16. Mai 2003
BUND: Tierseuchen vorbeugend bekämpfen. Trend zu immer größeren Ställen umkehren
Tierseuchen wie die Geflügelpest können nur dann langfristig bekämpft werden, wenn der Trend zur industriellen Tierhaltung gestoppt wird. Darauf verweist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Krankheitserreger würden sich am schnellsten in großen Geflügelbeständen ausbreiten und verändern. Der hohe Transportaufwand in der industriellen Geflügelproduktion erhöhe das Risiko zusätzlich. Neben der aktuellen Seuchenbekämpfung fordert der BUND mehr vorbeugende Maßnahmen.
Dr. Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "Die nächste Tierseuche ist vorprogrammiert, wenn wieder nur Krisenmanagement betrieben wird. Agrarministerin Künast muss zusammen mit ihren Kollegen in den Bundesländern und der Europäischen Union vorbeugend tätig werden. Wir müssen den Abschied von den Agrarfabriken vorantreiben, so wie es Bundeskanzler Schröder auf dem Höhepunkt der BSE-Krise versprochen hat."
Das Prinzip "Zu viele Tiere auf zu engem Raum" verstärke die Risiken der intensiven Hühnerhaltung. Das Influenza-Virus hätte optimale Ausbreitungs-und Mutationsmöglichkeiten. Die Konzentrationsprozesse in der Geflügelzucht und bei Schlachtereien verursachten eine Zunahme der Tiertransporte. Hähnchen, Jung- und Schlachthennen, Brut- und Konsum-Eier, Futtermittel und Kot würden quer durch Europa gefahren und auf dem Weltmarkt gehandelt. Dadurch ergäben sich zahlreiche unkontrollierbare Übertragungsmöglichkeiten für Viren und andere Erreger.
Timm: "Krankheiten wie die Geflügelgrippe hat es in der Geschichte zwar immer gegeben. Allerdings mussten noch nie rund dreißig Millionen Hühner in zehn Wochen getötet werden. Das ist Resultat der industriellen Tierproduktion. Mit Verlusten bei früheren Geflügelepidemien ist das nicht zu vergleichen."
Vor einem Jahr hatte der BUND in einer Studie davor gewarnt, dass der Großteil der Anträge für neue Geflügelställe industriellen Maßstäben folgt. Der Boom bei Massenställen müsse gestoppt werden. Timm: "Wir müssen zu einer artgerechten bäuerlichen Hühnerhaltung mit Flächenbindung, weitgehend eigener Futterversorgung und möglichst regionaler Vermarktung kommen."
Bei Rückfragen:
Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin, Mobil: 0160-6324346
Philipp Prein, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-464, -489, Fax: -449, Mobil: 0151-11656734 E-Mail: presse@bund.net
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