Genauer hinsehen: die BUND-Naturbeobachtungstipps

Die Natur hält kleine und große Entdeckungen und Erlebnisse für uns bereit – wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzusehen. Die BUND-Tipps zur Naturbeobachtung lenken Ihren Blick auf Naturphänomene, die Sie tagtäglich, übrigens auch gut mit Kindern, in der eigenen Umwelt beobachten können.

Unser Tipp im Februar: Der Huflattich

Der Huflattich, Foto: xulescu_g / CC BY-SA 2.0/ flickr.com
Der Huflattich wächst den ersten Sonnenstrahlen entgegen; Foto: xulescu_g / CC BY-SA 2.0

Wenn die langen Winternächte ihrem Ende zugehen, beginnt die Zeit der Frühblüher. In den Vorgärten recken Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse sich den ersten warmen Sonnenstrahlen entgegen. Und an Wegrändern, Böschungen und Dämmen blüht der Huflattich (Tussilago farfara). Der Korbblütler erreicht als ausdauernde krautige Pflanze eine Höhe von 30 Zentimetern. Seine gelben Blüten duften nach Honig, und die weißen Samenstände sind eine willkommene Nahrung für Vögel, Bienen und Käfer. Seine Bestäubung erfolgt durch Insekten, doch kommt auch Selbstbestäubung vor.

Samenstand des Huflattich, Foto: Jürgen Mangelsdorf / CC BY-NC-ND 2.0 / flickr.com
Kleine Schirmflieger verbreiten die Samen; Foto: Jürgen Mangelsdorf / CC BY-NC-ND 2.0

Die Samen werden als Schirmflieger vom Wind verbreitet oder bleiben an Tieren haften. Erst nach dem Verblühen bildet die Pflanze ihre handtel­ler­großen, herz- oder hufförmigen Blätter. Die Blattform gab dem Huflattich seinen Namen. Seine Blätter sind leicht an ihrem mehltauartigen Überzug erkennbar und riechen mild balsamisch. Der Huflattich dient mehreren gefährdeten Schmetterlingsarten als Futterpflanze.

Der lateinische Name "tussilago" verrät, welche Wirkung dem Huflattich als Heilpflanze zugeschrieben wurde: "Tussis" bedeutet Husten, und "ago": ich vertreibe. Der Huflattich war also dafür bekannt, den Husten zu vertreiben. Schon vor 2.500 Jahren wurde die Pflanze bei Erkrankungen der Atmungsorgane eingesetzt. Sowohl die Blüten als auch die Blätter haben schleimlösende, hustenstillende und entzündungshemmende Eigenschaften.

Viele Hustentees, Halspastillen und Rachenbonbons enthalten seine Wirkstoffe. Früher wurde der Huflattich auch äußerlich gegen vielerlei Hautkrankheiten verwendet oder als Kompresse für Schwellungen, Blutergüsse, Furunkel oder Verbrennungen. Da die Blätter des Huflattichs groß und an der Unterseite weich behaart sind, werden sie von Wander­freund­en auch als "Wanderers Klopapier" bezeichnet.

Der Huflattich findet auch in der Küche Verwendung. Aus den jungen, nussig schme­ckenden Blättern lässt sich ein leckeres Gemüse zubereiten. Man kann sie anstelle von Kohlblättern in einer Roulade verwenden oder auch einfach auf einem Butterbrot essen.

Der Huflattich kann in freier Natur mit der Pestwurz verwechselt werden (ebenfalls ein Frühblüher und mit ähnlichem Lebensraum). Doch sind deren Blätter noch sehr viel größer, und es fehlt ihnen das u-förmige Leitbündel im Querschnitt des Blattstiels.

Bitte beachten!

Der Huflattich sollte wegen schädlicher Nebenwirkungen nicht in größeren Mengen verzehrt und nicht dauerhaft als Heilmittel eingenommen werden!

Beobachtungstipp

Wer einmal ein Huflattich-Rezept erproben möchte, wird am ehesten auf lehmigen Flächen und Brachen, an Bächen und Dämmen fündig. Der Huflattich kann auch im Garten angesiedelt werden. Er ist recht anspruchslos, kommt jedes Jahr wieder und vermehrt sich nur in Maßen.

Weitere Tipps

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



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