19. Januar 2006
Stimmen zur Gentechnik auf „Grüner Woche“
Hubert Weiger, Agrarsprecher des BUND registriert beim Thema Gentechnik auf der „Grünen Woche“ eine große Sensibilität der Besucherinnen und Besucher. Am Messestand der Gentechnikgegner in der Biomarkt-Halle hätten BUND-Mitarbeiter in vielen Gesprächen mit den Verbrauchern deren zunehmende Verunsicherung gespürt. Oft seien Befürchtungen geäußert worden, dass Agrarminister Horst Seehofer den Argumenten der Gentechnikindustrie folgen und die Gentechnikfreiheit von Lebensmitteln aufs Spiel setze könnte. Ein geringer Prozentsatz der Messebesucher, nach eigener Aussage zumeist beruflich in der Gentechnikbranche tätig, sehe in der Anwendung dieser Technologie auch eine gewisse Chance.
Weiger: „Minister Seehofer kann sein Versprechen, alle Agrarsektoren gleich behandeln zu wollen nur umsetzen, wenn er die Existenz von Biobauern und von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten auch künftig sichert. Der Babykosthersteller Hipp droht bereits, seine Produktion ins Ausland zu verlagern, wenn in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen verstärkt angebaut werden. Der gesamten Biobranche droht Gefahr, wenn sie ihre Produkte künftig nicht mehr als `bio` deklarieren kann, weil überall gentechnisch modifizierte Anteile in höheren Konzentrationen enthalten sind. Die schwarz-rote Regierung wird zum Standortrisiko, wenn sie hier nicht aufpasst. Es geht dabei auch um die Zukunft einer boomenden Branche, in der allein seit dem Jahr 2000 rund 50000 Arbeitsplätze neu entstanden sind.“
Der BUND lässt Besucherinnen und Besucher der Agrarmesse nach Schweizer Vorbild darüber abstimmen, ob sie den Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelproduktion befürworten oder ablehnen. Die Schweizer Eidgenossen hatten sich Ende letzten Jahres mit dem Satz „Die schweizerische Landwirtschaft bleibt für die Dauer von fünf Jahren nach Annahme dieser Verfassungsbestimmung gentechnikfrei“ in einer Volksabstimmung mit einer Mehrheit von 55,7 Prozent gegen die Anwendung der Gentechnik ausgesprochen. Am Wochenende wird der BUND die Ergebnisse seiner „symbolischen Volkabstimmung“ veröffentlichen.
Unter den Gentechnikgegnern auf der „Grünen Woche“ seien auch viele junge Eltern gewesen, sagte Weiger. Vor allem sie hätten ihre Besorgnis vor den Auswirkungen des Gentechnik-Einsatzes in der Lebensmittelproduktion geäußert. Insofern sei die Ankündigung des Babykostherstellers Hipp, bei verstärktem Anbau von Genpflanzen in Deutschland seine Produktion ins Ausland zu verlagern, ein klarer Ausdruck kaufmännischen Sachverstands. Die Schweiz oder auch Österreich böten sich dann vermutlich als gentechnikfreie Alternative an.
Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin, Tel. 0179-8138088 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425/489, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net