Reaktionen unserer LeserInnen auf die Ausgabe 3/2009 "Bundestagswahl"

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leserzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zum Thema

Koalitionscheck Schwarz-Gelb

Als Mitglied des BUND und politisch bei den Grünen Aktive habe ich mit Interesse das neue BUNDmagazin gelesen. Allerdings war ich sehr erstaunt, dass der Koalitionscheck auf Länderebene kein einziges ostdeutsches Bundesland aufführt. Und das, obwohl in Thüringen, Sachsen und Brandenburg Mitte und Ende September Landtagswahlen sind. Das Schema, nur Länder mit schwarz-gelber Koalition unter die Lupe zu nehmen, hat sicherlich einen gewissen Charme. Dem Anspruch, einen repräsentativen Querschnitt durch Deutschland darzustellen, wird dieser Ansatz m. E. nicht gerecht. Hier möge der Hinweis auf das seit zehn Jahren tiefschwarz regierte Thüringen genügen. Der Ausgang der Landtagswahlen in Thüringen dürfte ein nicht unerhebliches Signal für die Bundestagswahlen darstellen. Der BUND Thüringen begleitet die Landtagswahlen u.a. durch Wahlprüfsteine an die Parteien. Umweltpolitisch Interessierte in Thüringen und anderen ostdeutschen Bundesländern würden sich sicherlich eher für den BUND interessieren, wenn die Region, in der sie aktiv für umweltpolitische Ziele streiten, im BUNDmagazin eine angemessene Rolle spielt.
Jennifer Schubert, Jena

Energiesparend kochen

Danke für die Tipps zum Energiesparen im Haushalt. Allerdings dürften sie ruhig noch etwas detailreicher sein. Als wertlos empfand ich deshalb den Hinweis, auf den Neukauf einer Mikrowelle zu verzichten: Es wurde keinerlei sachliche Begründung gegeben.

Weil wir Gasanschluss haben, hatten wir vor einigen Jahren überlegt, mit (Leitungs-)Gas zu kochen. Interessant trotzdem der Tipp zum Kochen mit Flüssiggas-Flasche. Ich würde allerdings aus Sicherheitsgründen auf Flüssiggas im Haushalt verzichten (ist schwerer als Luft, sammelt sich bei Undichtigkeit in Senken). Die Flasche müsste oft gewechselt werden, außerdem ist sie nicht leicht unterzubekommen. Wir haben auf den Einsatz von Gas verzichtet, weil Fachleute bei der Verwendung ausgerechnet für den Backofen, wo es sich energetisch am meisten lohnen würde, abgeraten haben. Es wäre daher interessant, ob es jetzt gute Geräte für Gas auch beim Backofen gibt.
Olaf Tobiasch, Veitsbronn

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und war am Schluss etwas ratlos. Warum geben Sie den Rat, von Elektroherd auf Gasherd umzustellen? Wäre der Rat, zu einem der vier Ökostromanbieter zu wechseln, nicht sinnvoller? Da entsteht dann beim Kochen gar kein Kohlendioxid.

Und warum sollte man es nicht auch beim Nudelnkochen mit möglichst wenig Wasser versuchen? Bei mir klappt das seit Jahren ziemlich gut. Vielleicht kommt diese Empfehlung einfach daher, dass in Restaurants das Wasser eh köchelt und man dann wenige Nudeln in den großen Topf wirft …
Peter Kröger, Minden

Antwort der Redaktion:

Sie haben recht: Wird ein Elektroherd mit Ökostrom betrieben, können beim Kochen die CO2-Emissionen fast komplett vermieden werden. Eine Umstellung auf einen Gasherd ist dann nicht mehr sinnvoll.

Verballhornung

Die Verballhornung unserer guten deutschen Sprache kennt wohl keine Grenzen? Da wird in Ihrem Beitrag "Cool durch den Sommer" ein "Klimagerät beworben". Zur Erinnerung: Ein Mensch kann sich um etwas bewerben (eine Arbeitsstelle, eine Vergünstigung usw.). Eine Firma kann für ein Gerät werben; aber ein Gerät kann man nicht bewerben. Bitte, liebe Redaktion: Diese Wendung ist der im Allgemeinen guten Ausdrucksweise des BUND nicht würdig.
Ursula Lenk, Berlin

Schwarzbuch Wald

Als Förster und langjähriges BUND-Mitglied habe ich das Schwarzbuch Wald mit Unmut im Internet gelesen. Öffentlich ausgetragener Zwist zwischen Naturfreunden lässt ihre Bemühungen um politischen Einfluss wirkungslos werden. Warum haben die Verfasser mit ihren Beispielen nicht den Naturfreund "Forst und Holz" zu einer Gesprächsrunde aufgefordert? Von den Fallbeispielen ist nur der Verkauf großer NRW-Staatswaldflächen an Privatpersonen gravierend. Dieser Vorgang beweist aber leider auch, wie schwach wir sind. Selbst im Bündnis konnten wir den Landtag nicht dazu bewegen, gegen diese empörende Absicht der Regierung zu stimmen.

Vorgeblich kritisiert das Schwarzbuch die politischen Entscheidungsträger. Tatsächlich aber stellt es einige Förster an den Pranger und gibt ihnen keine faire Chance, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Keine Verwaltung in Deutschland wurde so gründlich zerschlagen wie die Forstverwaltung. Seit zwei Jahrzehnten im Personal fast halbiert und nahezu ohne Nachwuchs, gibt es in den einzelnen Ländern jeweils nur wenige hundert Personen zumeist älter als fünfzig Jahre, noch dazu verteilt auf unterschiedliche Behörden. Trotz Überlastung (Orkanschäden) erhalten sie unermüdlich ihre Reviere in einem großflächig gepflegten Zustand. Die zahlreichen im Schwarzbuch abgebildeten Bestandesränder würden in zwei Jahren Fotos mit vielfältigem, üppigem Bewuchs liefern.
Dr. Helmuth Freist, Hann. Münden

Quecksilber

Bei qualitativer Fertigung enthält eine Energiesparlampe nicht mehr als 5 Milligramm Quecksilber. Danke für Ihren Hinweis auf dieses Giftproblem, das wir von zerbrochenen Fieberthermometern kennen. Doch als ich in einer Sammelstelle eine alte Lampe abgab, wurden die Lampen und Leuchtstoffröhren unverpackt in einer Metall-Gitterbox gesammelt. Einige waren deshalb zerbrochen. Wegen der Gefahren in Wohnungen sollten wir hoffen, dass die Ära dieser Sparlampen bald vorbei ist und wir anders sparen können.

Erstaunlich ist für mich die einseitige Besorgnis wegen 5 mg Quecksilber, die zu Ihren nützlichen Empfehlungen führt. Denn viele Menschen tragen die mehrmals hundertfache Menge Quecksilber in Form von Amalgamfüllungen im Mund herum. (Amalgam besteht zu ca. 50% aus Quecksilber.) Gegen dieses Treiben der Zahnärzte wird derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt. Es wird nicht weiter hingenommen, dass die deutsche Regierung bei dieser Vergiftung tatenlos zusieht.

Beim Kauen wird Quecksilber mechanisch frei, bei heißer und saurer Kost verstärkt herausgelöst und selbst bei Körpertemperatur ohne Kaubewegung verdampft. Während der Zahnarzt eine neue Amalgamfüllung poliert, wird je nach Größe und Nachbearbeitung Quecksilber von ca. 1 bis 10 Sparlampen zerstäubt und verdampft – Menschen als billige Giftmülldeponien für recyceltes Batteriequecksilber. Weiterer Verschiebebahnhof des Problemstoffs sind dann die Krematorien: Eigentlich ein ergiebiges Thema für recherchierfreudige Journalisten! (…)
Eckbert Vogel, Waldenburg

Bleimunition

Mit Interesse habe ich den Beitrag zur Verwendung von Bleimunition im letzten BUNDmagazin gelesen. Ich bin aktiver Jäger und verwende seit etlichen Jahren konsequent nur bleifreie Munition, und zwar für Schrotflinten (Schrotpatronen) wie auch für Büchsen (Büchsenpatronen). Meine Erfahrungen sind ausgesprochen positiv, und zwar sowohl hinsichtlich der Präzision (auch bei großen Entfernungen bis zu 300 m mit Büchsengeschossen) als auch mit der Wirkung auf das Wild.

Um das Geschossverhalten zu dokumentieren, habe ich einige Kupfergeschosse, mit denen ich Wild erlegt habe, aus dem Boden ausgegraben und zwei davon fotografiert. Die Thematik wird in Jägerkreisen durchaus diskutiert, ich habe z.B. schon mehrere Kollegen davon überzeugen können, auf Kupfergeschosse umzusteigen. Interessante Beträge finden sich z.B. unter www.saxtech.eu.

Nach meinen Erfahrungen kann allerdings der im Artikel erwähnte Aspekt des Abprallverhaltens nicht ignoriert werden. Es ist eindeutig so, dass Kupfergeschosse aufgrund ihrer höheren spezifischen Härte und weil sie nicht so stark zerlegen (also ein größeres zusammenhängendes Restgewicht verbleibt), im Vergleich zu bleihaltigen Teilmantel-Büchsengeschossen potenziell mehr zum Abprallen neigen und dann auch das Hintergelände stärker gefährden (bis zur Entfernung von mehreren Kilometern). Bei der Jagd muss deshalb ganz besonders auf einen ausreichenden Kugelfang, die Beschaffenheit des Bodens (z.B. gefroren, steinig) und einen ausreichend steilen Auftreffwinkel des Geschosses geachtet werden. Das höhere Abprallverhalten inkl. der Gefährdung des Hintergeländes gilt auch für bleifreie Schrotmunition (Stahlschrotpatronen), allerdings nur für geringere Entfernungen bis zu wenigen hundert Metern.

An der Diskussion beteiligen sich leider gerade in letzter Zeit auch gewisse Kreise, denen es allem Anschein nach weniger um sachliche Aspekte geht, als eher darum, Jagd und Jägern mit einem neuen Thema zu schaden. Wer z.B. wie Teile der Grünen (ich bin da selbst Mitglied und Gemeinderat) Jäger und Sportschützen ständig als Gefahr für die innere Sicherheit diffamiert und in Sachen Waffenrecht ideologische und schikanöse Positionen vertritt, muss sich nicht wundern, wenn er von den Jägern nicht als vertrauenswürdiger Gesprächspartner wahrgenommen wird. Es ist ja auch absurd, wenn gerade diejenigen, die z.B. die zentrale Lagerung von Waffen und Munition fordern (was die Jagdausübung extrem behindern würde), andererseits von den Jägern verlangen, bleifreie Munition z.B. mit Kupfergeschossen zu verwenden, die potenziell gefährlicher ist als die bisher verwendete Munition. Diese Gruppierungen wären dann sicher die ersten, die einen Unfall mit bleifreier Munition zum Anlass nehmen würden, lautstark neue Schikanen gegen Jäger zu propagieren.
Siegmund Rohrmoser, Oberstdorf

Als Verfechter bleifreier Munition – ich schieße seit fast 20 Jahren Büchsenpatronen mit bleifreien Geschossen aus den USA – interessiert es mich sehr, wie Seeadler an bleikontaminiertes Aas kommen konnten. Ich war immer davon ausgegangen, dass Seeadler sich ausschließlich von Fischen ernähren.

Vom DJV (Deutscher Jagdschutzverband) mit seinen verknöcherten Strukturen können Sie nichts erwarten. Von der DEVA (Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V.), die sich angeblich seit geraumer Zeit an einer Studie über das Abprallverhalten von bleifreien Geschossen festhält, leider auch nichts. Beide Organisationen sind im höchsten Maße von der deutschen Munitionsindustrie abhängig. Die DEVA wird durch sie im Wesentlichen finanziert. Wie soll da ein unabhängiges und objektives Untersuchungsergebnis entstehen?

Ich habe im vergangenen Jahr mit Prof. Anton Moser von der TH-Weihenstephan in Sachen bleifreier Büchsengeschosse einen Disput ausgetragen und war sehr irritiert, mit welcher Unkenntnis und Unsachlichkeit von einem Hochschullehrer Behauptungen aufgestellt wurden, die er durch nichts belegen konnte. Eine höchst blamable Angelegenheit.

Ich wundere mich deshalb über nichts mehr und habe meine Aufklärung über bleifreie Büchsengeschosse selbst im Freundeskreis aufgegeben. Die Deutschen wollen einfach bleikontaminiertes Wildbret essen! Man ist nicht lernfähig.
Gerd Schumacher, Mellrichstadt

Umweltverträgliche Wasserkraft?

In den Hohen Tauern kannte ich einst ein großes, in den Berg weit hineinreichendes Gewölbe. Im Dämmerlicht zu sehen waren saftig-grüne Pflanzen an den Wänden, leise herabrieselndes, kristallklares Wasser und vor allem märchenhaft schöne, sehr große Fliegenpilze – ein Traum!

Bei einem Besuch Jahre später hatte ich Tränen in den Augen: alles war dürr, verwelkt, tot. Warum? 300 Höhenmeter darüber floss seit Menschengedenken ein kleiner Bach. Dieser verschwand im rissigen Fels und schuf tief unten die kleine Märchenwelt. Dann wurde er „gefasst“ von Menschen, die im Auftrag von Kraftwerken unablässig unterwegs sind und vor denen das kleinste Gewässer nicht sicher ist. Dieser Bach füllt nun den Kölnbreinspeicher. Wer erst einmal sensibilisiert ist, sieht die Fallen, in denen überall das einst frei fließende Wasser auch in kleinsten Adern eingefangen wird.

Da klingt es wirklich zynisch, wenn Herr Lippay von der „Wasserkraft Volk AG“ von „Umweltverträglichkeitsprüfungen“ redet. Das tut er am Schreibtisch im Interesse seiner Firma. Aber gehen Sie doch bitte mal raus, dorthin, wo es passiert!
Rolf Schroeder, Holzgerlingen

Ilisu-Staudamm

Es sieht – anderen Kommentaren nach, die ich gehört habe – keineswegs so aus, dass der Ilisu-Staudamm nicht gebaut wird. Stand der Dinge ist wohl, dass das riesige Baufeld bereits geräumt ist und die gesamte bauzeitliche Infrastruktur schon vorhanden ist. Der Damm kann nun ohne weitere Auflagen errichtet werden. Soziale, kulturelle und ökologische Standards müssen nicht mehr eingehalten werden.

Ich hatte auch gehofft, dass das Projekt jetzt zu den Akten gelegt wird. Für das nächste Heft sollten Sie recherchieren und die Sachlage klarer darstellen.
Karin Giesler, Bonn

Antwort der Redaktion:

Vielen Dank für Ihre Einschätzung, da war die Redaktion womöglich ein wenig zu optimistisch. Wir werden das Projekt weiter im Auge behalten und, wenn sich die Situation eindeutiger zeigt, wieder darüber berichten.



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