Genauer hinsehen: die BUND-Naturbeobachtungstipps

Eichhörnchen im Düsseldorfer Hofgarten, Foto: Ray eye, Creative Commons

Die Natur hält kleine und große Entdeckungen und Erlebnisse für uns bereit – wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzusehen. Die BUND-Tipps zur Naturbeobachtung lenken Ihren Blick auf Naturphänomene, die Sie tagtäglich, übrigens auch gut mit Kindern, in der eigenen Umwelt beobachten können.

Unser Tipp im September: Von Spießern und Spiegeln

Röhrender Rothirsch, Foto: Luc Vlator / CC BY-SA 2.0

Er ist der König des Waldes und von imposanter Statur. Der Rothirsch (Cervus elaphus) hat eine Rückenhöhe von bis zu 1,5 Metern und wiegt zwischen 90 und 350 Kilogramm. Der rotbraunen Fellfarbe verdankt das Tier seinen Namen. Jetzt im Herbst lässt der Wechsel zum Winterfell sie allerdings eher graubraun erscheinen.

Der sogenannte Spiegel bleibt jedoch erhalten – ein großer weißer oder gelblicher Fleck unter dem Schwanz (der unterseits selbst weiß gefärbt ist). Bei einer Flucht geht von dem Spiegel eine Signal­wirkung aus, welche die Gruppe zusammenhält.

Zwei männliche Hirsche im Kampf mit dem Geweih, Foto: elke / CC BY-SA 2.0

Rothirsche sind Rudeltiere

Rothirsche sind soziale Tiere, die in Rudeln zusammenleben. Ausgewachsene Tiere leben nach Geschlechtern getrennt – bis zur Paarungs- oder Brunftzeit, welche Anfang September beginnt und sechs Wochen dauern kann. In der Brunftzeit ist das Röhren der Hirsche schon von Weitem zu hören. Es klingt wie eine Mischung aus dem Knurren eines Löwen und dem Muhen einer Kuh. Ein sehr erregter Hirsch kann bis zu 500 Schreie in der Stunde ausstoßen. Brunftrufe sind besonders von Platzhirschen zu hören.

Als Platzhirsch wird der stärkste Hirsch bezeichnet. In den frontalen Schiebekämpfen um das Recht zur Fortpflanzung mit einer Gruppe von Hirschkühen setzt er sein beeindruckendes Geweih ein, was in seltenen Fällen auch zum Tode des Rivalen führen kann. Dies ist der Grund, warum der Hirsch für lange Zeit auf der Liste gefährlicher Tiere in Bayern stand – zusammen mit Krokodil und Hammerhai...

    Spießer, Foto: Luc Vlator / CC BY-SA 2.0

    Ein verästeltes Geweih hängt nicht vom Alter ab

    Hirsche werden nach der Endenzahl ihrer Geweihstangen bezeichnet. Ein Hirsch mit drei Enden pro Stange ist ein Sechser, mit vier ein Achter und so fort. Junge männliche Hirsche sind Spießer, denn sie haben noch keine Verästelungen am Geweih. Die Endenzahl hängt übrigens nicht mit dem Lebensalter eines Hirsches zusammen, da eine Vielzahl von Faktoren die Geweihentwicklung beeinflusst. Einmal im Jahr werfen die Hirsche ihr Geweih ab. Bei alten Tieren kann es bis zu 20 Kilogramm wiegen.

    Rothirsche sind Vegetarier und Wiederkäuer und ernähren sich von Kräutern, Blättern und Gras. Sie nehmen täglich zwischen acht und zwanzig Kilogramm Grünzeug zu sich.

    Beobachtungstipp

    Rothirsche sind überwiegend in großen, ausgedehnten Wäldern zu finden, aber auch in Heide- und Moorgebieten. Da die Tiere den Menschen meiden und unsere Witterung auf einige hundert Meter wahrnehmen, ist es nicht immer leicht, den König des Waldes zu beobachten. Spuren, die den Hirsch verraten, sind seine Huftritte, sein Kot (in Form eines am Ende zugespitzten zwei Zentimeter langen Zylinders), Suhlen (Schlammbäder) oder der Geruch nach Ziegenbock in seinem durch Sekrete markierten Revier.

    In vielen Rotwildgebieten finden zur Brunftzeit Veranstaltungen statt, bei denen man dem royalen Röhren aus der Nähe lauschen kann.

    Web-Tipps

    Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



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