17. Juli 2007
Seehofer geht vor BASF auf die Knie. EU-Kommission will Gen-Kartoffel „Amflora“ durchwinken
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die Zustimmung von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer zur Zulassung der Gentech-Kartoffel „Amflora“ beim EU-Agrarministerrat in Brüssel. Im EU-Ministerrat hatte es keine Mehrheit für die Zulassung gegeben. Nun muss die EU-Kommission entscheiden. Die hat bereits erklärt, grünes Licht zu geben. Die BASF kann damit ab nächster Anbausaison ihre Gentech-Kartoffel überall in der Europäischen Union vermarkten. Das wäre nach dem Gentech-Mais Mon 810 die erste Zulassung einer gentechnisch veränderten Pflanze zum Anbau seit zehn Jahren. „Amflora“ wäre die weltweit erste zugelassene Gentech-Kartoffel.
Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: „Landwirtschaftsminister Seehofer hat einen doppelten Kniefall hingelegt: Vor seiner gentechnikverliebten Kanzlerin und vor dem deutschen Chemieriesen BASF. Seehofer betreibt Augenwischerei, wenn er uns weismachen will, dass „Amflora“ eine Industriekartoffel bleibe. Er weiß ganz genau, dass BASF auch eine Zulassung als Futter- und Lebensmittel beantragt hat. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese erteilt wird.“
„Amflora“ ist die erste Gentech-Pflanze, die hauptsächlich als nachwachsender Rohstoff verwendet werden soll. Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin: „Die Gentech-Industrie verfolgt die Strategie, den guten Ruf nachwachsender Rohstoffe für die Akzeptanz der Gentechnik zu nutzen. Aber: Kartoffeleiweiß aus der Stärkeproduktion, die so genannte Pülpe, soll in der Bullenmast eingesetzt werden. Damit gelangt die Gentech-Kartoffel auch in die menschliche Nahrungskette.“ „Amflora“ enthält ein Resistenz-Gen gegen Antibiotika. Der BUND warnte erneut vor Risiken für Mensch und Tier.
Für eine Ablehnung von Gentech-Produkten ist eine Mehrheit von 72 Prozent der Stimmen erforderlich. Kommen diese Stimmen nicht zusammen, entscheidet die EU-Kommission. Hinter keiner je in der EU erteilten Zulassung für eine Gentech-Pflanze steht die Mehrheit der Mitgliedsstaaten.
Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin, Tel. 0 30 / 2 75 86-456 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-464/-489, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net