Nahrungsmittelkrise: Mobilität darf nicht auf Kosten der Armen gehen – BUND fordert Moratorium für Agrospritimporte
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat von der Bundesregierung ein Moratorium für den Import von Ethanol und Agrodiesel gefordert. Die weltweit dramatische Verknappung von Nahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis mit der Folge rasant steigender Lebensmittelpreise und anschließender Hungerrevolten zwinge zum Handeln. „Die politische Absicht, den Einsatz von Agrokraftstoffen auszudehnen, muss aufgegeben werden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Nur so ließe sich die Nachfrage nach Rohstoffen für den Agrosprit dämpfen und die Lebensmittelpreise könnten sich wenigstens zum Teil stabilisieren.
„Unsere Mobilität darf nicht auf Kosten der Armen und der Umwelt gehen. Wir brauchen verstärkte Investitionen in den öffentlichen Verkehr und viel sparsamere Fahrzeuge anstatt einer Beimischungspflicht für Agrokraftstoffe in Tanks von Spritfressern,“ sagte Weiger. Der Anbau von Energiepflanzen habe nur dann eine Berechtigung, wenn er nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehe und strengen ökologischen und sozialen Kriterien unterliege. Bioethanol beispielsweise dürfe nicht aus Weizen sondern nur aus Reststoffen wie Holzspänen oder Zuckerrohrabfällen hergestellt werden. Beendet werden müsse auch die Praxis, Regenwald in großem Stil abzuholzen, um Flächen für Energie- und Futterpflanzen wie Ölpalmen oder Soja zu schaffen. Soja-Diesel aus Südamerika werde bereits zu einem Fünftel dem Agrardiesel deutscher Tankstellen beigemischt. Die Vernichtung des tropischen Regenwaldes beschleunige den Klimawandel, der wiederum eine der Ursachen für Dürren und Hungersnöte sei.
Ein weiteres Problem sei der steigende Fleisch- und Milchkonsum in den Industriestaaten und den Schwellenländern. In diesen Produkten stecke eine enorme Menge an Futtermitteln, deren Anbau in den Entwicklungsländern ebenfalls auf Kosten regionaler Nahrungsmittel gehe. Die EU importiere für ihre Nutztiere pro Jahr 35 Millionen Tonnen Futtermittel. Weiger forderte auch, die Exportsubventionen der Europäischen Union für Agrarerzeugnisse wie Milch und Schweinefleisch abzuschaffen. Die milliardenschweren Subventionen hätten dazu beigetragen, die kleinbäuerliche Landwirtschaft in den armen Ländern und die Selbstversorgung in den jetzt von Hunger betroffenen Regionen zu schwächen. Das räche sich in dem extremen Preisanstieg bei Lebensmitteln und der besorgniserregenden Verknappung von Nahrungsreserven.
Laut Weltbank hat die anhaltende Nahrungsmittelkrise dazu geführt, dass in 33 Staaten der ärmere Teil der Bevölkerung nicht mehr genug Geld für Nahrung aufbringen kann. In mehreren Ländern kam es deshalb in den letzten Wochen zu Hungerrevolten.