Genauer hinsehen: die BUND-Naturbeobachtungstipps

Eichhörnchen im Düsseldorfer Hofgarten, Foto: Ray eye, Creative Commons

Die Natur hält kleine und große Entdeckungen und Erlebnisse für uns bereit – wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzusehen. Die BUND-Tipps zur Naturbeobachtung lenken Ihren Blick auf Naturphänomene, die Sie tagtäglich, übrigens auch gut mit Kindern, in der eigenen Umwelt beobachten können.

Unser Tipp im Oktober: Wenn die Blätter erröten

Der Herbst erfreut uns jedes Jahr mit einem Feuerwerk der Farben. Was für uns ein Augenschmaus ist, ist für die Bäume eine Frage des Überlebens. Der Winter ist nicht nur kalt und dunkel, sondern auch wasserarm. Somit schaltet der pflanzliche Stoffwechsel auf Sparflamme, sobald die Temperaturen abnehmen und die Tage kürzer werden.

Ein großer Laubbaum – zum Beispiel eine hundertjährige Rotbuche – verdunstet etwa 400 Liter Wasser am Tag über die Blattoberfläche. Im trockenen Winter würde die Buche durch diesen Wasserverlust verdursten. Die Lösung? Die Blätter loswerden! Doch bevor das geschehen kann, entzieht die Pflanze den Blättern so viele Nährstoffe wie möglich, und lagert sie in Stamm und Wurzeln ein.

Herbstwald, Foto: Jag_cz / fotolia.com

Ein für die Bäume unverzichtbarer Stoff ist das Chlorophyll, das sie für die Photosyn­these benötigen. Chlorophyll ist für die grüne Färbung der Blätter verantwortlich. Wird es den Blättern entzogen, kommen andere Farben zum Vorschein, die vorher überdeckt waren: gelbliche und rötliche Carotine und gelbe Xanthophylle. Außerdem werden rote Anthocyane produziert und sichtbar, welche wahrscheinlich als Sonnenschutz dienen.

Mit dem Laubfall nutzt der Baum auch gleich die Gelegenheit, eine Detox-Kur zu machen: Giftstoffe und giftige Stoffwechselprodukte werden in die Blätter transportiert. Dann wird am Grunde des Blattstiels ein Trenngewebe gebildet – eine Sollbruchstelle. Ein leichter Windhauch genügt, und wir sehen die Blätter tanzen.

Nadelbäume überstehen die Winterzeit ohne Laubabwurf, da ihre Blätter über eine dicke Wachsschicht verfügen, eine feste Haut und nur eine sehr kleine Oberfläche haben, was die Verdunstung verringert. Sie verlieren jedoch kontinuierlich die eine oder andere Nadel. An Kiefern bleiben die Nadeln etwa fünf Jahre, an Fichten sieben und an Tannen sogar elf Jahre.

Gärtnertipp

Auch im Garten kann viel Laub anfallen. Viele greifen dann zum Rechen, um die Ordnung wiederherzustellen. Doch Blätter sind ein guter Dünger für den Gartenboden und dienen vielen nützlichen Kleintieren als Versteck und Überwinterungsquartier. Helfen Sie also dem Blattlaus-vertilgenden Marienkäfer und lassen Sie zumindest einen Teil des Laubes liegen!

Mehr Informationen

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



Suche