Sie befinden sich hier:
6. April 2006

Käfig bleibt Käfig - Agrarminister Seehofer darf Verbraucher nicht täuschen

Bundesagrarminister Horst Seehofer müsse ohne „Wenn und Aber“ am Verbot der Käfighaltung für Legehennen festhalten. Dies forderte die „Allianz für Tiere in der Landwirtschaft“, bestehend aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Verbraucherzentrale Bundesverband, dem Deutschen Tierschutzbund und der Schweisfurth-Stiftung, anlässlich der morgigen Bundesratsabstimmung zur Hennenhaltung. Eine Umbenennung der Käfigbatterien etwa in so genannte „Kleinvolieren“ oder „Kleingruppenhaltungen“ ändere nichts daran, dass Käfighaltung keine artgerechte, sondern eine quälerisch Haltungsform sei. Jede dieser vom Bundesrat angestrebten Tierhaltungsformen sei laut der geltenden Nutztierhaltungsverordnung ab dem 31.12.2006 verboten.

Die Regierung habe im Koalitionsvertrag angekündigt, mit einem „Prüf- und Zulassungsverfahren“ für Stalleinrichtungen die Haltungsbedingungen für Tiere weiter zu verbessern. Aus Sicht der Allianzverbände sei dies sehr zu begrüßen. Seehofer jedoch unterlaufe das Koalitionsziel, wenn er einer Änderung der Legehennenverordnung zustimme. Dr. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des BUND: „Es ist ein Widerspruch, zuerst zurück zu gehen im Tierschutz und die Käfige wieder zuzulassen und anschließend ein Prüf- und Zulassungsverfahren einzurichten, mit dem dann der Tierschutzstandard wieder angehoben werden soll. Wenn Seehofer über eine Beschönigung der Namen die Käfighaltung wieder salonfähig macht, täuscht er die Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir fordern ihn auf, Klartext zu reden.“

Zwar hätte der Agrarminister den bislang am wenigsten tiergerechten Vorschlag des Bundestags-Agrarausschusses abgelehnt, die Hühnerhaltung in den bestehenden Käfigbatterien weiter zuzulassen. Doch die Zulassung von sogenannten „ausgestalteten Käfigen“ sei damit noch nicht vom Tisch. Sollte Seehofer diese Käfigform annehmen, wäre dies ein fauler Kompromiss und er widerspräche einem weiteren Ziel des Koalitionsvertrages. Dort heißt es: „Am Verbot der Käfighaltung von Legehennen halten wir fest.“ Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Nach den Worten des Koalitionsvertrages darf es nach dem 1. Januar 2007 kein Ei aus deutscher Käfighaltung mehr geben. Für uns gilt nach wie vor: Kein Ei mit der Drei! Der Koalitionsvertrag ist das Papier nicht wert, wenn die Bundesregierung sich nicht daran hält.“

Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes: „Minister Seehofer darf sich nicht gegen den Verbraucherwillen stellen. Rund 60 Prozent der Verbraucher kaufen ihre Frühstückseier aus alternativen Haltungen - Tendenz steigend. Verbrauchern wird häufig vorgeworfen, sie würden den Tierschutz zwar mehrheitlich wünschen, wären aber nicht bereit dafür tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Aber es sind die deutschen Hühnerhalter, die dieses Potential bisher verschlafen. Denn mehr als ein Drittel der Eier aus artgerechter Haltung wird derzeit importiert, weil Hühnerhalter in Deutschland die wachsende Nachfrage nicht bedienen. Die guten Erfahrungen seit Einführung der Kennzeichnung für unverarbeitete Eier müssen auf die verarbeiteten Produkte übertragen werden. Minister Seehofer muss dieses Nachfragepotential auch für verarbeitete Produkte nutzbar machen, indem er sich für eine erweiterte Kennzeichnung einsetzt“.

Prof. Franz Theo Gottwald von der Schweisfurth-Stiftung: „Das Käfigverbot stellt eine Chance dar, die Eiererzeugung wieder mehr in die Hände vieler Bauern, statt in die Hände weniger Käfigbarone zu bringen. Die Bodenhaltung schafft doppelt, die Biohaltung dreimal so viele Arbeitsplätze im ländlichen Raum wie die Hühnerhaltung in Käfigen.“

Kontakt: Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin, Tel.: 030-275864-81, E-Mail: reinhild.benning@bund.net; Wolfgang Apel, Deutscher Tierschutzbund, Tel: 0228 6049624, E-Mail: Presse@tierschutzbund.de; Jutta Jaksche, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Tel.: 030-26800 436, E-Mail: jaksche@vzbv.de; Franz Theo Gottwald, Schweisfurth-Stiftung, E-Mail: info@schweisfurth.de; www.allianz-fuer-tiere.de




Ulmer Naturkalender 2009

Zur Begrüßung schenkt Ihnen der BUND den Natur- kalender 2009 von BUND und Ulmer Verlag.

Jahresbericht 2007

Titelseite des Jahresberichtes 2007, Libelle als Titelbild

Einblicke in die Arbeit des BUND, seine Einnahmen und Ausgaben, die Zahl seiner Mitglieder und Förderer – das alles und noch viel mehr finden Sie im

Jahresbericht 2007 (4 MB)

Suche

Metanavigation: