23. August 2006
BUND-Protest gegen Klimakiller-Kraftwerk

Foto: BUND NRW
Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis „Zukunft statt Braunkohle“ protestiert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Grevenbroich-Neurath gegen die Grundsteinlegung für das Braunkohlenkraftwerk mit so genannter optimierter Anlagentechnik (BoA) durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
Klaus Brunsmeier, BUND-Landesvorsitzender: "Mit der Grundsteinlegung für das neue Braunkohlenkraftwerk setzen Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Rüttgers ein völlig falsches Signal für eine Energiepolitik von gestern, gegen den Klimaschutz und gegen Mensch und Natur in einer von der Braunkohle-Nutzung seit Jahrzehnten geplagten Region. Das Label ‚Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik’ ist dabei nichts weiter als ein Feigenblatt zur Verschleierung der gravierenden energiewirtschaftlichen und ökologischen Nachteile dieser antiquierten Form der Stromerzeugung."
Trotz BoA bleibe Braunkohle der klimaschädlichste aller Energieträger: Allein das Neurather BoA-Kraftwerk würde im Regelbetrieb stündlich mindestens 1.800 Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Pro Jahr wären dies mind. 16 Mio. t, während der geplanten 40jährigen Laufzeit mehr als 640 Mio. t des Klimakillers CO2. Zwar sei die Stromausbeute gegenüber den Altkraftwerken etwas höher, RWE wolle aber unverändert viel Kohle einsetzen, womit das BoA-Kraftwerk ein „klimaschutzpolitisches Nullsummenspiel“ sei. Dazu weigere sich die RWE Power AG beharrlich, Alt-kraftwerke stillzulegen. Seit Inbetriebnahme des 950 MW-BoA-Kraftwerks Niederaußem (2002) wurde so lediglich ein 150-MW-Block in Frimmersdorf vom Netz genommen.
„Ein Skandal ist, dass dieser klimaschutzpolitische Wahnsinn auch noch mit mehr als 3 Milliarden Euro indirekter Subventionen durch die Bundesregierung gefördert wird“, kritisiert BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. „Nur durch die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten für 18 Jahre und die milliardenschwere Bevorzugung gegenüber wesentlich weniger umweltschädlichen Gaskraftwerken wird der Bau dieses Klimakiller-Kraftwerks lukrativ.“
Auch schaffe dieses Braunkohle-Kraftwerk keine neuen Arbeitsplätze. Allein im letzten Jahrzehnt habe RWE Power die Zahl der Arbeitsplätze in den Tagebauen und Kraftwerken des Rheinlands auf heute 8.477 mehr als halbiert. Dem gegenüber erwirtschafteten in Nordrhein-Westfalen die Hersteller regenerativer Anlagen und Systeme rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz in 2005. Über 15.000 Menschen arbeiten in NRW derzeit in der jungen Branche; bundesweit waren es im Jahr 2005 insgesamt 170.000 Arbeitsplätze.
In die Schlagzeilen gekommen war das Kraftwerk durch den Feldhamster-Streit. Das Braunkohlekraftwerk vernichtet nach BUND-Angaben aber nicht nur den Lebensraum dieses seltenen und geschützten Nagers, sondern vertreibt mehr als 7.600 Menschen aus ihrer Heimat, da der Großteil der Kohle aus dem 48 qkm großen Tagebau Garzweiler II kommen soll. Durch die Einleitung von Kühlwasser in die Erft werde dieser Fluss zudem dauerhaft tropenähnliche Temperaturen aufweisen; heimische Flora und Fauna werde verdrängt. Auch weigere sich die RWE Power AG, zur Reduzierung der Feinstaub-Belastung die aktuelle Filtertechnik einzubauen. Auch deshalb hat der BUND gegen die Genehmigung des Kraftwerks eine EU-Beschwerde eingelegt.
Unterm Strich, so das BUND-Fazit, werde mit dem Bau des BoA-Kraftwerks Neurath die bisherige, das Klima und die Umwelt schädigende Energiepolitik für weitere 40 Jahre zementiert. Der dringend notwendige Ausbau effizienter Energiespartechnologien und Erneuerbarer Energien erleide durch diese 2,2 Mrd.-Euro-Fehlinvestition einen herben Rückschlag. Das Kraftwerk sei das erste von bundesweit mindestens 12 geplanten neuen Kohlekraftwerken. Mit deren Realisierung verabschiede sich Deutschland endgültig vom Klimaschutz.
Weitere Informationen im BUND-aktuell. (PDF, 95KB) Kontakt: Dirk Jansen, BUND-Geschäftsleiter, Tel.: 0211 / 30 200 5-22 oder 0172 / 29 29 733, E-Mail: dirk.jansen@bund.net; Internet: www.bund-nrw.de