Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leserzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.
Leserbriefe zum Thema
Es ist zu begrüßen, dass nun der wissenschaftliche Beirat des BUND die Nachteile der Energiesparlampen (vor allem Quecksilber) ins Visier nimmt und entsprechende Forderungen gegenüber der EU vorbringt, um die Lampe akzeptabel zu machen.
Besser wäre es jedoch gewesen, der BUND hätte auf die Empfehlung dieser Lampe verzichtet und von vornherein diese Forderungen erhoben! Man sollte ja schon vorher gescheiter sein (nachher sind es sogar manche Politiker). Damit man vorher wirklich gescheiter ist, bedarf es des Breitwinkels, des Blicks fürs Ganze. Dazu sollte der BUND seine diversen Fachleute befragen und gut abwägen und erst dann an die Öffentlichkeit gehen. Dieser Blick fürs Ganze ist vielen Experten verloren gegangen – aber er ist wichtiger denn je, um Vor- und Nachteile eines neuen Produktes abzuwägen.
Wolfram Hellmich, Taufkirchen
Ob Energiesparlampen wirklich dem Klimaschutz dienen, muss sich erst noch erweisen. "Glühlampen wandeln nur fünf Prozent der eingesetzten Energie in Licht um, der Rest verpufft in Form von Wärme." Die Formulierung "verpufft" ist in einem Land, in dem die Heizperiode de facto acht Monate dauert, polemisch und so nicht korrekt.
Die Glühlampe war schon immer "die Heizung des kleinen Mannes". Die Wärme, die von Glühlampen abgegeben wird, wurde und wird benötigt. Eine 60-Watt-Glühlampe erwärmt im Lichtkegel die Luft binnen 20 Minuten noch auf eine Distanz von 70 Zentimeter um bis zu 5 Grad (eigene Messung). In meiner Kindheit hieß es an kühlen Sommerabenden und in den Übergangszeiten nur: Es wird kühl, machen wir das Licht an, dann wird es gleich wärmer … Bis auf Weiteres werde ich also (trotz langjähriger verhaltenskonformer BUND-Mitgliedschaft) Glühlampen wie einen Schatz horten und verwenden.
Ildiko Dewes-Demmerle, Hamburg
"Nachbessern für Gesundheit und Umwelt" reicht nicht. Ihre längst überfällige Beurteilung des EU-Glühlampenverbots bekommt in der Abwägung ein falsches Etikett. Das EU-Glühlampenverbot ist der erfolgreiche Abschluss einer langjährigen Lobby-Arbeit der Lampenhersteller. Mit dem Klimaschutz oder dem Schutz der Umwelt hat es wenig zu tun.
Schon der Name Energiesparlampe (ESL) ist eine maßlose Übertreibung. Die Minileuchtstoffröhre mit Wandler spart so gut wie keine Energie, wenn man die Ökobilanz von der Herstellung über die Lebensdauer bis zur fachgerechten Entsorgung betrachtet. Alle Angaben hierzu wurden von den Herstellern weitgehend unkritisch übernommen, entsprechen aber nicht der Realität.
Darüber hinaus belastet sie die Umwelt, da nur etwa 40 Prozent der ESL überhaupt unbeschädigt einen Entsorger erreichen. Und der Strom-Anteil der Glühlampen, die jetzt durch das EU-Verbot ersetzt werden sollen, ist lächerlich gering (unter zwei Prozent am Gesamtverbrauch). Nur ein kleiner Teil von Glühlampen ist überhaupt dazu geeignet, ausgetauscht zu werden, da an Einsatzorten mit hohen Schaltzyklen (wie z.B im Treppenhaus), die Lebensdauer der ESL sogar noch unter der einer normalen Glühbirne liegt.
An den meisten Einsatzorten müssen aber deutliche Nachteile der ESL in Kauf genommen werden:
- Die sogenannten "Energiesparlampen" erzeugen ein miserables Licht. Statt eines Farbspektrums werden nur ein paar Bruchstücke des natürlichen Lichts abgestrahlt. Dadurch wird die Farbwahrnehmung gestört.
- Der hohe Blauanteil und die elektromagnetische Abstrahlung sind ebenso systembedingt wie die flimmernde Lichterzeugung und haben belastende Auswirkungen auf unseren Organismus.
- Bei kurzen Einschaltzeiten wird die gewünschte Helligkeit nicht erreicht und verringert sich die Lebensdauer drastisch.
- Ein Bruch des Glaskolbens führt zur Emission von Quecksilber.
- Die Helligkeit der mit Licht bestrahlten Fläche entspricht nicht der von den Herstellern genannten äquivalenten Helligkeit der Lampe. Das bedeutet, dass z.B. für eine Lesebeleuchtung die ESL eine höhere Leistung haben muss, als von den Herstellern propagiert. Der Spareffekt wird dadurch erheblich gemindert.
Fazit: Vor dem Einsatz "sogenannter ESL" sollte gewarnt werden, umwelt- und menschenfreundlichere Formen des Energiesparens wie die Verwendung von Halogen-Glühlampen (diese sparen ca. 30 Prozent Strom bei Erhaltung fast aller Vorteile der klassischen Glühbirne) oder ein Verbot von Standby-Stromfressern sollten stärker unterstützt werden.
Walther Neu, Frankfurt/M.
Ihr Artikel über Energiesparlampen kritisiert viel, hilfreiche Information für den Verbraucher aber führen Sie nicht auf. Zum Beispiel ist hinsichtlich des Lichtspektrums zu empfehlen, beim Kauf auf die Lumenzahl zu achten. Zudem sind ESL mit dreistelligen Nummern gekennzeichnet, z.B. 827: Die 8 bedeutet, dass der Farbwiedergabeindex bei 80 bis 89 Prozent liegt; das Lichtspektrum (die Farbtemperatur) sollte niedrig gewählt werden, die 27 (= 2700 Kelvin) entspricht z.B. der Farbtemperatur von Glühbirnen. Je höher der Wert, desto weißer empfindet man das Licht.
Mit diesem Wissen gelingt jeder ESL-Kauf. Bitte also mehr informieren statt kritisieren! Ein entsprechender Ratgeber in einem der nächsten Hefte wäre sehr wünschenswert.
Stephan Philipp, Königsbrunn
Nicht ganz zufällig ist für die nächste Ausgabe ein Ratgeber “Energieeffiziente Beleuchtung” geplant, der diese Anregung berücksichtigt. Lesen Sie dazu im BUNDmagazin 1/2010 (das am 20. Februar 2010 erscheint) den Text auf Seite 27. Der angesprochene Beitrag im BUNDmagazin 4/09 diente dazu, die Position des BUND in dieser komplexen Frage zu verdeutlichen.
Mit Ihrem Kommentar liegen Sie auf der bisherigen Linie des BUND sowie vieler anderer Umweltverbände. Sie appellieren vornehmlich an die gewählten Institutionen wie Parteien und Regierung. Diese können und sollen aber das umsetzen, wofür die Wähler sie gewählt haben. Und das Programm lautet jetzt eben schwarz-gelb und nicht etwa grün.
Wollten Sie wirklich Änderungen, müssten Sie die Wähler ansprechen und möglichst überzeugen. Gleiches gilt für die Verbraucher. Und da ist der BUND doch sehr vorsichtig und restriktiv. Es müsste endlich klar gesagt werden, dass es zumindest unanständig ist, die Lebensgrundlagen des Mitmenschen zu zerstören. Mit dem Appell "Das ist aber schädlich, wenn Du …" ist es für mich jedenfalls nicht getan. Den "Roll-Back" – wie Sie schreiben – zu verhindern wird so nicht möglich sein.
Dietrich A. Strohmaier, Saarbrücken
Die redaktionelle Empfehlung im BUNDmagazin, bei Ökostrombezug sei ein Wechsel des Energieträgers nicht nötig (im konkreten Fall ging es um den Ersatz eines Elektro- durch einen Gasherd), ist falsch und kontraproduktiv, da sie verhindert, dass Schadstoff- und Treibhausgasemissionen vermieden werden. Viele BUND-Mitglieder mit Ökostrombezug werden jetzt denken: Warum sollte der Computer nicht bis zum nächsten Morgen im Stand-by-Modus verweilen? Oder warum den teureren, aber effizienten Kühlschrank wählen, wenn der Strom klimaneutral und umweltschonend ins Haus kommt?
Die Antwort lautet: Der Mehrverbrauch einer Kilowattstunde Ökostrom ist i.d.R. genauso schädlich wie der Verbrauch einer Kilowattstunden „Kohle- oder Egalstrom“. Jede zusätzlich verbrauchte Kilowattstunde wird letztlich in einem Kohle- oder Gaskraftwerk erzeugt. Denn der gesamte regenerativ erzeugte Strom fließt ohnehin ins Netz, weshalb die zusätzliche Nachfrage – auch wenn der Anbieter einen Ökostromvertrag hat – letztlich in einem fossilen Kraftwerk erzeugt wird. Umgekehrt muss jede eingesparte Kilowattstunde nicht mehr fossil produziert werden.
Die Fiktion, dass mensch durch den Ökostrombezug Emissionen der Stromproduktion reduzieren würde, führt zu einem laxeren Umgang mit Strom und somit zu zusätzlichen Schadstoff- und Klimaemissionen.
Wolfgang Irrek, Wuppertal
Die sauberste und günstigste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen. Darauf wurde im Artikel ausführlich hingewiesen. Dass dies auch für Strom aus Erneuerbaren Energien gilt, versteht sich für den BUND von selbst.
Mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht "Gesund essen" gelesen und stimme mit Ihnen völlig überein, dass die Agrarpolitik gefragt ist. Allerdings ist nicht nur diese gefragt, denn sie richtet sich nach den Forderungen der Industrie, mit der sie eng verflochten ist. Gefragt ist vor allem der Verbraucher, denn er hat die Macht mit seiner Kaufentscheidung.
Mit Ihrer Schlussfolgerung "der Industrialisierung der Landwirtschaft einen Riegel vorzuschiebe" liegen Sie nicht nur bezüglich gesundem Essen richtig, sondern auch in der Erhaltung eines freiheitlich, demokratischen Staates. Die Erhaltung einer bäuerlichen Landwirtschaft, das Recht auf Erzeugung des Grundbedarfs sichert Existenzen und Meinungsfreiheit. Beides wird derzeit unterlaufen durch Staat und Industrie. Speziell global agierende Konzerne (wie Monsanto) versuchen, die ganze Produktionskette vom Acker bis auf den Teller zu vereinnahmen, und erhalten damit eine Macht, der die Politik nichts entgegenzusetzen hat.
Verschiedenste Normen, Pflichten und Anforderungen bedrohen die bäuerlichen Betriebe in ihrer Existenz, gedacht für eine Massenproduktion mit globalem Vertrieb, aber unnötig für einen vielseitigen ökologischen Betrieb. Eine der Nachfrage angemessene Produktion und der möglichst direkte Weg vom Erzeuger zum Verbraucher sind die Grundpfeiler einer gesunden Ernährung und der Erhaltung eines weltweiten Friedens. Nachhaltigkeit durch Regionalität.
Leider hat der Wähler bei der letzten Bundestagswahl sich nicht für den ökologischen Weg entschieden. Leider passen sich auch die Bio-Anbauverbände den Strukturen der konventionellen Landwirtschaft an. Es ist an den Umweltverbänden hier tätig zu werden und ein Wende-Szenario zu entwickeln und zu kommunizieren. Die Studien zum "Zukunftsfähigen Deutschland" sind hierfür die Handlungsebene.
Georg Ramm, BUND Cuxhaven
Die Antwort des Autors Hubert Weiger: Ihr Ansatz ist grundsätzlich richtig: Die Verbraucher sind gefordert, aber sie werden nicht korrekt informiert, sie werden manipuliert und verblödet (siehe Weidekühe auf der Milchpackung, wo 90 Prozent der Kühe nur noch im Stall stehen). Es hilft deshalb keine Verbraucherbeschimpfung, sondern nur der Einsatz für ökologisch-soziale Rahmenbedingungen des Wirtschaftens, für Verbrauchermotivation und die Durchsetzung gesellschaftlicher Werteveränderungen, so dass dann tatsächlich die Nachfrage nach Billigprodukten wenigstens bei denen als "unanständig" gilt, welche genügend Geld haben, nur fair und ökologisch zu konsumieren.
Zu Ihrem Beitrag über gesundheitsschädlichen Verkehr: Luftverschmutzung und Lärm müssen reduziert werden. Besonders gilt dies für LKW-Motoren, die einen Luftbedarf von bis zu 2000 Kubikmetern pro Stunde haben. Diese Luftmenge wird extrem verschmutzt. Je LKW entstehen durch Abrieb, Aufwirbelung und Abgas bis 2,23 Milligramm Feinstaub pro Meter Fahrstrecke. Verwaltungen, die dies an windstillen, trockenen Tagen zulassen, begehen Körperverletzung. Danke auch für Ihre Info, dass – skandalös, weil ungestraft – Motorräder Lärmschleudern sein dürfen.
Karl Ross, Würzburg
Schon für eine Autoversicherung zu werben (Rheinland-Versicherungen als Partner des BUND), ist unserer Meinung nach für einen Umweltverband wie den BUND nicht angemessen. Aber dann noch eine "günstige Zweitwagenregelung" anzubieten, wobei Zweitwagen eigentlich doppelt bis dreifach belastet gehören, das ist wirklich unerträglich.
Gaby Wunderlich, Rainer Hamp, Konstanz