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6. September 2006

Kein Gen-Weizen in Sachsen-Anhalt! Seehofer muss Freisetzung verbieten

Am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben befindet sich eine der größten Getreide-Genbanken der Welt. Hunderte alter Weizensorten werden dort im Freien vermehrt. Ihre Verunreinigung wäre ein unersetzlicher Verlust. Foto: www.pixelquelle.de

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), das Umweltins­ti­tut München und der Deutsche Bauernbund (DBB) haben Landwirtschaftsminister Horst See­hofer heute aufgefordert, die geplante Freisetzung von genverändertem Weizen in Sachsen-Anhalt zu verbieten. Das ihm unterstellte Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit müsse eine entsprechende Genehmigung versagen.

Wenn das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) wie geplant im nächsten Monat in Gatersleben mit der Aussaat des Gen-Weizens in Institutsnähe begänne, seien Tausende dort archivierte alte Weizensorten gefährdet, die zu ihrem Erhalt regelmäßig im Freiland angebaut würden.

Andreas Bauer vom Umweltinstitut München: „Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungspflanzen des Menschen. Die in der Genbank gelagerten Weizensorten sind für die künftige Pflanzenzüch­tung von unschätzbarem Wert. Eine genetische Verunreinigung dieser Sorten, die von Experten auch als `Lebensversicherung der Mensch­heit` bezeichnet werden, wäre ein unersetzlicher Verlust. Versu­che mit genmanipuliertem Weizen in Nachbarschaft der Genbank sind verantwortungslos. Hinzu kommt, dass der Gen-Weizen Resistenzgene gegen ein Totalherbizid und gegen zwei in der Medizin angewendete Antibiotika enthält. Er stellt deshalb ein hohes Sicherheitsrisiko für Umwelt und Gesundheit dar.“

Anne-Katrin Valverde vom Deutschen Bauernbund (DBB): „Weizen aus Sachsen-Anhalt genießt als Elite­weizen einen exzellenten Ruf auf den Märkten der Welt. Damit ist es vorbei, wenn auch nur der kleinste Verdacht aufkommt, dass er gentechnisch verunreinigt sein könnte. Wir fürchten, dass die Herkunftsbezeichnung Weizen aus Sachsen-Anhalt vom Qualitätsmerkmal zum Stigma wird und sich unsere Abnehmer andere Lieferanten suchen. Das bedroht unsere wirtschaftliche Existenz.“

Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des BUND in Sachsen-Anhalt: „Ob Gen-Gerste in Hessen, Pharmakartoffeln und Gen-Raps in Mecklenburg-Vorpommern oder Gen-Weizen bei uns - alle umstrittenen Freisetzungen in diesem Jahr zeigen: Es engagiert sich vor allem die Bundes­re­gierung für die Gentechnik auf dem Acker. Die Unternehmen bleiben in der Defensive und warten ab. Auch den Gen-Weizen finanziert der Steuerzahler. Dabei lehnen 80 Prozent der Bundesbürger Gentech-Pflanzen ab. Das muss sich endlich auch in der Förder- und Forschungspolitik widerspie­geln.“

Der Gentech-Weizen hat einen erhöhten Proteingehalt und soll als Futterpflanze dienen. Da in der EU die Zulassung von Gentech-Pflanzen nur gleichzeitig für Futter- und Lebensmittel erfolge, dränge sich der Verdacht auf, dass es in Wirklichkeit um Weizen für die menschliche Ernährung gehe. Weltweit gebe es bisher keine zugelassenen gentechnisch veränderten Weizensorten. Aus Angst um ihre Export­märkte hätten Farmer in den USA und Kanada eine Markteinführung erfolgreich verhindert. Bereits 2003 und 2004 sei der Schweizer Agro-Konzern „Syngenta“ daran gescheitert, in Deutschland pilzresistenten Weizen auszubringen.

Pressekontakt: Anne-Katrin Valverde (DBB), Mobil: 0151-17823092, Oliver Wendenkampf (BUND-Sachsen-Anhalt), Mobil: 0172-3872077, Heike Moldenhauer (BUND-Gentechnikexpertin), Tel. 030-27586-456 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-489, Mobil: 0171-8311051, E-Mail: presse@bund.net




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