BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


20. Juli 2004

BUND: Kein altes Gift in neuen Schläuchen! Online-Protestaktion gegen DEHP-Weichmacher in Medizinprodukten

Mit einer bundesweiten Protestaktion reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt auf den Nachweis giftiger Weichmacher in Medizinprodukten. Auf seiner Internetseite www.bundgegengift.de fordert der BUND auf, Protest-E-Mails an Bundeskanzler Schröder, Gesundheitsministerin Schmidt und Wirtschaftsminister Clement zu versenden.

Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "Was in Shampoos, Lippenstiften und Kinderrasseln verboten ist, gehört auch nicht in Infusionsschläuche für Frühgeborene. Besonders Schwangere und Kleinkinder müssen unverzüglich vor giftigen Weichmachern in medizinischen Produkten geschützt werden."

Hintergrund: In ganz Europa werden Krankenhauspatienten, darunter auch besonders empfindliche Neugeborene, unnötig den Gefahren des Weichmachers DEHP (Di-ethyl-hexyl-phthalat) ausgesetzt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der BUND zusammen mit der internationalen Gesundheitsorganisation Health Care Without Harm (HCWH) Ende Juni vorgelegt hat.

Mit einer Ausnahme enthielten alle 40 getesteten medizinischen PVC-Produkte wie Ernährungsbeutel und Beatmungsschläuche den Weichmacher DEHP in Mengen von 17 bis 41 Prozent ihres Gewichts. DEHP ist seit langem bekannt für seine giftige Wirkung auf das Fortpflanzungssystem, vor allem bei Männern. Es kann zu Veränderungen in den Hoden, verringerter Fruchtbarkeit und geringerer Spermienproduktion der Nachkommen führen.

Der BUND fordert die Bundesregierung auf, sich für eine Änderung der EU-Richtlinie für medizinische Produkte einzusetzen. Giftige Weichmacher dürften nicht verwendet werden, wenn Alternativen vorhanden seien. Eine europäische Strategie zur Reduktion von DEHP-Weichmachern liege seit Jahren in der Schublade. Auch der Gesetzesentwurf für eine neue Chemikalienpolitik (REACH) könnte ein hervorragendes Instrument sein, um die Umwelt und den Verbraucher künftig vor derartigen Schadstoffen zu schützen.

Timm: "Der BUND setzt sich dafür ein, dass Gesetzesvorhaben zum Schutz vor Schadstoffen nicht auf Druck der Chemieindustrie verwässert werden. Helfen Sie mit und sagen Sie führenden Politikern Ihre Meinung. Gefährliche Substanzen wie DEHP müssen durch sichere Alternativen ersetzt werden."

Auf der Website www.bundgegengift.de liegt unter dem Stichwort "Aktiv werden" eine E-Mail-Vorlage bereit, die direkt personalisiert und abgeschickt werden kann. Außerdem gibt es ausführliche Informationen zur Studie, zu REACH und zu Chemie im Alltag.

Protest-E-Mail

Pressekontakt: BUND-Pressestelle, Philipp Prein, Tel. 030-27586-464/-489, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net


Quelle: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/bund-kein-altes-gift-in-neuen-schlaeuchen-online-protestaktion-gegen-dehp-weichmacher-in-medizinpr/