14. Juli 2005
USA bestätigt Gefahren durch Chemikalien - Gesetzesinitiative nach REACH-Vorbild
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die gestern im US-Senat eingebrachte Gesetzesinitiative zum Schutz vor giftigen Chemikalien. Nach dem Entwurf namens „Child, Worker and Consumer Safe Chemicals Act“ sollen Kinder, Arbeitnehmer und Verbraucher bis 2020 nicht mehr durch Chemikalien gefährdet und die Nutzung sicherer Alternativen vorangetrieben werden. Gleichzeitig wurde ein Bericht des unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungsamts der US-Regierung vorgestellt, der das schwerwiegende Versagen der bisherigen US-Chemikalienpolitik aufzeigt und deren Reform fordert.
Patricia Cameron, Chemikalienexpertin BUND: „Die Entwicklungen in den USA zeigen, wie dringend der Schutz von Mensch und Umwelt vor gefährlichen Chemikalien auf beiden Seiten des Atlantiks ist. Mit der Gesetzesinitiative soll das EU-Chemikalienrecht REACH in die USA importiert werden. Damit steht die EU anders als die Industrielobby behauptet mit ihrer Chemikalienreform in der Welt nicht allein da, sondern entpuppt sich als Vorreiter."
Wie bei REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) soll in den USA nun künftig die Chemieindustrie die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Produkte übernehmen und umfangreiche Daten als Voraussetzung für eine weitere Vermarktung ihrer Produkte zur Verfügung stellen. Diese Informationen sollen auch Arbeitnehmern und Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden. Das Gesetz geht sogar noch weiter als REACH: es soll auch für die Chemikalien gelten, von denen weniger als eine Tonne im Jahr produziert werden.
Wie in der EU wurden in den USA über 80 000 Chemikalien, die in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt werden, niemals auf ihr Gefahrenpotenzial untersucht. Synthetische Stoffe werden auch dort in jeder Blutprobe entdeckt. Eine zunehmende Anzahl von Erkrankungen wie Asthma, Krebs, Entwicklungsstörungen, Lernschwierigkeiten und Fortpflanzungsdefekte wird mit der Chemikalienbelastung in Verbindung gebracht. Zu diesen Ergebnissen kam das Untersuchungsamt der US-Regierung.
Cameron: „Durch die US-Gesetzesinitiative sehen wir uns in unserer Forderung bestätigt, REACH hinsichtlich eines ausreichenden Gesundheitsschutzes zu verbessern. Industriekommissar Verheugen ist dagegen mit seiner industriefreundlichen Politik auf dem Holzpfad.“
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