19. Oktober 2006
Stuttgarter Nabelschau – Regionen gucken in die Röhre
BUND appelliert an Verkehrsminister Tiefensee: Keinen Cent mehr für Stuttgart 21
Stuttgart: "Vor uns sehen wir nun den Stuttgarter Hauptbahnhof, der auch als Stuttgart 21 bezeichnet wird", mit ausgestrecktem Arm deutet die Stadtführerin nach vorn. "Ende des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt beschlossen, dass ein neuer Bahnhof gebaut werden müsse, weil der alte Kopfbahnhof nicht mehr zeitgemäß sei." Sie lässt den Arm kraftlos sinken. „Nach einer 15-jährigen Bauzeit hat sich Stuttgart 21 aber als Fehlinvestition erwiesen. Der Bahnhof war mit drei Milliarden Euro so teuer, dass der Nahverkehr im ganzen Land eingeschränkt werden musste. Alte Strecken konnten nicht mehr ausgebaut, neue Verbindungen nicht mehr realisiert und Regionalbahnhöfe mussten geschlossen werden. Mittlerweile gilt der Stuttgarter Bahnhof als abschreckendes Beispiel einer verfehlten Bauchnabel-Politik der Landeshauptstadt.“
Auch Reiseführer in Oberschwaben, im Schwarzwald und in Hohenlohe sollen künftig ihren Touristen keine stillgelegten Bahnhöfe präsentieren müssen. Deshalb hat sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor den Verhandlungen zwischen Bund, Land und Bahn am Montag in Berlin mit einem Brief an Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee gewandt. Darin fordert der Verband die Bundesregierung auf, dem Milliardenprojekt Stuttgart 21 nicht dadurch auf die Sprünge zu helfen, dass sie mehrere hundert Millionen Euro dafür bezahlt. Sollte Stuttgart 21 gebaut werden, befürchtet der BUND unverantwortliche Einschnitte im Regionalverkehr und Verzögerungen beim weiteren Streckenausbau im Land.
Die stellvertretende BUND-Bundesvorsitzende und baden-württembergische Landesvorsitzende, Dr. Brigitte Dahlbender, kritisiert: „An Stuttgart 21 offenbart sich die fatale Verkehrspolitik der Landesregierung. Statt sich für ein landesweit gelungenes Mobilitätskonzept und für optimale Lärmschutzmaßnahmen einzusetzen, soll in Stuttgart ein überflüssiger Tunnelbahnhof für viel Geld gebaut werden. Währenddessen wird in Offenburg für die europäische Güterverkehrsachse, auf der täglich mehrere hundert Züge fahren, dringend ein Tunnel benötigt. Aber dafür fehlt das Geld - wegen Stuttgart 21. Deshalb appellieren wir an Herrn Tiefensee, das Geld der Steuerzahler nicht an ein solches Prestigeobjekt zu verschwenden.“
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