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10. November 2005

Chemieindustrie gefährdet Umwelt und Gesund­heit. BUND analysiert Position der Unternehmen zu REACH

Schwere Vorwürfe hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute gegen die Chemieindustrie erhoben. Die Branche versuche vehement, die in Abstimmung befind­liche Europäische Chemikalien­verordnung (REACH) zu schwächen und nehme damit entgegen ihren öffentlichen Bekennt­nis­sen schwere Schäden an der Umwelt und der Gesundheit der Menschen in Kauf. Der BUND und seine Schwesterorganisation Friends of the Earth hatten 31 europäische Chemie­un­­ternehmen (darunter BASF, Bayer und Degussa) zu ihrer Haltung gegenüber der Chemi­kalienreform befragt und dies mit ihren Aktivitäten gegen REACH verglichen. Es lasse sich klar nachweisen, dass die Aussagen der Unternehmen zu Verbraucherschutz und Transparenz reine Lippenbekenntnisse seien.

BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm: „Angeblich tun die Unternehmen alles, um Mensch und Umwelt vor gefährlichen Chemikalien zu schützen. In Wahrheit opfern sie diesen Schutz der Profitmaximierung und lassen die Verbraucher über das Vorhandensein von sehr gefährlichen Chemikalien in Alltags­pro­dukten im Unklaren. Die EU-Parlamentarier müssen diesem Gebaren in der kommenden Woche ein Ende bereiten und für ein wirksames Chemikaliengesetz stimmen. Was wir brauchen sind nicht immer weniger Daten über die zu registrierenden Stoffe, sondern ausreichende Informationen, um daraus ein mögliches Gefährdungspotenzial ablesen zu können."

Entgegen ihren Erklärungen zu mehr Produktverantwortung und Transparenz hätten nur zwei Unternehmen auf die Frage geantwortet, welche Chemikalien sie produzierten oder einsetzen. Außerdem wollten viele der befragten Unternehmen gefährliche Chemikalien selbst dann nicht ersetzen, wenn umwelt- und gesundheitsschonende Alternativen vorhanden seien. Besonders auffällig sei, dass die Unternehmen auf ihre guten und oft exorbitanten Gewinne verwiesen, zugleich aber über angeb­lich zu hohe Kosten der Chemikalien­reform klagten. Diese beliefen sich laut BUND jedoch auf lediglich 0,05 Prozent des jährlichen Umsatzes der Branche.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: “Das Wehklagen der Industrie über die Kosten der Chemi­kalienreform ist völlig übertrieben. Die Reform wird der Industrie im Gegenteil viele Vorteile bringen. Durch die Suche nach Alternativstoffen werden zum Beispiel Innovationspotentiale und damit Wettbewerbsvorteile der europäischen Industrie gestärkt.“

Gerade die Anwender von Chemikalien profitierten von REACH. Durch die Reform erhielten sie künftig von ihren Lieferanten eindeutige Informationen über die Gefährlichkeit der Stoffe. Dies verringere die Gefahr für die Anwender, für durch ihre Produkte verursachte Schäden haftbar gemacht zu werden. Letztlich würde das Vertrauen der Verbraucher in die Produkte wachsen, wenn deren Ungefährlichkeit nachweisbar sei.

Über die neue Verordnung REACH, die den Schutz von Mensch und Umwelt vor gefährlichen Chemikalien verbessern soll, stimmt das EU-Parlament voraussichtlich am 17. November in erster Lesung ab.

Lesen Sie dazu die Studie "Profit auf Kosten von Gesundheit und Umwelt. Wie die Chemieindustrie die Reform der Europäischen Chemikalienpolitik untergräbt"

und den Ratgeber für Firmen, die Chemikalien verwenden "Sanft landen mit REACH".

Pressekontakt: BUND-Chemieexpertin Patricia Cameron, Tel. 030-27586-426 bzw. Almut Gaude, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-464/425, Mobil: 0163-6079090, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net; www.bundgegengift.de.

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