7. September 2004
EU-Kommission bedroht gentechnikfreie Felder
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in den für morgen angekündigten Entscheidungen der EU-Kommission zur erstmaligen Sortenzulassung einer Gentech-Pflanze und zur Einführung von Grenzwerten zur erlaubten gentechnischen Verunreinigung von Saatgut eine ernste Bedrohung der Landwirtschaft in Europa. Mit den vorgeschlagenen Regelungen würde eine gentechnische Kontamination von Lebensmitteln bereits zu Beginn ihrer Produktion erlaubt. Alle Bemühungen von Landwirten, auch in Zukunft gentechnikfrei zu produzieren, würden damit unterlaufen.
Siebzehn Sorten des "Genmais Mon 810" des Herstellers Monsanto könnten ab morgen einen Eintrag in den EU-Sortenkatalog erhalten. Damit würde die Voraussetzung geschaffen, diesen Mais EU-weit zu handeln und auszusäen. Sollten Bauern "Mon 810" anbauen, wäre der gentechnischen Verunreinigung Tür und Tor geöffnet. Gentechnikfrei produzierende konventionelle oder biologisch produzierende Betriebe müssten mit Gentech-Einträgen in ihre Felder rechnen und kostspielige Maßnahmen zum getrennten Erfassen der Ernten, für Transport und Lagerung treffen.
Bisher existierten mit Ausnahme von Dänemark in keinem Land der EU Gesetze, die das Nebeneinander einer Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik regelten. Damit der Mais nicht angebaut werde, könnten die EU-Mitgliedsstaaten zwar nationale Verbote verhängen, wenn Risiken für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit drohten bzw. landwirtschaftliche Gründe dagegen sprächen. In Deutschland werde "Mon 810" aber im sogenannten Erprobungsanbau derzeit in sieben Bundesländern angebaut. Ein Verbot sei deshalb unwahrscheinlich.
Der BUND warnt die EU-Kommission auch davor, den Grenzwert für die erlaubte Verunreinigung von Saatgut mit gentechnisch veränderten Organismen zu hoch anzusetzen. Mais- und Raps-Saaten dürften nicht erst als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden, wenn sie mehr als 0,3 bzw. Zuckerrüben, Kartoffeln und Baumwolle mehr als 0,5 Prozent verunreinigt seien. Derart hohe Grenzwerte gefährdeten die Saat jener Landwirte, die gentechnikfrei produzieren wollten. Die Saatgutfirmen hätten nach eigenen Angaben kein Problem, den Reinheitsgrad des Saatguts unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 Prozent zu halten. Höhere Grenzwerte seien lediglich ein Zugeständnis an die Gentechnik-Industrie.
Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: "Der Grenzwert für die gentechnische Verunreinigung von Saatgut muss bei der Nachweisgrenze von 0,1 Prozent liegen. Zur Sicherung der Wahlfreiheit der Bauern und der Konsumenten ist die bestmögliche Reinheit des Saatguts entscheidend. EU-Umweltkommissarin Wallström muss ihren Entwurf zur Saatgutverordnung zurückziehen. Ansonsten hinterlässt sie den europäischen Bauern und Verbrauchern ein böses Erbe."
Pressekontakt: Heike Moldenhauer, BUND-Gentechnikexpertin, Tel. 030-27586-456 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-489, E-Mail: presse@bund.net