Genauer hinsehen: die BUND-Naturbeobachtungstipps

Eichhörnchen im Düsseldorfer Hofgarten, Foto: Ray eye, Creative Commons

Die Natur hält kleine und große Entdeckungen und Erlebnisse für uns bereit – wenn wir uns die Mühe machen, genauer hinzusehen. Die BUND-Tipps zur Naturbeobachtung lenken Ihren Blick auf Naturphänomene, die Sie tagtäglich, übrigens auch gut mit Kindern, in der eigenen Umwelt beobachten können.

Unser Tipp im April: Auf unserer Wiese gehet was

Weißstorch auf Wiese; Foto: jürgen.mangelsdorf/ flickr.com

Kennen Sie auch den Rest des Rätselliedes?

"Auf unserer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe,
hat ein schwarzweiß Röckchen an und auch rote Strümpfe,
fängt die Frösche schnipp, schnapp, schnapp,
klappert lustig, klapperdiklapp.
Wer kann es erraten?"

Na klar, die Rede ist vom Weißstorch (Ciconia ciconia). Mit seiner Flügelspannweite von 200 bis 220 Zentimetern und seinem schwarz-weißen Gefieder ist er kaum zu übersehen. Als einer unserer imposanten einheimischen Vögel lebt er auf großem Fuße oder eher: langem Beine. Spannhäute zwischen seinen Vorderzehen verhindern ein Einsinken im Schlamm, wenn der Storch durch Sümpfe, Wiesen oder Auen stakst, um mit seinem spitzen roten Schnabel blitzschnell seine Beute zu ergreifen. Dabei muss es nicht unbedingt ein Froschschenkel sein. Als Nahrungsopportunist ist der Weißstorch auch mit Regenwürmern, Mäusen, Eidechsen, Insekten oder Fischen zufrieden. Etwa 500 bis 700 Gramm Nahrung verschlingt  er pro Tag, was etwa 16 Mäusen entspricht oder 600 Regenwürmern ...

Fliegender Weißstorch mit Zweig im Schnabel; Foto: FrankPr/ CC BY-NC-ND 2.0
Für Storchennester ist viel Material nötig

Sein Nahrungsbedarf schnellt im April steil nach oben, wenn es ans Brüten und die Aufzucht des Nachwuchses geht. Ende März aus Afrika zurückgekehrt, legen Störche ihr Nest auf Dächern, Schornsteinen, Kirchtürmen, Strommasten, Bäumen oder Felsvorsprüngen an. Äste und Zweige dienen dem Storchenpaar als Baumaterial. Da Störche ihrem Nest über Jahrzehnte treu bleiben und nie aufhören, es zu verbessern und zu vergrößern, kann ein Horst ein Gewicht von zwei Tonnen und eine Höhe von mehreren Metern erreichen.

Vor der Paarung kommt die Balz. Der Klapperstorch macht seinem Namen alle Ehre: Beide Vögel klappern lautstark mit den Schnäbeln und verstärken die Lautstärke noch dadurch, dass sie den Kopf nach hinten biegen, bis er den Rücken berührt und so in der Schnabelhöhle ein Resonanzraum entstehen lassen. Aber auch zur Begrüßung oder Verteidigung nutzt der stimmarme Storch seine persönliche Perkussion. Verpaarte Storche kommunizieren nicht mittels Klappern. Sie kraulen sich auch stundenlang zärtlich mit dem Schnabel. Die Brut besteht aus zwei bis fünf weißen Eiern, die abwechselnd von beiden Partnern 30 bis 32 Tage bebrütet werden. Nach dem Schlüpfen verputzen die hungrigen Nesthocker täglich rund 60 Prozent ihres Körpergewichtes. Im Alter von etwa sieben Wochen wagen die Nestlinge dann ihre ersten Flugversuche.

Weißstorchenpaar im Nest; Foto: Ponte 1112/ CC BY-NC-SA 2.0

Doch leider macht sich Adebar immer noch rar in Deutschland: Obwohl sich die Bestände mancherorts erholt haben, bleibt der Weißstorch in vielen Regionen eine Ausnahmeerscheinung. Zu schaffen macht ihm vor allem die industrielle Landwirtschaft, die Wildtieren kaum mehr Nahrung bietet. Ein wahrer Jammer, ist doch Gevatter Storch nicht nur als Glücksbringer bekannt, sondern in Thüringen auch als Osterhase tätig. Zudem kennt jeder die Legende, dass der Storch die Kinder überbringt. Diese Folklore hat sich bis zu den Philippinen und Südamerika verbreitet. Der Geheimtipp für den Kinderwunsch? Süßigkeiten auf dem Fensterbrett für den Klapperstorch!

Beobachtungstipp

Der Weißstorch bevorzugt eine weitläufig extensiv genutzte Landschaft mit feuchten Wiesen und Gewässern. Als Kulturfolger ist sein Horst auf alten Wohngebäuden und Kirchen zu finden. In größerer Zahl sucht er seine Nahrung zuweilen auf frisch gemähten oder gepflügten Feldern.

Piep Show

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



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