BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


11. März 2004

Klaus Wowereit muss im Naturschutz Farbe bekennen: „Grünes Band" darf nicht an Berlin scheitern!

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und andere Umweltverbände demonstrieren heute vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte für den Schutz des „Grünen Bandes". „Grünes Band" wird der rund 1400 Kilometer lange Verbund von Biotopen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze genannt, in dem sich aufgrund seiner Abgeschiedenheit viele seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten haben. BUND-Mitarbeiter hängten ein 7 Meter hohes Transparent mit Kinderzeichnungen vor das Gebäude, auf dem „Grünes Band hängt am Roten Rathaus - Wowereit muss im Naturschutz Farbe bekennen!" zu lesen ist.

Der BUND übergab im Rathaus eine Sammlung mit Bildern und Zeichnungen von Brandenburger Schülern für Bürgermeister Klaus Wowereit. Nachdem sich die Kinder im Biologieunterricht mit dem Thema „Grünes Band" beschäftigt hatten, malten sie gefährdete Landschaften, Tiere und Pflanzen. Eine Schulklasse aus dem Brandenburgischen Ort Fredersdorf hatte den Regierenden Bürgermeister vor einem Monat um einen Termin in dieser Angelegenheit gebeten. Ein Gespräch mit den Kindern und dem BUND über das „Grüne Band" lehnte Klaus Wowereit jedoch ab. Brandenburg hat ca. 30 Kilometer Anteil am „Grünen Band".

In einem Brief schrieb die Grundschulklasse an Wowereit: „Es gibt dort Fischotter und Eisvögel, Feldhamster und Biber und sogar seltene Orchideen wie den Frauenschuh. Viele dieser Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Deshalb muss alles getan werden um die Natur zu schützen. Die Bundesregierung hat gesagt, wenn alle Länder mitmachen, die frühere Grenzgrundstücke haben, kann das Grüne Band kostenlos für den Naturschutz zur Verfügung stehen. Alle diese Länder - außer Berlin - haben schon ja gesagt. Auch Brandenburg will sein Stück vom Grünen Band unter Schutz stellen. Wir haben erfahren, dass nur Berlin noch fehlt, weil es ungefähr 400 Tausend Euro aus dem Verkauf der Mauergrundstücke haben möchte."

Das Geld aus dem Verkauf von Grenz- und Mauergrundstücken fließt in einen sogenannten „Mauerfonds". Berlin grenzt zwar nicht an das „Grüne Band", muss aber dem Angebot des Bundes zur Übernahme der Flächen durch die Länder zustimmen. Damit würde die Stadt auf einen geringen Teil der ihr zustehenden Erlöse verzichten.

Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: „Gemeinsam mit den Kindern appellieren wir an den Berliner Senat, den Schutz dieser wertvollen Flächen nicht zu blockieren. Alle Anrainer-Bundesländer am Grünen Band wollen die Flächen vom Bundesfinanzminister übernehmen. Nur Berlin schiebt eine Entscheidung vor sich her. Es besteht die Gefahr, dass das Grüne Band unwiderruflich zerstört wird. Es ist der falsche Ansatz, nur über Euros zu reden - hatte Bürgermeister Wowereit vor kurzem gesagt. Mit dieser Aussage nehmen wir ihn beim Wort: Der Schutz des Grünen Bandes darf nicht am Geld scheitern."

Im "Grünen Band" leben mehr als 600 gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die auf der sogenannten "Roten Liste" geführt werden. Fünfzehn Jahre nach der Grenzöffnung ist der längste Biotopverbund Mitteleuropas vor allem durch bundeseigene Landverkäufe, landwirtschaftliche Nutzer und Autobahnprojekte gefährdet. Auf rund 200 Kilometer Länge sind Teile davon bereits durch illegale Beackerung oder das Anlegen von Intensivgrünflächen schwer beeinträchtigt oder zerstört worden. Auch Privatverkäufe gefährden das Grüne Band.

Timm: "Der Biotopverbund am früheren Grenzstreifen verbindet den Naturschutz mit der Teilungsgeschichte Deutschlands. Gerade Berlin sollte hier ein Zeichen setzen und der Flächenübernahme durch die Länder zustimmen. Wer künftig fragt, wo die Todesgrenze zwischen Ost und West verlief, kann sie dann am grünen und lebendigen Schutzgebiet quer durch Deutschland erkennen. Der Erhalt des Grünen Bandes wäre auch ein wichtiges Signal für die Zukunft bedrohter Tiere und Pflanzen."

Das unmittelbar nach dem Grenzfall 1989 durch DDR-Naturschützer und den BUND initiierte "Grüne Band" auf dem ehemaligen Grenzstreifen befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Rund 22 000 Spender unterstützen inzwischen die Pläne für einen Erwerb von Flächen entlang des "Grünen Bandes" durch den BUND. Mit 763 Kilometern befindet sich der längste Abschnitt in Thüringen. Gerade die thüringischen Anteile sind jedoch durch Bauprojekte bedroht. So durchschneiden die geplanten Autobahnen A 71 (Schweinfurt-Suhl-Erfurt) und A 73 (Lichtenfels-Coburg-Suhl-Erfurt) wertvolle Biotope. Mit Zustimmung bayerischer Behörden ist zudem eine Anschlussstelle der A 73 mitten im "Grünen Band" geplant. Der BUND fordert den sofortigen Stopp dieser Vorhaben. Stattdessen sollten bestehende Bundesstraßen wie die B 19 oder die B 4 ausgebaut werden.

Mit einem Anteil von rund 65 % ist die Bundesregierung größte Flächenbesitzerin entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Mit der Übertragung der Bundesflächen an die Länder könnten mit einem Schlag 11500 Hektar des „Grünen Bandes" gesichert werden, das entspricht der Größe der Nationalparke Jasmund auf Rügen und der Sächsischen Schweiz zusammengenommen. Der BUND hatte vor kurzem in einer umfangreichen Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums den außerordentlich hohen naturschutzfachlichen Wert des 177 km² großen „Grünen Bandes" dokumentiert. Demnach sind noch rund 85 % der Fläche intakt, d.h. nicht durch Beackerung, Intensivgrünland oder Verkehrswege zerstört.

1995 war das "Grüne Band" durch den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog als modellhaftes Naturschutzprojekt ausgezeichnet worden.

Pressekontakt: BUND-Projektbüro „Grünes Band": Liana Geidezis, Tel. 0911-81878-17 bzw. Rüdiger Rosenthal / BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-489, Mobil: 0171-8311051, Fax: -449; E-Mail: presse@bund.net


Quelle: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/klaus-wowereit-muss-im-naturschutz-farbe-bekennen-gruenes-band-darf-nicht-an-berlin-scheitern/