2. November 1998

BUND: PET-Flasche von Gerolsteiner eine "Flasche der Unvernunft"

Plastik-Markenflasche ein ökologisch und sozial bedenklicher Sonderweg /
Verkappte Einwegflasche im Pseudo-Kreislauf / Verdrängungskampf
gefährdet regionale Mineralwasserbrunnen und deren Arbeitsplätze
Als eine "Flasche der Unvernunft" hat der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) die neue PET-Mineralwasserflasche von
Gerolsteiner bezeichnet. Gerolsteiner beschreite mit dieser
Plastikflasche einen ökologisch und sozial sehr bedenklichen Sonderweg,
sagte Walter Jungbauer, Abfallexperte des BUND, am Montag in Bonn. Die
neue Flasche gefährde Umwelt und Arbeitsplätze.
Der größte deutsche Mineralwasserabfüller könnte sich künftig aus dem
bundesweit etablierten Pool der Mineralwasser-Mehrwegflaschen
zurückziehen und einen eigenen "Pseudo-Kreislauf" aufbauen, so
Jungbauer. Die PET-Flasche von Gerolsteiner lande schon nach nur fünf
Umläufen auf dem Müll und sei darum nur eine "verkappte Einwegflasche".
"Ökologisch widersinnig" sei auch das Design der neuen Flasche als
individuelles Markenprodukt, sagte Jungbauer. Die Folge sei, daß die
Flaschen nur von Gerolsteiner wiederverwendet werden können. Sie müßten
immer zu den wenigen zentralen Gerolsteiner-Abfüllzentren zurückgebracht
werden. Das bedeute einen deutlich erhöhten Transportaufwand mit
längeren Wegen - also mehr Lkw auf der Straße, mehr Diesel-Verbrauch,
mehr Luftverschmutzung, mehr Lärm.
Gerolsteiner leite mit der Einführung der PET-Flasche zudem einen
unsozialen Verdrängungskampf auf dem Mineralwassermarkt ein, so der
BUND. Denn die Umstellung der Abfüllanlagen auf die Plastikflaschen sei
zu teuer für kleinere und regionale Mineralwasserbrunnen. Sollten die
Verbraucher aber die leichteren PET-Flaschen bevorzugen, könnte dies zu
einem Brunnensterben regionaler Kleinanbieter führen. Anstatt 240
regionaler Mineralbrunnen könnten am Ende gar nur 20 zentrale Abfüller
auf dem deutschen Markt übrig bleiben - mit entsprechend weniger
Arbeitsplätzen.
Der BUND sieht auch die Gefahr, daß im Sog des Vorstoßes von
Gerolsteiner zunehmend auch Mineralwasser in PET-Einwegflaschen in den
Getränkehandel gelangt. "Das bedeutet die akute Gefährdung der
Mehrwegquote", sagte Jungbauer. Nach einer vom BUND erstellten Bilanz
würde die Umstellung der Mehrwegsysteme auf PET-Einweg zu rund 288.000
Tonnen mehr Kunststoffmüll führen - ein Plus von 35 Prozent.
Bei Rückfragen: Lucian Haas, BUND-Pressesprecher, Tel.: 0228/40097-25, Fax: -49;
e-Mail: presse@bund.net; Presse-Archiv im Internet: www.bund.net/aktuell




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