Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 3/2010

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leserzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zum Thema

Wald vor Wild

Als alter Jäger bin ich beim Artikel „Wald vor Wild“ gleich über die Überschrift gestolpert und hätte mir stattdessen eher „Wald und Wild“ gewünscht. Rot- und Rehwild gehören für mich zum Wald einfach dazu, auch wenn diese Arten nicht von Luft und Liebe leben. Natürlich sind sie im Überfluss ein Problem für den Wald: Verbiss erwünschter Forstpflanzen, Wegäsen von Orchideen etc.
Bedingt durch das Auflichten der Wälder durch Stürme und den Nährstoffeintrag über Luftschadstoffe werden ausgerechnet die Lieblingspflanzen von Rot- und Rehwild begünstigt, entsprechend stark vermehren sie sich. Diesen Zuwachs gilt es durch gekonnte Jagd abzuschöpfen. Dazu gehört z.B. das Mähen der Erdwege, wodurch sehr rasch von allein statt eintöniger Binsen ein vielfältiger Blumen- und Kräuterbewuchs entsteht. Dort kann bei der Ansitzjagd das Wild stressfrei gesehen, sorgfältig ausgewählt und ggf. durch einen präzisen Schuss ohne Qual erlegt werden.

So lassen sich auf meinen knapp 200 Hektar pro Jahr an die 40 Rehe erlegen – wohlgemerkt ohne dass das Wild seine Vertrautheit verliert. Bei der geforderten Bewegungsjagd (Treibjagd) isst man dagegen den Stress des Wildes nachher beim Wildbret mit …

Dabei kann man beim Verzehr schadstoffarmen Wildfleisches bekannter (regionaler) Herkunft ein gutes Gewissen haben: Man tut der vielfältigen Pflanzenwelt des Waldes einen Gefallen, belastet die Umwelt nicht zusätzlich und genießt – last but not least – bei gekonnter Zubereitung eine der ganz großen Gaumenfreuden!

Dr. Jürgen Flatow, Ebhausen

Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner behauptet, dass starker Wildverbiss Hauptursache für Monokulturen im Wald sei. Diese Aussage ist unseriös. In der Feldmark sind Monokulturen hauptsächlich durch die moderne Landwirtschaft mit ihrem großen Maschineneinsatz und dem großflächigen Anbau z.B. von Weizen, Mais oder Raps begründet. Kein Mensch würde dafür Wildschweine verantwortlich machen wollen. Beim Waldbau ist es nicht anders: Hauptverantwortlich für Schäden im Wald ist nicht das Tier, sondern der Mensch. Mit seinen (bis in die Gegenwart) einseitigen Anpflanzungen, seinen Erntemaschinen, die nicht nur den Boden und seine Vegetation erheblich beschädigen, sondern auch Baumrinde und Aufwuchs zerstören, seinem oft überzogenem Wegebau und seiner exorbitanten Freizeitnutzung (Jogger, Mountainbiker, Geocache-Sucher, Pilzsammler …) benachteiligt er auch das Wild als ursprünglichen Bewohner des Waldes.

Doch statt z.B. diesen  Freizeitbetrieb im Wald einzuschränken (was sicher nicht einfach ist), befürwortet der Autor in populistischer Manier eine Reform des Jagdrechtes. Statt sich an die eigene (forstliche) Nase zu fassen, erklärt er das Schalenwild zum alleinigen Sündenbock für die Malaise im deutschen Wald. Diese Reform dient vor allem dazu, künftige Vernichtungsfeldzüge gegen das Schalenwild zu legalisieren, obwohl es für die Erkrankung der Wälder an letzter Stelle verantwortlich ist. (…)

Dr. Christian Hoyer, Grafschaft-Birresdorf

Ich bin Jäger und habe mich bei der Lektüre des letzten BUNDmagazins sehr aufgeregt. Ihre Beiträge zur Waldpolitik und Jagdreform und zu der in Jahrhunderten gewachsenen Kompetenz der Jägerschaft in Hege und Pflege von Wildtieren spielen denen in die Hände, die in der Anzeige auf Seite 18 traumhafte 11% Rendite für Wiederaufforstung versprechen. Und die Drohung, dass Gesellschaft und Politik auch ohne Jäger eine Jagdreform durchführen werden, ist unerträglich. Das Jagdrecht ist immer wieder reformiert worden, das ist nichts Neues, es ist aber vor den Angriffen ideologisierter jagdfremder Lobbygruppen zu schützen.

Ich habe immer geglaubt, dass es möglich ist, Mitglied der Jägerschaft und des BUND zu sein. Doch der Jägerschaft die Rolle von Schädlingsbekämpfern zuzuweisen, finde ich unerträglich. Bitte bestätigen Sie meine Kündigung.

Michael Rösing, Ruppichteroth-Büchel

Ihren Bericht "Wald vor Wild" fand ich sehr gut. Dazu zwei Hinweise: Ob der Bayerische Landtag hundertprozentig weiß, was Wald vor Wild heißt, bezweifle ich. Wald vor Wild gehört zu den Zielen, naturnähere Wälder und sichere Lawinenschutzwälder zu bekommen. Folglich sollten Eichelhäher als kostenlose Pflanzer von Eichen nicht mehr geschossen werden dürfen, was leider nicht der Fall ist. Nicht nur in diesem Fall haben die Jäger einen größeren Einfluss als die modern denkende Forstwirtschaft.

Das Jagdrecht sieht größere Strafen vor, wenn z.B. ein Wanderfalke ausgehorstet oder sonst wie getötet wird. Genannte Tatbestände gelten als Wilderei, dank Relikten aus dem Mittelalter, Feudalismus und der NS-Zeit. Wegen der höheren Strafen wird dann entsprechend Jagd- und nicht Naturschutzgesetz verurteilt. In einer modernen Demokratie aber sollte der Naturschutz zumindest den gleichen Stellenwert wie die Jagd haben. Erst dann können geschützte Tiere aus dem Jagdrecht herausgenommen werden. Übrigens zahlen derzeit etliche Kfz-Versicherungen nur bei Schäden mit behaarten Tieren, die gemäß dem Bundesjagdrecht gejagt werden dürfen.

Eckart Maier, Heidenheim

Nationalpark Müritz

Nationalparke sollen Archen der regionalen Biodiversität sein. Der Nationalpark Müritz hat zweifellos ein beachtliches Potenzial, für einen Großteil der in Deutschland außerhalb der Küsten und des Hochgebirges ursprünglich vorkommenden Pflanzen und Tiere eine solche Arche zu sein. Leider ist zu befürchten, dass sein Potenzial unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf absehbare Zeit nur unzureichend genutzt werden kann. So besteht er aus zwei weitgehend isolierten Teilen und bildet für viele Tierarten keinen zusammenhängenden Lebensraum. Ein großer Teil der Wälder im Müritzteil besteht zudem immer noch aus in Monokultur gepflanzten, ökologisch öden Kiefern-Altersklassenforsten, die man offenbar erst einmal zu wirtschaftlich verwertbaren Stadien heranwachsen lassen will. Und die wunderschönen riesigen Wiesenflächen innerhalb des Nationalparks werden auch 20 Jahre nach seiner Einrichtung noch durch moderne Fleischrinder und gebietsfremde Haustiere (norwegische Fjällrinder, Gotlandschafe und Ponys) offengehalten, anstatt das wild lebenden heimischen Megaherbivoren zu überlassen.

(…) Die von deutschen Naturschutzstrategen gern zitierte Grundphilosophie "Natur Natur sein lassen" erweist sich beim NP Müritz als Leerformel voller Widersprüche. Sie reicht in unserem dicht besiedelten Land nicht genügend aus, um dem dringenden Anliegen eines umfassenden Artenschutzes zu entsprechen. Wir sollten nicht nur bewahren, was noch zu bewahren ist, sondern auch behutsam reparieren, was noch zu reparieren ist. (…)

Dr. Gottfried Schmidt, Kirchhundem

Stuttgart 21

Besten Dank für das wieder informative Heft. Besonders wertvoll finde ich Ihren Einsatz für lebendige Wälder. Hier liegt in der Tat vieles im Argen und man fragt sich, was eigentlich Forstleute in ihrer Ausbildung lernen. Doch wahrscheinlich fehlt das Geld für bessere Maßnahmen …

Schön, dass die Deutsche Bahn auf Seite 5 eine (hoffentlich normal bezahlte) Anzeige schaltete. Die Bahn versucht in diesen Tagen mit aller Gewalt ihr Riesenprojekt Stuttgart 21 baulich durchzusetzen. Man beginnt mit dem Abriss des ersten Seitenflügels, 2011 sollen im Schlossgarten über 280 alte Bäume geopfert werden. Der BUND Stuttgart koordiniert mit größtem und phantasievollem Einsatz den Widerstand gegen dieses zerstörerische Monsterprojekt. Doch im Magazin kein Wort davon.

Warum das?

Hier möchte ich einmal als langjähriges Mitglied den Ortsverband Stuttgart für seinen hervorragenden Einsatz sehr loben und ihm herzlich danken. Der Stuttgarter BUND ist das Herzstück des so notwendigen Einsatzes und Kampfes für Erhaltung und Ausbau des Kopfbahnhofes als umweltfreundliche Alternative. Das sollte nun bitte im Magazin bundesweit erwähnt und gewürdigt werden. Außerdem geht S 21 alle Steuerzahler etwas an, denn daran sind Bund und Bahn mit Milliardensummen beteiligt, die später für umweltfreundliche Bahnprojekte fehlen.

Peter Götz, Stuttgart

Siehe BUNDmagazin 4/2010 – es erscheint am 13. November.

Fragen an Dr. Christian Ruck

Wenn Herr Ruck schon als "führender Umweltpolitiker der CSU" gilt, dann muss es einem wirklich angst und bange werden um die Kompetenz dieser Partei in Sachen Umwelt- und Naturschutz. In unseren Augen müssen Umwelt- und Naturschutz umfassend gesehen werden. Ich darf daran erinnern, dass Herr Ruck in der Frage des Donau-Ausbaus zwar CSU-konform, aber gegen die naturverträgliche Lösung entschieden hat, und er in der Atomfrage die Regierungsmeinung unterstützt, die von einem raschen Abschalten nichts wissen will. Damit ist das Bemühen der CDU/CSU um mehr Umwelt- und Naturschutz in Gefahr, ein nicht weiter ernst zu nehmendes Nischenanliegen zu werden.

Paul Reisbacher, Vorsitzender BUND Augsburg

Elektromobilität

Unter "Postfossil mobil" sprechen Sie meiner Meinung nach zu positiv über den Individualverkehr mit  Elektroautos. Solange wir nicht einen Überschuss regenerativer elektrischer Energie haben, befördert jede Art von individueller Elektromobilität den Bau von Kohlekraftwerken und längere Laufzeiten der viel zu gefährlichen Atomkraftwerke. Als Atomkraftgegner sehe ich die neue Elektromobilität daher sehr skeptisch. Forschung ja, Einführung im großen Stil nein, noch nicht.

Man sollte vielmehr darüber nachdenken, wie Mobilität vermieden werden kann. Dazu zähle ich kurze Wege zur Arbeitsstätte, Strecken bis 5 km auch mal mit dem Rad zurücklegen, Carsharing, verbrauchsminimale Autos (unter 3 Liter auf 100 km).

Man könnte über ein Stromnetz nachdenken, das permanent Strom zur Verfügung stellt, und dazu eines, das nur bei Überschüssen (dafür aber kostengünstigeren) Strom anbietet. So könnte die Nachfrage an das schwankende Angebot regenerativer elektrischer Energie angepasst werden. Ein Überschuss regenerativer elektrischer Energie wäre so eher vorhanden und könnte künftig durch elektrische Fahrzeuge gepuffert werden.

Hilbert Baldt, Bad Homburg

Wenn ich schreibe, dass ich "bei Temperaturen unter 18 Pfund meinen Pullover anziehe", dann stutzen Sie hoffentlich. "Pfund" ist nämlich eine Einheit für Masse, nicht für Temperatur – und außerdem veraltet. Ähnlich ging's mir leider mit Ihrem Aufsatz zur Elektromobilität. Dort steht z.B. über den eMini von BMW: "angetrieben von einer Riesenbatterie mit 35 kWh (205 PS) Leistung". "kWh" ist aber keine Einheit für Leistung, sondern für Arbeit, in diesem Fall Batteriekapazität. Und "PS" ist zwar eine Leistungseinheit, aber sie ist erstens veraltet, und zweitens hat die Leistung nur marginal mit der Batteriegröße zu tun. Ähnlich ratlos lässt mich Ihre Feststellung "der 180 g CO2 ausstößt (deutscher Strommix)": pro Kilometer, pro Lebensdauer oder was? Kurz danach werden "leichtere Autos" propagiert: "Dann fährt man mit 250 kWh etwa 3000 km weit und stößt dabei (bei Nutzung regenerativer Energie) im Betrieb kein CO2 mehr aus." Das ist ja zauberhaft. Nur leider getrickst. Die CO2-Ersparnis liegt hier im Schwenk zu regenerativer Energie. Wie viel CO2-Ersparnis der Schwenk zum leichteren Auto bringt, wird nicht verraten.

Also: Inhalte aus Technik und Naturwissenschaft leben oft von quantitativen Aussagen. Die sollten dann aber nicht so lausig aussehen wie die Zahlen, die manche Politiker aus dem Hut zaubern. Eine sorgfältige Wahl der Einheiten (z.B. kW statt PS), Bezugssysteme (z.B. deutscher Strommix/regenerative Energie) und Bezugsgrößen (z.B. pro Kilometer) wäre schön. Zumal die Intention des Textes (nämlich Elektrofahrzeuge zu fördern und leicht zu halten) voll auf meiner Linie liegt.

Dietmar Dowe, Allensbach

Heiße Tipps für kühle Sparer

Ihre "heißen Tipps für kühle Sparer" bleiben leider in jeder Beziehung unergiebig lauwarm und folgen der Unsitte von "Verbraucherberatungen", Spartipps für Haushaltsgeräte zu geben, ohne den konkreten Stromverbrauch in kWh pro Tag oder Jahr für alte und neue Geräte und für die Verhaltenstipps zu nennen. Ihr Beispiel Kühlschrank ist bei Sicht auf die 40 Mio. Haushalte besonders wichtig, weil es die Grundlast und damit die AKW-Interessen betrifft. Warum sagen Sie das nicht?

Es ist ziemlich unsinnig, von der Regierung zu fordern, die Stromkosten, „die während der Lebensdauer der Geräte entstehen“, auszuweisen: die Regierung als Preisprophet? Klima- und energiepolitisch notwendig ist vielmehr die Forderung, für Kühlgeräte max. zulässige kWh/Tag zunehmend schärfer festzulegen, damit Stromfresser vom Markt verschwinden.

Reinhard Nake, Berlin

 

Sie haben Recht: Den 24h-Verbrauch von Kühlgeräten in Verbindung zur Grundlast und der Diskussion um Laufzeiten von Atomkraftwerken wäre ein sinnvoller Hinweis gewesen. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass dieser Artikel nur einen kleinen Teil unserer breiten Aktivitäten im Bereich Energiesparen und in der Kampagne "energieeffizienz – jetzt!" ist. Hierzu gehört auch die Verbrauchsübersicht EcoTopTen des Öko-Instituts, auf die wir im Artikel verwiesen haben. In dem von uns online angebotenen Kühlcheck können Verbraucher sogar individuell erfahren, wie viel der Ersatz ihres speziellen Kühlgerätes zu sparen hilft. Unser TV-Finder liefert sogar noch detailliertere Angaben zu Stromverbrauch und Kosten für Fernsehgeräte.

Die Kennzeichnung von Stromverbrauchskosten ist unserer Meinung nach ein verständlicheres Signal als eine abstrakte kWh-Angabe – auch wenn Strompreise variabel sind. Wir wollen zeigen, dass Schnäppchenpreise durch Stromkosten in gleicher Größenordnung aufgefressen werden, und dass die Stromkosten mit höherem absolutem Verbrauch eines Gerätes steigen. Dem Trend zu immer größeren Geräten wird durch die EU-Energiekennzeichnung nicht angemessen begegnet.

Christian Noll, Projekt Energieeffizienz

Wer nicht fernsieht, soll büßen

Der BUND setzt sich dafür ein, dass jeder leicht an sachliche Nachrichten und qualifizierte Kommentare herankommen kann. Er unterstützt deshalb als "richtigen Weg", dass ab 2013 jeder Haushalt monatlich 18 Euro Rundfunkgebühr zahlen soll. Leider bemerkt er nicht die grobe Ungerechtigkeit, dass auch Personen zahlen sollen, die nicht fernsehen (z.B. aus Prinzip). Er bemerkt nicht, dass sich eine gerechte Alternative anbietet, nämlich öffentlich-rechtliches Pay-TV (in Verbindung mit gebührenfreiem Hörfunk bei stark reduzierter Anzahl öff.-rechtlicher Programme). Er bemerkt nicht, dass Pay-TV auch den Vorteil bringt, zu sparsamem Umgang mit energiefressenden Apparaten anzuregen.

Joachim v. Peschke, Konstanz

Sie stellen die Gebührenbeauftragten der GEZ als "dreiste GEZ-Spione" und "GEZ-Schnüffler" hin. Diese Wortwahl sollten Sie den Journalisten der Boulevardpresse überlassen, sie zählt zur unseriösen Meinungsmache der privaten Sender. Hetzreden sind in einem Fachblatt nicht angebracht. Ich gehe davon aus, dass Sie die Bedeutung der Rundfunkgebühren in unserer Medienlandschaft für eine unabhängige Berichterstattung (auch im Sinne des Naturschutzes) schon richtig verstehen. Dazu gehört auch die Kontrolle der ausgebildeten Fachkräfte der Rundfunkanstalten. Zumindest ist das in Bayern so. Ich bitte Sie um eine Richtigstellung.

Peter Zimmermann, Maxhütte-Haidhof



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