Kitas hoch mit Weichmachern belastet

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Aktuelle Analysen des BUND ergeben, dass Kindertagesstätten überdurchschnittlich hoch mit Weichmachern belastet sind. Im Rahmen der Aktion "Zukunft ohne Gift" hatten Kitas bundesweit die Möglichkeit, ihren Hausstaub kostenlos auf Weichmacher testen zu lassen. Im Hausstaub aller 60 untersuchten Einrichtungen wurden Weichmacher nachgewiesen – teilweise in sehr hohen, gesundheitsschädlichen Konzentrationen. Im Durchschnitt waren die Kitas drei Mal so hoch mit Weichmachern belastet wie durchschnittliche deutsche Haushalte.

Problem: Regulierung unzureichend

Die bei den Analysen des BUND gefundenen Weichmacher greifen in das Hormonsystem ein und stehen u.a. im Verdacht, Unfruchtbarkeit hervorzurufen. Kleinkinder sind durch diese Stoffe besonders gefährdet, da das Hormonsystem die körperliche Entwicklung steuert. Trotz der mit ihnen in Verbindung gebrachten Gesundheitsgefahren ist die Verwendung der gefundenen Weichmacher in den meisten Produkten bisher legal möglich. Für Spielzeug wurde die Verwendung von einigen Weichmachern zwar bereits verboten. Die hohe Weichmacherbelastung von Kitas macht jedoch deutlich, dass diese Regulierung unzureichend ist. Kinder kommen nicht nur mit Spielzeug in Kontakt, sondern auch mit zahlreichen anderen Gegenständen aus Weich-PVC.

Viele Reaktionen auf kommunaler und Länderebene

Die Veröffentlichung der BUND-Analyse hat Länder und Kommunen aufgerüttelt. Inzwischen sind 100 weitere Staubproben von Kitas beim BUND eingegangen. Aus NRW forderten das Umwelt- und das Familienministerium die Bundesregierung und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner auf, größere Anstrengungen im Kampf gegen Schadstoffe zu unternehmen und sich für ein Verbot von Weichmachern in Kinderräumen einzusetzen. Doch auf Bundesebene ist bisher nichts passiert.

BUND: Weichmacher in Produkten, mit denen Kinder in Kontakt kommen, verbieten

Die hohe Belastung von Kindern mit hormonellen Schadstoffen ist nicht akzeptabel, zumal Weich-PVC in aller Regel leicht durch andere Materialien ersetzt werden kann. Die Analysen des BUND haben deutlich gemacht, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Kitas gibt: Während einige sehr hoch belastet sind, lassen sich in anderen Kitas kaum Weichmacher nachweisen. Das zeigt: Die Schadstoffbelastung lässt sich beeinflussen, eine niedrige Belastung ist möglich. Als Quelle für die Weichmacher kommen in erster Linie Einrichtungsgegenstände aus Weich-PVC in Frage. Der BUND fordert Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner daher nachdrücklich auf, die in Kitas nachgewiesenen Weichmacher in allen Produkten, die im Umfeld von Kindern eingesetzt werden, zu verbieten. Hierzu zählen z.B. PVC-Bodenbeläge, Vinyltapeten, Turnmatten, Matratzenbezüge, Sportbälle, Möbel mit Kunstlederbezügen und Spielzeuge aus Weichkunststoff.

Mehr Informationen:

Kontakt:
Sarah Häuser, BUND-Chemieexpertin, Tel: 030-27586-463, sarah.haeuser@bund.net



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