelt immer noch an sonnigen und windgeschützten Standorten zu finden. Der geneigte Koch, die geneigte Köchin kann sich an einer Mispeltorte, Mispel-Apfelmus mit Griessschnitten oder Mispeleis versuchen.

Die leuchtende Hagebutte

Die Hagebutte ist ein hochkarätiger Vitaminspender zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte, sie ist besonders reich an natürlichem Vitamin C. Wer jetzt sammelt, kann sich seinen eigenen Anti-Erkältungs-Tee herstellen.

Mit Hagebutten kann man nichts falsch machen. Die roten Früchte, die sämtliche Rosengewächse im Herbst ausbilden, sind durch die Bank ungiftig. Dabei sind jedoch die Hagebutten von Wildrosen deutlich aromatischer als ihre gezüchteten Verwandten. Wer sehr motiviert ist, kann aus den Hagebutten Marmelade kochen (das Vorbereiten der Früchte verlangt viel Geduld und Spucke). Wer es weniger aufwändig mag, kocht aus den getrockneten Früchten leckeren Hagebuttentee.

Hagebutte
Übrigens: Aus Hagebutten kann man auch prima Juckepulver machen ;-) Foto: Angelika Wolter / pixelio.de

Achtung

Pflücken Sie nur gesunde Früchte, die Sie sicher erkennen, fernab von Stellen mit hoher Verschmutzung oder Umweltbelastung. Verlesen Sie die Früchte noch einmal sorgfältig vor der Verarbeitung.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



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