BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


9. August 2005

Lehren aus Jahrhundertflut noch nicht gezogen - Hochwasser­schutz weiter unzureichend

Extreme Hochwasser an der Elbe könnten für die Anrainer in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen immer noch schwerwiegende Folgen haben. Dieses Fazit zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) drei Jahre nach dem Jahrhundert­hochwasser vom Sommer 2002. Schwerpunkt der bisherigen Maßnahmen sei das Verstärken von Deichen gewesen, die Schaffung natürlicher Überschwem­mungsflächen sei hingegen ver­nachlässigt worden. Fluthilfegelder seien auch in Bautätigkeiten wie z.B. Hafenbe­festi­gun­gen geflossen, die mit Hochwasserschutz wenig oder nichts zu tun hätten. Der Elbe und ihren Neben­flüssen fehlten weiter genügend Ausweichmöglichkeiten. Bei Hoch­wasser gebe es vor allem für die am Mittel- und Unterlauf der Elbe liegenden Regionen ein großes Überschwem­mungs­­risiko.

BUND-Elbexperte Ernst-Paul Dörfler: „Bund und Länder haben ihre Versprechen von 2002, für einen ausreichenden Hochwasserschutz zu sorgen, bislang nicht umgesetzt. Wenige Deichrück­verle­gungen, die Verbesserung der Pegelvorhersage und der Abriss einiger Bauobjekte auf über­­­­schwemmungsgefährdeten Flächen sind nicht genug. So wird weiter der Plan vorange­trieben, mit einem Saale-Elbe-Kanal den Elbfluss zur Wasserauto­bahn für Binnenschiffe zu machen. In potentiellen Über­schwem­­mungs­­gebieten sind Bau­tätigkeiten und die intensive Land­wirtschaft noch immer nicht gestoppt. Eine Kehrtwende in der Flusspolitik ist bisher nicht erkennbar.“

Sebastian Schönauer, Wasserfachmann des BUND: „Nach dem Fünf-Punkte-Plan der rot-grünen Bundesregierung sollte den Flüssen künftig mehr Raum gegeben werden. Wasser-, Schifffahrts- und Baubehörden lassen aber an vielen Stellen Überschwemmungsflächen versiegeln, Flussbetten vertiefen oder Ufer schottern. Die Genehmigungsbehörden missachten dabei offenkundig die Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes und des neuen Artikelgesetzes zum vorbeugenden Hochwasserschutz. Und die ökologisch verheerenden und ökonomisch unsinnigen Staustufenpläne der bayerischen Landesregierung für die Donau unterhalb von Straubing sind ebenfalls immer noch nicht vom Tisch."

Aus den Wahlprogrammen mehrerer Parteien lasse sich ablesen, dass Hochwasserschutz in der kommenden Legislaturperiode kein Schwerpunkt ihrer Politik sei. Beispielsweise wollten FDP und CDU/CSU Planungsverfahren für Bauvorhaben beschleunigen und Naturschutzgesetze aushebeln.

Doris Eberhardt, BUND-Naturschutzexpertin: „Wir fordern die Länderregierungen und die Bundes­regierung auf, beim Hochwasserschutz ökologische Prinzipien verstärkt zu beachten. Das Renaturieren von Flüssen, die Bewahrung und Wiederherstellung naturnaher Flussauen, ein konsequenter Klimaschutz, mehr Deich-Rückverlegungen und die entschiedene Reduzier­ung des Flächenverbrauchs müssen im Zentrum stehen. Werden diese notwendigen Maßnah­men kurzfristigen Wirtschafts­inter­essen unterge­ordnet, dürfen wir uns über die verheerenden Folgen einer nächsten Flut nicht wundern.“

Hintergrundpapier „Eine Bilanz im 3. Jahr nach der Jahrhundertflut“ im Internet unter: http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/bilanz_hochwasserschutz.pdf

Pressekontakt: Doris Eberhardt, BUND-Naturschutzreferentin, Tel. 030-27586-451/-465 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425, E-Mail: presse@bund.net.


Quelle: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/lehren-aus-jahrhundertflut-noch-nicht-gezogen-hochwasserschutz-weiter-unzureichend/