Das 100-Prozent-Bioenergiedorf

Das Bioenergiedorf – eine Utopie? Nicht mehr. Denn es gibt sie, die Dörfer, die aus nachwachsenden Rohstoffen Energie erzeugen und zum Teil sogar deutlich mehr davon produzieren als sie selbst benötigen. Jühnde bei Göttingen ist eines davon. Seit 2005 erzeugt das 750-Seelen-Dorf mit einer Biogasanlage und einem Biomasse-Heizkraftwerk den benötigten Strom und die benötigte Wärme. Ein Nahwärmenetz bringt die Energie zu den Haushalten. Bisher sind 145 der insgesamt 200 Haushalte angeschlossen.

Biogasanlage in Jühnde, Foto: E. Fangmeier


Geboren wurde die Idee auf einer Zukunftswerkstatt von Professoren der Universität Göttingen. Heute ist sie Realität. Auf den umliegenden Äckern werden Energiepflanzen angebaut, die Gülle aus der Landwirtschaft kommt ins Biogas-Blockheizkraftwerk. Es liefert fast doppelt so viel Strom wie die Gemeinde benötigt. Der Überschuss wird zu 17 Cent pro Kilowattstunde verkauft und ins Netz eingespeist. Der Wärmebedarf wird zu etwa 60 Prozent durch das Blockheizkraftwerk gedeckt, die restliche Wärme kommt aus einem Holzhackschnitzelheizwerk. Für den Spitzenbedarf muss noch ein Heizölkessel eingesetzt werden.Das Besondere am Bioenergiedorf Jühnde: Alle machen mit. Landwirte, Gemeinde und Verbraucher haben sich in einer Genossenschaft organisiert und ihre Energieversorgung selbst in die Hand genommen. Für ihre Vorreiterrolle wurde die Gemeinde mit dem Europäischen Solarpreis der Organisation Eurosolar ausgezeichnet.

Ist Jühnde übertragbar? Einen Leitfaden für die Umstellung anderer Dörfer auf Bioenergie entwickelt das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen auf Basis ihrer wissenschaftlichen Begleitforschung.

Damit ist Jühnde ein Symbol geworden für eine vollständige Abkehr von fossilen und nuklearen Energien. Und für die Vision einer Vollversorgung aus erneuerbarer Energie. Mehr Informationen unter www.bioenergiedorf.de

 

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