30. Dezember 2004
GRS-Gutachten belegt: Flugzeugabstürze führen bei jedem AKW zur Katastrophe. BUND verlangt Veröffentlichung
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Bundesregierung auf, die Öffentlichkeit umgehend über die Gefahren für Atomkraftwerke durch Flugzeugabstürze aufzuklären. Nach einem vertraulichen Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) könne der gezielte Absturz eines Verkehrsflugzeugs bei jedem der deutschen AKW zu einem Super-GAU führen. Angesichts dieser Ergebnisse müssen nach Auffassung des BUND die im Atomkonsens vereinbarten Restlaufzeiten für AKW radikal verkürzt werden.
Klaus Traube, BUND-Atomexperte: „Das Gutachten bestätigt: An jedem Atomstandort in Deutschland könnten Terroristen einen Super-GAU auslösen, dessen Folgen wegen der vielfach höheren Bevölkerungsdichte noch weit katastrophaler als in Tschernobyl wären. Die Bundesregierung weiß von dieser Gefahr seit beinahe einem Jahr und hat noch immer nicht erklärt, was für Maßnahmen sie ergreifen will. Die Menschen haben ein Recht darauf informiert zu werden. Deshalb muss Umweltminister Trittin die Geheimniskrämerei um das Gutachten beenden.“
Besonders gefährdet sind laut GRS-Gutachten die neun älteren Anlagen: Obrigheim, Stade, Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Neckar 1 und Unterweser. Bei diesen Anlagen kann schon der Absturz eines kleinen Verkehrsflugzeuges die Katastrophe auslösen. Beim gezielten Absturz eines großen Flugzeugs können auch die zehn neueren Anlagen außer Kontrolle geraten.
Traube: „Das Gutachten beleuchtet nur die Spitze eines Eisbergs. Schon immer war den Verantwortlichen bekannt, dass eine Atomkatastrophe von Terroristen ausgelöst werden könnte, zum Beispiel durch Infiltration in das Betriebspersonal oder durch Zerstörungen von außen durch tragbare panzerbrechende Waffen oder Sprengstoff. Solche Bedrohungen wurden nie öffentlich erörtert. Vorsichts- und Nachrüstmaßnahmen können die Risiken nicht entscheidend mildern. Nur abgeschaltete Atomkraftwerke sind sichere Atomkraftwerke."
Bei Rückfragen: Klaus Traube, BUND-Atomexperte, Tel: 06171-25815, oder Philipp Prein, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-489, Fax: -449; Mobil: 0151-11656734, E-Mail: presse@bund.net