28. November 2011
Wölfe ins Jagdrecht? BUND/Forsa-Umfrage: Zwei Drittel der Deutschen sind dagegen
Dresden/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat an den sächsischen Ministerpräsidenten und die Landtagsabgeordneten appelliert, den Wolf nicht ins sächsische Jagdrecht aufzunehmen. Eine repräsentative Umfrage der Naturschutzorganisation – bundesweit durchgeführt vom renommierten forsa-Institut für Meinungsforschung – habe gezeigt, dass zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) dagegen seien. Lediglich 30 Prozent der Befragten, eher die über 60-jährigen, seien für eine Aufnahme des Wolfes ins sächsische Jagdrecht. Die restlichen vier Prozent äußerten dazu keine Meinung. Für den BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger zeigen diese Ergebnisse eindeutig, dass eine große Mehrheit in der Bevölkerung Wölfe nicht als Bedrohung des Menschen, sondern als Bereicherung der Natur ansieht.
"Wölfe erfüllen wichtige ökologische Funktionen, unter anderem halten sie den Wildbestand gesund. Und es sind extrem scheue Tiere. Sie meiden eine Begegnung mit Menschen. Die erfreuliche Ausbreitung des Wolfes in Deutschland lässt hoffen, dass ausgerottete Tiere auch bei uns und in ganz Mitteleuropa die Chance haben, sich wieder in ihrer früheren Heimat anzusiedeln", sagte Weiger.
Experten schätzen die Gesamtzahl der Wölfe in Deutschland inzwischen auf rund 60 Tiere. Vor allem in den neuen Bundesländern und insbesondere in Sachsen leben derzeit ein Dutzend Wolfsrudel sowie einige vereinzelt vorkommende Tiere.
Wolfgang Riether, BUND-Landesgeschäftsführer in Sachsen: "Wenn Sachsen beim Wolfsschutz vorangeht, wird dies ein positives Signal für die hohe Achtung des Naturschutzes im Freistaat sein. Acht von zehn Bundesbürgern finden die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland gut. Mit dem Vorkommen des Wolfes kann Sachsen für neue Möglichkeiten des naturnahen Tourismus werben und so seine Wirtschaft stärken. Wenn jedoch der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, passiert das Gegenteil."
Nach europäischem und deutschem Naturschutzrecht sind Wölfe streng geschützt. Konflikte treten gelegentlich auf, wenn Wölfe einzelne Nutztiere, hauptsächlich Schafe, anfallen. Mit Schutzmaßnahmen wie Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden könne dem wirksam vorgebeugt werden, so der BUND. Derartige Maßnahmen würden in Gebieten, wo Wölfe vorkämen, auch finanziell gefördert. Sollte es dennoch durch Wölfe zu Nutztierverlusten kommen, würden Entschädigungen gezahlt.
Weiger und Riether wiesen darauf hin, dass insbesondere jüngere Menschen mehr Wolfsschutz wünschten. "Die Ergebnisse unserer Umfrage zur Akzeptanz der Wölfe zeigen, dass die Bevölkerung den Schutz gefährdeter Tierarten sehr positiv sieht. Vor allem junge Menschen signalisieren deutlich, dass der Artenschutz künftig viel stärker berücksichtigt werden muss als bisher. Deshalb erwarten wir auch vom sächsischen Landesparlament in Dresden, dass es die Aufnahme des Wolfes und anderer geschützter und gefährdeter Tierarten ins sächsische Jagdrecht klar ablehnt", so die Naturschutzexperten. Die noch in Teilen der Bevölkerung vorhandene Unterschätzung der Gefährdung des Wolfes und anderer seltener Arten müsse außerdem Anstoß sein, eine landesweite Bildungsoffensive zum Artenschutz zu starten.
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- Wolfgang Riether, BUND-Landesgeschäftsführer in Sachsen, Tel. (03 71) 30 14 77
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