5. September 2003
Clement darf Verbraucher nicht brüskieren. BUND und BUNDjugend: WTO gefährdet gentechnikfreies Europa
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine Jugendorganisation BUNDjugend rufen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement auf, den Verbraucherschutz nicht im Interesse der Gentechnikindustrie aufzuweichen. Beim bevorstehenden Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancun solle er klarstellen, dass die BürgerInnen der EU selbst bestimmen müssen, was sie essen, nicht die WTO.
Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "Die USA versuchen mit Hilfe der WTO, den Europäern gentechnisch veränderte Lebensmittel aufzuzwingen. Die EU darf sich diesem Druck nicht beugen. 80 Prozent der EU-Bürgerinnen und Bürger wollen kein Gen-Food. Clement hat deshalb den klaren Auftrag, sich in Cancun für ein gentechnikfreies Europa einzusetzen."
Die USA haben die EU wegen ihres Gentechnik-Moratoriums bei der WTO verklagt. Damit sollen auch die Entwicklungsländer abgeschreckt werden, Gentechnik-Auflagen einzuführen oder beizubehalten. Am 11. September 2003 tritt das Cartagena Protokoll in Kraft, das Ländern explizit erlaubt, bei Verdacht auf Umwelt- und Gesundheitsgefahren den Import von gentechnisch veränderten Organismen zu verbieten. Die USA wollen mit ihrer WTO-Klage dieses internationale Umweltabkommen aushebeln.
Daniel Mittler, WTO-Experte des BUND: "Die WTO ist ein Instrument der Industrie-Multis. Sie will ihre Handelsregeln über alle anderen Interessen setzen. Trotzdem soll ausgerechnet die WTO über den internationalen Zankapfel grüne Gentechnik entscheiden. Der Schutz der Verbraucher und der Umwelt droht zum Opfer des US-Gentech-Imperialismus zu werden. Internationale Umweltabkommen wie das Cartagena-Protokoll müssen Vorrang vor Handelsabkommen haben."
Der BUND und die BUNDjugend unterstrichen ihren Appell heute vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit einer 5 Meter großen Gentomate. Für die Reise nach Cancun ließen sie Clement mehrere Hundert Pappteller mit den Unterschriften und Forderungen von Gentechnik-Gegnern überreichen. Die Botschaft: "WTO: Hände weg von unserer Nahrung."
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