BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


30. Juni 2006

Föderalismusreform - „Wir haben fertig“: Wettstreit der Länder um niedrige Umweltstandards beginnt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die Föderalis­mus­reform erneut. „Es wäre besser gewesen, sich bei einer so wichtigen Grundgesetz­änderung mehr Zeit zu lassen“, sagte BUND-Geschäfts­führer Gerhard Timm bei einer Protestaktion vor dem Reichstag. Um die 16 Bundesländer zu symbolisieren stellte der Verband 16 Garten­zwerge und ein großes Plakat auf, das die für die Reform zuständigen Franz Müntefering und Edmund Stoiber zeigte. „Föderalis­mus­re­form - Wir haben fertig: Umweltschutz im Zwergen­staat“ war darauf zu lesen. Beim Umwelt­recht obsiege der Horizont von Kleingärtnern, kritisierte Timm. 16 Länderfürsten würden nun einen Wett­lauf um niedrige Umweltstandards beginnen.

BUND-Aktive bei der Protestaktion gegen die Föderalismusreform vor dem Reichstagsgebäude.

Das Reformpaket zum Föderalismus enthalte keine klaren Regeln für den Umwelt- und Natur­schutz. Damit werde die Chance auf ein modernes und übersichtliches Umwelt­recht vertan. Das von der Koalition anvisierte Ziel, die Kompetenzen zwischen Bund und Ländern zu entflechten, werde verfehlt. Durch die Reform erhielten die Länder Abwei­chungsrechte, die Bundes­recht brechen könnten. Damit würden wichtige Regelun­gen im Umwelt- und Natur­schutz ausge­höhlt. Investoren würden künftig in jenes Bundesland ausweichen, wo die geringsten Umweltschutz­auflagen existierten.

Timm: „Vor einem Monat sind sich noch alle Parteien einig gewesen, dass die Reform so nicht geht und in ihrer jetzigen Form die europäische Inte­gration untergräbt. Es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft zahlreiche Vertragsverletzungsverfahren geben wird. Die Abweichungsrechte der Länder torpedieren die geltenden Umweltstan­dards und werden zu mehr statt zu weniger Rechtsstreitigkeiten führen.“

Der BUND appellierte noch einmal an die Fraktionen aller Parteien, die für die Reform erforderliche Grundgesetzänderung zu verschieben.

Pressekontakt: Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer, Tel. 030-27586-431 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425, Fax: -449, Mobil: 0171-8311051, E-Mail: presse@bund.net


Quelle: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/foederalismusreform-wir-haben-fertig-wettstreit-der-laender-um-niedrige-umweltstandards-beg/