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28. Januar 2005

Schmidt nimmt Gesundheitsgefährdung bei Kindern in Kauf. BUND und HCWH fordern Verbot von giftigen Weichmachern in Medizinprodukten

Der BUND und die internationale Gesundheitsorganisation Health Care Without Harm (HCWH) haben Bundesministerin Ulla Schmidt wegen ihrer zögerlichen Haltung gegenüber schädlichen Medizinprodukten kritisiert. Giftige PVC-Weichmacher müssten verboten werden, wenn risikoärmere Alternativen vorhanden seien. Unverbindliche Empfehlungen an Hersteller und Anwender, wie sie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte heute ausgesprochen habe, reichten nicht aus.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: "Die Gesundheitsministerin muss ihren weichen Kurs gegenüber giftigen Weichmachern aufgeben. Die Behörden in Deutschland und der EU warnen seit Jahren und fordern die Hersteller auf, sichere Alternativen zu entwickeln. Aber noch immer beherrschen die gesundheitsschädlichen Produkte den Markt. Was in Spielzeug und Kosmetika verboten ist, gehört auch nicht in Infusionsschläuche für Neugeborene."

Ein Expertengespräch des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte habe vor wenigen Tagen erneut bestätigt, dass der PVC-Weichmacher DEHP (Di-ethyl-hexyl-phthalat) das Fortpflanzungssystem störe, vor allem beim männlichen Geschlecht. Es kann zu Veränderungen in den Hoden und geringerer Spermienproduktion bei Nachkommen führen. Besonders betroffen seien Neugeborene und Kinder sowie schwangere Frauen und stillende Mütter. Eine Studie von BUND und HCWH zeige, dass DEHP-haltige Medizinprodukte in Kinderkliniken immer noch weit verbreitet seien.

Cestmir Hrdinka, Geschäftsführer von HCWH in Europa: "Für die meisten Medizinprodukte gibt es Alternativen, die nicht aus PVC sind und keine giftigen Weichmacher enthalten. Einige Krankenhäuser in Österreich, Schweden, der Tschechischen Republik oder den USA haben bereits erfolgreich umgestellt. Der Ausstieg ist finanziell machbar. Und je mehr die Produkte nachgefragt werden, desto billiger werden sie. Viele Krankenhäuser scheuen dennoch höhere Kosten. Oder sie haben das Problem noch gar nicht erfasst. DEHP-haltige Produkte müssen nicht einmal gekennzeichnet werden. Die Bundesregierung sollte dies rasch ändern."

Der BUND und HCWH forderten Gesundheitsministerin Schmidt auf, über eine nationale Verbotsinitiative hinaus auch bei der EU für ein rasches Verbot von DEHP in Medizinprodukten einzutreten, wenn Alternativen vorhanden seien. So könne sie ein richtungsweisendes Signal für den vorsorglichen Umgang mit gefährlichen Substanzen geben und die laufenden Verhandlungen über eine neue EU-Chemikalienpolitik (REACH) positiv beeinflussen.

Deutsche Zusammenfassung der Krankenhaus-Studie im Internet unter: http://www.bund.net/lab/reddot2/pdf/higru_krankenhausstudie.pdf

Pressekontakt: Philipp Prein, BUND-Pressereferent, Fon: 030-27586-422, Fax: -449, Mobil: 0175-3715408, Mail: philipp.prein@bund.net; zu Health Care Without Harm siehe: http://www.noharm.org/




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