BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


24. Juli 2007

BUND trauert um Gerhard Thielcke

Berlin: „Mit Gerhard Thielcke verliert der BUND einen seiner großen Gründungsväter und einen engagierten Naturschützer“, erklärte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt zum Tode von Prof. Dr. Thielcke. „Wir trauern“, so die BUND-Vorsitzende, „um einen langjährigen Vorsitzenden und einen klugen Ratgeber.“

1973 gründete Thielcke zunächst den BUND-Landesverband Baden-Württemberg, 1975 den BUND-Bundesverband, dessen Vorsitzender er von 1977 bis 1983 war. Von 1973 bis 1992 war er Landesvorsitzender. 1978 startete er für den BUND die erste bundesweite Naturschutz-Kampagne Deutschlands mit dem Titel „Rettet die Vögel“. Das gleichnamige Buch war monatelang auf Platz 1 der deutschen Bestsellerlisten und löste die Gründung vieler BUND-Orts- und Kreisgruppen bundesweit aus.

Über zehn Jahre lang, bis 1999, war Thielcke Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe. Ebenfalls in ehrenamtlicher Funktion war Thielcke von 1972 bis 1981 Vorsitzender der Deutschen Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz, einem Zusammenschluss europäischer Fachornithologen.

1998 gründete Gerhard Thielcke den Global Nature Fund (GNF). Wichtigstes Projekt dieser Stiftung ist das weltweite Seennetzwerk Living Lakes – Lebendige Seen. 1987 war er Gründungsmitglied der Stiftung Europäisches Naturerbe (EURONATUR), eine Organisation, die europaweit Modell-Projekte in Naturschutzgebieten durchführt. Beide Organisationen haben ihren Sitz in Radolfzell am Bodensee.

Von 1988 bis 1990 arbeitete Prof. Dr. Gerhard Thielcke als Private Consultant für die Naturschutzabteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaft. Viele Jahre war er Mitglied im Landesbeirat für Naturschutz der Landesregierung und im Stiftungsrat der Stiftung Naturschutzfonds.

„Gerhard Thielcke zeichnete sich aus durch den Mut, unbequem und hartnäckig zu sein – immer jedoch auf der Basis großer Kompetenz und eines enormen Fachwissens. Er war bescheiden und drängte nicht nach offizieller Anerkennung. Aber er war fordernd gegenüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft für die Umsetzung seiner Visionen eines voranschreitenden Natur- und Umweltschutzes“, erklärte die baden-württembergische BUND-Landesvorsitzende und Stellvertretende BUND-Bundesverbandsvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender.

Einer seiner Wahlsprüche lautete: „Wer klug ist, wählt die Vorwärtsstrategie und bestimmt dabei gestaltend mit, wohin die Reise geht.“ Das hat er vor allem mit dem Aufbau politisch einflussreicher Verbände und bei der Entwicklung großflächiger Schutzgebiete getan – vom Bremer Becken über seine Heimatregion Elbetal bis zum Naturschutzgebiet Mindelsee und der Radolfzeller Aach. Diese beiden Naturparadiese vor seiner Haustür lagen ihm besonders am Herzen. Dahlbender: „Sein Wunschtraum war die vollständige Durchgängigkeit und weitgehende Renaturierung der Radolfzeller Aach. Der BUND betrachtet dies als Auftrag.“

Gerhard Thielcke wurde 1931 in Köthen, Sachsen-Anhalt, geboren und wuchs dort auf. Nach einer Gärtnerlehre studierte er Zoologie an den Universitäten Freiburg und Tübingen. 1970 habilitierte Thielcke an der Universität Konstanz, wo er ab 1985 eine Professur innehatte. Von 1962 bis 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Vogelwarte Radolfzell, Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie. Er arbeitete in der Grundlagenforschung und in der angewandten Forschung zum Naturschutz.

Gerhard Thielcke starb am Sonntagabend im Alter von 76 Jahren. Er erlag seinen Kopfverletzungen nach einem Sturz in Radolfzell am Bodensee. Thielcke hinterlässt seine Frau, drei Töchter und zwei Enkel.

Pressekontakt: Dr. Norbert Franck, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BUND, Tel. 0 30 / 2 75 86-489 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressestelle, Tel. 0 30 / 2 75 86-464, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net


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