BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


8. Mai 2003

BUND: EU-Kommission verfehlt Schutz vor gefährlichen Chemikalien

Clement und Trittin müssen sichere Produkte fördern

Der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf zur europäischen Chemikalienpolitik ist nach Ansicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Abbild des massiven Drucks der deutschen Chemieindustrie. Dieser hätte außerdem dazu geführt, dass sich die Verabschiedung des Gesetzeswerkes trotz zweijähriger Vorbereitung und intensiver Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen noch um mindestens ein Jahr verschieben wird.

BUND-Bundesgeschäftsführer Dr. Gerhard Timm: "Leidtragende sind erneut Umwelt und Verbraucher, da über 30 000 auf dem Markt befindliche Chemikalien nicht auf Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit getestet worden sind. Zahlreiche Untersuchungen belegen die Gefährlichkeit und Verbreitung dieser Substanzen in der Natur. Mensch und Tier bleiben diesen Belastungen ausgesetzt, ohne dass genügend dagegen getan wird."

Insbesondere die deutsche Chemieindustrie habe sich massiv gegen Neuregelungen im EU-Chemikalienrecht gewandt. Sie lehne höhere Umwelt- und Gesundheitsstandards in der Chemiebranche ab, da diese Wettbewerbsnachteile mit sich brächten und Arbeitsplätze gefährdeten. Damit ignoriere sie die Zunahme von Allergien, von Hodenkrebs bei Männern und Fortpflanzungsstörungen bei Tieren - Krankheiten, die durch Chemieprodukte ausgelöst werden könnten.

Der BUND fordert von den für die Gesetzesvorlage zuständigen deutschen Ministern Jürgen Trittin und Wolfgang Clement, sich stärker für den Schutz von Umwelt und Mensch vor gefährlichen Chemikalien einzusetzen. Insbesondere Wirtschaftsminister Clement, der das neue Gesetzeswerk als "Testfall für Europas Industriepolitik" ansehe, müsse die Industrie dazu bewegen, ihre Chancen wahrzunehmen und Investitionen in die Entwicklung umweltverträglicher Produkte zu lenken.

Das bisher umfangreichste Regelwerk der EU-Geschichte soll dazu führen, Produkte nur dann vermarkten zu dürfen, wenn sie für Umwelt und Mensch unbedenklich sind. Ziel der Reform ist der bessere Schutz vor gefährlichen Chemikalien und eine Vorreiterrolle der europäischen Industrie bei der Vermarktung umweltverträglicher und sicherer Produkte.

Mehr Informationen zum Thema entnehmen Sie dem Brief der Umweltverbände an EU-Kommissarin M. Wallström und der gemeinsamen Pressemitteilung von EEB (European Environmental Bureau), Friends of the Earth, Greenpeace und WWF.

Bei Rückfragen:

Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586425, Mobil: 0171-8311051 Patricia Cameron, BUND-Referentin für Chemie, Tel. 030-27586-426, Fax: -449, Mobil: 0175-5963816 E-Mail: presse@bund.net

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Quelle: http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/bund-eu-kommission-verfehlt-schutz-vor-gefaehrlichen-chemikalien/