Reaktionen unserer LeserInnen auf die Ausgabe 2/2009

Die Redaktion vom BUND-Magazin freut sich über jede Leserzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zum Thema

Klimaschonende Ernährung

Nun haben wir schon eine "Klimalast" auf unserem Teller. Fehlt nur noch – adäquat Ihrem "Kartoffelfaktor" – ein Faktor für unser Atmen, unseren eigenen CO2-Ausstoß, mit der Empfehlung, regelmäßig Atempausen zu machen. Allmählich wird es ärgerlich, wenn nicht sogar lächerlich.

Natürlich fängt alles in täglicher Verantwortung bei uns selber im Kleinen an, unser Bewusstsein für die ökologischen Zusammenhänge ist mehr denn je gefordert und muss unser Konsum- und Verbraucherverhalten bestimmen. Aber lassen wir doch die Kirche im Dorf, die Kuh im Stall, den Käse auf dem Brot und die Sahne im Kaffee.

Abgesehen davon, dass eine so einseitige Ernährungsbetrachtung, die den Wert eines Lebensmittels nur nach Kalorien und CO2-Faktor bemisst, wissenschaftlich nicht vertretbar ist. Die geschmähte Butter etwa gehört in ihrer Wirkstoffvielfalt und lebendigen Gesamtkomposition zu den wertvollsten, natürlichen Fetten, auch wenn Cholesterin-Zähler das Gegenteil behaupten. Margarine ist niemals ein gleichwertiger Ersatz. Mit bescheidener Freude also sollten wir noch essen dürfen, ohne Kartoffelfaktor auf der Zunge.
Marianne Brütt, Winterbach

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der BUND das Thema Ernährung aufgegriffen hat. Dennoch muss ich ein wenig "meckern", denn meiner Meinung nach geht Ihr zu vorsichtig mit dem Thema um. Tatsächlich ist es doch so, dass Tierprodukte (und verarbeitete Produkte) überhaupt vermieden werden sollten. Nicht nur das Rindfleisch, sondern jedes Fleisch und die anderen Tierprodukte schaden dem Klima und der Umwelt.

Daher müsste Euer Aufruf eigentlich heißen: Liebe Freunde, esst kein Fleisch und keine Tierprodukte, weil sie Umwelt und Klima schädigen (und außerdem euch selbst!). Eine vegane Ernährungsweise ist nicht nur die gesündeste, sondern auch die am wenigsten umweltschädliche Ernährung, die es gibt.
Darüber hinaus verringert man das Leid der Welt, und das allein sollte es wert sein, auf Fleisch und andere Tierprodukte zu verzichten.

Ich bitte Euch daher herzlichst: Macht Euch mal schlau (z.B. in Vegan-Foren) und geht im nächsten Magazin dann darauf ein. Wenn ihr das freundlich und höflich formuliert, schlagt Ihr auch keinen vor den Kopf oder verprellt vielleicht Mitglieder, die erbost reagieren könnten. Leute, die den Naturschutz unterstützen, halte ich prinzipiell für offen für derartige Themen. Also: Nur Mut!
Elke Jacobi, Hamburg

Nach Aussage der Zeitschrift "Schrot und Korn" entfällt die Hälfte des CO2 im Bereich Ernährung auf das Lagern und Kochen. Es gilt also nicht nur auf den CO2-Faktor der Lebensmittel zu achten, sondern zugleich auf die Weiterverarbeitung im eigenen Haushalt: Muss eine Gefriertruhe wirklich sein, reicht nicht ein Kühlschrank? (Vor wenigen Jahrzehnten tat’s noch der Keller.) Wo immer man direkt mit Gas kochen kann, sollten elektrische Herdplatten oder Wasserkocher tabu sein, auch wenn man Ökostrom bezieht. Und wer Zugang zur Sonne hat (auf der Terrasse, dem Balkon, im Vorgarten), sollte sich mit einer neuen Technik vertraut machen: dem Solarkocher. Das Essen wird hier vergleichsweise langsamer gar, kann aber nicht verbrennen und behält alle Geschmacksstoffe.

Im Internet finden Sie mehr dazu unter www.solarfood.de, in der Buchhandlung empfehle ich "Kochen mit der Sonne – Solar kochen und backen in Mitteleuropa".
Ulrich Zimmermann, Frankfurt/Main

Red.: Die nächste Ausgabe des BUNDmagazins (Erscheinungstermin: 15. August) wird einen Ratgeber über "Klimaschonendes Kochen" enthalten

Kleinod mit Zukunft

In Ihrem Beitrag zum Nationalpark Kellerwald steht zu lesen: "Lage und Flächengröße wecken erst einmal Zweifel: die Lage, weil der Kellerwald in Hessen liegt. Seitdem Roland Koch hier vor zehn Jahren Ministerpräsident wurde, kann von einer seriösen Umweltpolitik offenbar kaum mehr die Rede sein – so das einhellige Urteil der Betroffenen."

Abgesehen davon, dass völlig offen bleibt, wer denn "die Betroffenen" sein sollen, finde ich eine solche parteiliche Aussage in einem ansonsten weitgehend von Sachlichkeit geprägten Beitrag unangebracht. Offenbar gehen die Verfasser davon aus, dass der BUND nur Platz für Mitglieder und Sympathisanten der grünen Partei bietet und politisch Andersdenkende nicht Mitglied im BUND sein können. Gerade aber für diese Klientel, die Anliegen des BUND in ihren Parteien vertritt, sind solche und ähnliche Aussagen – wie man sie auf den Seiten des BUND Hessen im BUNDmagazin bedauerlicherweise des Öfteren findet – ein Schlag ins Gesicht. Ein jeder mag seine eigene Bilanz der hessischen Umweltpolitik ziehen – ich im Übrigen eine positive –, aber das "BUNDmagazin" sollte um Glaubwürdigkeit bemüht und politischer Neutralität verbunden bleiben, damit die Anliegen des BUND in allen demokratischen Parteien diskutiert werden können.
Prof. Dr. Hubertus Brunn, Mücke

BUND erhält Gütesiegel

Wie wir im letzten BUNDmagazin lesen konnten, hat sich der BUND ökozertifizieren lassen – nach dem europäischen Standard EMAS. Doch dieses Zertifikat haben neben dem BUND beispielsweise auch das Atomkraftwerk Isar, die EADS, diverse Produktionsstätten von Automobilherstellern (VW, BMW, Daimler) und viele mehr.
Dass ein Atomkraftwerk ökozertifiziert betrieben werden kann, mag einen verwundern. Noch mehr verwundert es allerdings, dass der BUND bei dieser Greenwashing-Maschinerie unbedingt mitspielen will – statt sie zu kritisieren. Wobei lobend zu erwähnen sei, dass es durchaus Gruppen im BUND gibt, die dies tun: www.bund.net/suedlicher-oberrhein
Hanno Böck, Berlin

Fragwürdige Rendite

Auf Seite 43 finde ich die Werbung für einen "BaumSparVertrag". Die angegebene Rendite von ca. 10 Prozent ließ mich stutzig werden, weshalb ich mir die Website angeschaut und festgestellt habe, dass hier sogar noch höhere Renditen versprochen werden.

Ich kenne den Anbieter nicht. Doch zweistellige Renditen sind immer (!) mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko verbunden, und zwar unabhängig davon, ob es sich um angeblich ökologische Anlagen handelt oder nicht. Zudem stellt sich die Frage, auf wessen Kosten solch hohe Renditen erwirtschaftet werden. In der Regel auf Kosten von Menschen, die für niedrigste Gehälter arbeiten. Schon vor der Wirtschaftskrise war bekannt: Wenn wir nicht für die Rendite arbeiten, müssen andere das für uns tun; und dies zu Bedingungen, über die wir, wenn sie in der Öffentlichkeit diskutiert werden, gerne empört sind.

Ein bekanntes Beispiel dafür, wie riskant auch "grüne Anlagen" mit hoher Rendite sind, ist die Prime Forestry AG Switzerland. Prime Forestry hatte mit Teak Investments in Panama bis zu 14 Prozent Rendite versprochen. Das Unternehmen warb mit ethischer Anlage, von Nachhaltigkeit war die Rede, von Umwelt- und Sozialverträglichkeit, FSC-Zertifizierung und "Clean Development Mechanism". Im Mai 2006 meldete das Unternehmen Konkurs an, über 3000 Anleger verloren ihr Kapital.

Wenn das BUNDmagazin also auf Unternehmen aufmerksam macht, die sich das Label "Grün" verpassen, wäre es dann nicht auch angebracht, diese grünen, nachhaltigen, fairen Anlagen einmal kritisch zu beleuchten? Sie könnten über Prime Forestry berichten, oder bzgl. Baumpatenschaften auch darüber, wie schwer ein noch junger Wald zu bewerten ist und was zweistellige Renditen in der Regel bedeuten. Fair wäre dies zumindest gegenüber Ihren LeserInnen. Und darüber hinaus ein Zeichen für die Unabhängigkeit, die dem BUND doch ansonsten sehr wichtig ist.
Michaela Möhn, Heringsdorf

Wir prognostizieren den BaumSparVertrag (BSV) mit 9,65% Rendite im Maximum – neu vereinfacht mit 9,6%. Ich kann eine höhere Renditeprognose nicht dort vorfinden. Auch wir sind intern in ständiger Diskussion darüber, wie man noch ethisch vertretbar Renditeerwartungen und -prognosen darstellt. Wie bei allen anderen Produkten gehen wir jetzt auch beim BSV dazu über eine "Spannbreite" zu nennen, die von WorstCase (4%) bis BestCase (9,6%) reicht. Keine Frage, als Wirtschaftsunternehmen – und das sind wir, wenn auch ökologisch und nachhaltig ausgerichtet – sind wir hier immer in einem Zweispalt zwischen Anspruch und Wirtschaftsleben, was das Marketing angeht. Ich glaube, dass wir hier einen vertretbaren Kurs fahren und im Vergleich z.B. zum
allgemeinen Wettbewerb sehr "zurückhaltend" werben. Bleibt aber auch die Tatsache, dass wir uns im Wirtschaftsleben bewegen und keine Non-Profit-Organisation sind.

Gern senden wir Ihnen eine aktuelle Ausgabe unserer Zeitschrift "ForestFinest" zu, in der wir sehr (selbst)kritisch mit Renditeprognosen umgehen.
Was das Risiko betrifft, hat Frau Möhn völlig Recht! Wie jedes Investment, ist auch der BSV (und alle unsere Produkte!) keineswegs risikofrei. Eine Tatsache, auf die wir auch immer hinweisen – bis hin zum Risiko des Totalverlustes. Natürlich glauben wir, dass die Chancen die Risiken übersteigen. Allerdings glauben wir auch, dass wir keinen BaumSparer (oder sonstigen Investor) darüber im Unklaren lassen, was er tut und was er lieber nicht tun sollte. Im Übrigen ist das Risiko in seiner Höhe keineswegs logischerweise mit der Höhe der Rendite verbunden. Würden wir den BSV mit einer Rendite von 6% bewerben, würde das Risiko keineswegs kleiner oder größer werden.

Wir stehen hier auch wieder im Zwiespalt. Die Preise für (Tropen)Hölzer sind in den letzten Jahren (Jahrzehnten) so exorbitant gestiegen, dass eine übliche Renditeprognose von über 10% eben durchaus "möglich" und auch logisch zu vertreten wäre. Wir selbst beurteilen solche Marktbewegungen durchaus kritisch, müssen aber z.B. auch aus verbraucherschutzrechtlichen Gründen (Vergleichbarkeit, Datenbasis) Prognosen vornehmen, die auf Zahlenbasis aufsetzen, und die Preisentwicklung für Tropenhölzer war eben so.

Wir legen großen Wert darauf, dass die Sozialverträglichkeit der Arbeit in unserem Unternehmen sowohl in Europa, als auch in Panama gegeben ist. Dies drückt sich nicht nur in Überzahlung des gesetzlichen Mindestlohnes und Sozialstandards aus, sondern auch in firmeninternen Maßnahmen wie Fortbildung, Mikrokreditprogrammen, Housing etc. pp. Hier haben wir – für ein Unternehmen unserer Größe – nun wirklich viel vorzuweisen. Nein, die "Wertschöpfung" findet hier weder durch Ausbeutung von Menschen, noch von Natur & Umwelt statt. Im Gegenteil. Würden wir Forstwirtschaft im industriellen, kapitalistischen und naturzerstörerischen Sinne betreiben, könnten die Renditen wesentlich höher sein.

Zu "Prime Forestry" hat die ForestFinance übrigens immer ein kritisches Verhältnis gehabt. Wir hielten und halten Renditeprognosen von deutlich über 10% für Teakmonokultur-Plantagen für wenig realistisch. Auch halten wir die Einstandspreise für Teakmonokulturen für viel zu hoch. Hier scheinen uns exorbitant hohe Provisionen im Spiel zu sein. Auch produzieren wir keine Monokulturen, sondern tropische Mischwälder, die in ein stabiles Mischwald-Biotop tropischer Art münden sollen. Wir legen schon Wert darauf, dass dies etwas "anderes" ist – eben nicht auf Profitmaximierung betrimmte Forstwirtschaft.

Auch unsere kritische Haltung zur tropischen FSC-Zertifizierung ist bekannt. Innerhalb des FSC vertreten wir eher die Position von Robin Wood, die grundsätzlich die Zertifizierung von Plantagen ablehnt. Diese Position werde ich auch auf der FSC-Mitgliederversammlung (die ForestFinance ist Mitglied des FSC) vertreten. Wir bedauern sehr, dass auf Holz-Hochleistung getrimmte Monokulturen FSC-zertifiziert werden können. Dies gilt auch für die unseres Erachtens noch umweltschädlicheren Eukalyptus-Monokulturen.

Kleiner Hinweis: Die Prime Forestry ist in Insolvenz gegangen. Es existiert eine Auffanggesellschaft (Forest for Friends AG), welche die Forest weiter betreibt. Die Anleger haben wohl einen großen Teil der Rendite, aber vermutlich nicht ihr Kapital verloren.

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.
Harry Assenmacher

Titelthema "Lebendige Flüsse"

Die im Bericht "Chance zur Wiedergutmachung" kritisierte Wasserkraft wird hier völlig zu Unrecht ins falsche Licht gerückt. Wer einen Blick in alte Wasserkraftkataster oder Wasserrechtsbücher aus dem Kaiserreich wirft, muss feststellen, dass auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland vor 100 Jahren über 80.000 (!) Wasserkraftanlagen vorhanden waren. Gerade mal knapp 8.000 sind davon heute noch in Betrieb! Die Mehrzahl dieser Anlagen (Mühlen, Sägen, Kleinwasserkraftwerke o.a. Pumpwerke) lagen an kleinen Flüssen oder Bächen. Seit rund tausend Jahren wird diese Naturenergie hier in Deutschland genutzt. Sollten die im Bericht aufgeführten Argumente gegen die Wasserkraft zutreffen, müssten die meisten Fischarten eigentlich schon lange ausgestorben sein. Mit der Aufgabe und Vernichtung von zigtausenden von Wasserkraftanlagen wurden mit dem Beseitigen der notwendigen Wehre (Querbauwerke) meist auch die dazugehörigen Triebwasserkanäle oder Mühlgräben zugeschüttet. Somit gingen wertvolle Laichgründe und vor allem Rückzugsmöglichkeiten bei Hochwasser verloren. In vielen Gegenden wie zum Beispiel in den Tälern von Strudelbach und Kreuzbach im Landkreis Ludwigsburg waren zudem unzählige Wiesenbewässerungsgräben vorhanden, die mit Hilfe von Wehren Wasser aus den Bächen abzweigten.

Es ist mir unverständlich, dass ausgerechnet der BUND in seinem Magazin mit einseitigen Argumenten und Halbwahrheiten gegen die Wasserkraftnutzung vorgeht. Denn wer behauptet, Wasserturbinen wären Fischhäckselmaschinen, hat von der Funktionsweise und Technik dieser Kraftmaschinen keinerlei Ahnung. Vielmehr kommt hier der Verdacht auf, dass für die Recherche einschlägige Anglerzeitschriften oder auch der "Stern" (Der Wasserkraftstrom ist blutrot) zu Hilfe genommen wurde.

Hauptgrundlage für die seit zehn Jahren dauernde Kampagne gegen die Wasserkraft war ein Gutachten an einem Großkraftwerk der E-ON in Dettelbach am Main. Hier wurden 100 Fische betäubt und durch die Anlage gelassen. Der Stababstand des Rechens beträgt hier unverständlicher Weise 90 Millimeter! Rund 20 Prozent der Versuchskandidaten kamen mit Schlagschäden (durch den Aufprall auf die Leit- oder Laufradschaufeln), davon 15 Prozent mit geplatzter Schwimmblase (wegen der Druckschwankung) ums Leben. Zerhackte Fische wurden nicht festgestellt. Jedem Interessierten empfehle ich einmal Veranstaltungen wie den Mühlentag am Pfingstmontag oder den Tag des offenen Denkmals aufzusuchen. Hier bieten sich genug Möglichkeiten, diese "Höllenmaschinen" selbst in Augenschein zu nehmen.

Angesichts drohender Klimakatastrophe kommen auf die Flüsse und damit auch auf die Menschen noch ganz andere Belastungen zu. Mit Hilfe der Wasserkraftnutzung könnten viele Fehler aus der Vergangenheit der Fluss- bzw. Gewässerregulierungen rückgängig gemacht werden, ohne dass der Steuerzahler über Gebühr belastet wird, und die Erzeugung von CO2-freiem Strom könnte erheblich gesteigert werden.
Roland Merlau, Bönnigheim

Gestatten Sie uns einige Anmerkungen zu den Aussagen bezüglich der Wasserkraftnutzung. Wir finden es höchst bedauerlich, dass ein Magazin mit dem Anspruch, seriös über Umweltschutzfragen zu berichten, einen derart tendenziösen und schlicht mit fragwürdigen Aussagen gespickten Bericht
veröffentlicht. Man könnte den Eindruck erhalten, dass hier die Angler-Lobby journalistisch zum Zuge kam.

Ihr Autor sieht Turbinen und Staumauern als Todesurteil für Fische. Ihm hätte auffallen müssen, dass früher nachweislich um ein Vielfaches mehr Wasserkraftanlagen (und nicht nur Mühlenräder) existierten, die keinesfalls den heutigen ökologischen Standards entsprochen haben und für Fische deutlich riskanter waren. Trotzdem waren der Fischbestand und die Fischarten wesentlich größer. Folgt man der Logik des Autors, hätte sich der Fischbestand mit nachweisbarer Abnahme der Wasserkraftanlagenanzahl entsprechend vergrößern müssen, was aber nicht der Fall ist. Der Schluss liegt nahe, dass der reduzierte Fischbestand wohl andere Ursachen haben muss als die Wasserkraft.

Ihr Autor behauptet weiter, dass der Fischabstieg durch Turbinen regelmäßig zu Fischhäcksel führt. Uns würde sehr interessieren, wo konkret Ihr Autor diese Beobachtungen gemacht hat oder ob hier unreflektiert irgendwelche Anekdoten übernommen wurden. Der Großteil der heute aktiven Wasserkraftanlagen verfügt über Vorrichtungen, die Fauna und Flora eines Gewässers schützen. Unter anderem – sofern Ihr Autor Wasserkraftanlagen persönlich begutachtet hat – wäre ihm aufgefallen, dass sich Rechen am Einlauf befinden, bei unserer hauseigenen Anlage zum Beispiel mit einem Rechenabstand von 18 (!) Millimeter. Es ist daher unmöglich, dass sich selbst kleinere Fische in die Turbine "verirren".

Höchst bedauerlich finden wir, dass Ihr Autor und damit Ihr Magazin in den wasserkraftkritischen Kanon einstimmen, weder ohne konkret zu werden noch zu erwähnen, dass die Umweltverträglichkeitsprüfungen heute so restriktiv sind, dass von Wasserkraftanlagen keine Gefährdung der Fauna und Flora ausgehen kann. Es wäre ein Leichtes gewesen, zum Beispiel bei den Universitäten Stuttgart und München entsprechende Gutachten zu erhalten, die dies bestätigen und die wissenschaftlich (und nicht nach "Hören-Sagen") erstellt worden sind.

Unsere hauseigene Wasserkraftanlage ist Gegenstand eines Langzeitmonitorings. Nach fünf Jahren wurden keinerlei Schädigungen nachgewiesen – sondern nur neutrale bis positive Auswirkungen. Die Studie wird von der Uni Stuttgart betrieben und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert. Sie ist also neutral. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen lassen wir Ihnen auf Wunsch gerne zukommen.

Wir laden Sie und Ihren Autor gerne ein, sich eine Wasserkraftanlage aus nächster Nähe anzuschauen. Gerne stellen wir uns einem kritischen Dialog auf objektiver Faktenbasis. Der in Ihrem Magazin veröffentlichte Beitrag trägt jedenfalls in keinster Weise dazu bei, sich dem Thema umweltverträgliche Wasserkraft objektiv zu nähern.
Christoph Lippay, Wasserkraft Volk AG, Gutach-Bleibach

Antwort des BUND:

Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Der BUND hat sich als Naturschutzverband intensiv mit diesem Thema befasst (siehe die BUND-Position "Wasserkraftnutzung unter der Prämisse eines ökologischen Fließgewässerschutzes"). Unser Artikel diente nicht einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem Thema Wasserkraft. Vielmehr hat Dr. Dörfler verschiedene Beeinträchtigungen unserer Fließgewässer aufgezählt, und hierzu gehört unzweifelhaft auch die Wasserkraftnutzung und die mit ihr verbundene strukturelle Veränderung der Gewässer.

Tatsächlich gibt es – anders als Sie schreiben – leider noch keine "ökologischen Standards" für Wasserkraftanlagen, bestenfalls technische Standards. Ebenso schließen Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) keinesfalls aus, dass von Wasserkraftanlagen Gefahren für Flora und Fauna ausgehen können. Auch dies wird Ihnen selbstverständlich bekannt sein, wenn Sie schon einmal eine UVP in der Praxis begleitet haben. Bitte senden Sie uns doch die erwähnten Gutachten der Universitäten Stuttgart und München zu, die belegen sollen, dass UVP für Wasserkraftanlagen heute eine Gefährdung von Flora und Fauna ausschließen.

Wie Sie schreiben, weist Ihre Anlage eine Rechenweite von 18 Millimeter auf – ein vergleichsweise kleiner Wert, wie Sie wohl wissen. Von der möglicherweise geringen Schadwirkung Ihrer Anlage auf alle anderen schließen zu wollen, dürfte etwa so korrekt sein, wie mit der Existenz eines 3-Liter-Autos den gesamten Autoverkehr als ökologisch zu begründen.

Selbstverständlich begrüßen wir es sehr, wenn Betreiber von Wasserkraftanlagen alle Möglichkeiten nutzen, um ihre Anlage möglichst naturschutzgerecht zu betreiben. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die von Ihnen genannten Studien auch zum Monitoring Ihrer Anlage zukommen lassen könnten. Möglicherweise ist dies ja ein gutes Beispiel für andere Wasserkraftnutzer.
Stephan Gunkel, BUND, Leiter Gewässerpolitik

Sonstiges

Ich möchte mich für Ihre phantastische Zeitschrift bedanken, die Sie mir – trotz meines Auslandaufenthaltes – regelmäßig zuschicken. Ich war selbst einige Jahre im BUND Berlin aktiv, lebe jetzt in Griechenland und freue mich über die Aktivitäten in Deutschland.

Hier in Griechenland bin ich nur in meiner privaten Umwelt und meinem Umfeld aktiv. Alles andere ist zu frustrierend, weil die Griechen nicht verstehen, dass es bereits eine Minute nach 12 Uhr ist. Ein ignorantes Volk in Bezug auf ihr wunderschönes Land …

Ich hoffe weiterhin auf Ihre Zeitschrift!
Dr. Claudia Kliem, Kalamata, Griechenland

 



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