9. Dezember 2010
Waldschutz darf nicht auf Zahlenspielereien basieren. In Cancun steht Glaubwürdigkeit der Klimapolitik auf dem Spiel. Was macht eigentlich Angela Merkel?
Cancun/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat davor gewarnt, dass es beim Weltklimagipfel in Cancun zu falschen Lösungen beim Schutz der Wälder kommen könnte. Die Versuche verschiedener Länder, fragwürdige Berechnungsmethoden zum CO2-Speicherpotential von Wäldern durchzusetzen, schadeten der Glaubwürdigkeit der Europäischen Union und der Klimaschutzpolitik insgesamt. Die von einigen Ländern gewünschte Nicht-Berücksichtigung von CO2-Emissionen aus der Waldnutzung könne allein in den Industriestaaten zu einem geschätzten Kohlendioxidzuwachs von etwa 450 Millionen Tonnen pro Jahr führen.
„Reale CO2-Bilanzen der Waldbewirtschaftung sind essentiell für den Klimaschutz. Das geplante Herausrechnen von CO2-Emissionen, die mit der Waldnutzung verbunden sind, ist zwar ein leicht durchschaubarer Taschenspielertrick. Wenn diese Methode aber von den Entwicklungsländern mit ihren riesigen Wäldern übernommen wird, dann ist das Klima aufs höchste gefährdet. Beim Klimaschutz darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.
Blieben die CO2-Reduzierungsziele der Industriestaaten zu niedrig und würden sie mit unzähligen Ausnahmen versehen, lasse sich die Erderwärmung nicht mehr wirksam bremsen. Von den aus wissenschaftlicher Sicht bis 2020 notwendigen Emissionsminderungen sei noch nicht einmal die Hälfte sicher. „Wenn fragwürdige Rechentricks und der CO2-Zertifikate-Handel zu immer mehr Schlupflöchern führen, ist kein wirklicher Klimaschutz mehr möglich“, sagte Manuel Graf, der als BUND-Klimaexperte die Verhandlungen in Cancun beobachtet.
Der BUND forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich beim Thema Klimaschutz endlich wieder zu Wort zu melden. Es sei inakzeptabel, dass sie auf Tauchstation gegangen sei. Noch habe Merkel die Chance, ihren bereits arg ramponierten Ruf als Klimakanzlerin wenigstens teilweise zu reparieren. Sie müsse sich für eine Fortführung des Kyoto-Protokolls einsetzen und ihren Widerstand gegen das von der Europäischen Union in Aussicht gestellte CO2-Minderungsziel von minus 30 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 aufgeben.
Pressekontakt: BUND-Klimaexperte Manuel Graf in Cancun, Tel. 0052-1-9981080364, BUND-Vorsitzender Hubert Weiger in Cancun, Tel. 0052-1-9981080392, BUND-Pressesprecher Rüdiger Rosenthal in Cancun, Tel. 0052-1-9981374568 bzw. 0049-171-8311051 oder BUND-Pressereferentin Katrin Riegger, Tel. 0049-30-27586-464/-489, presse@bund.net