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6. August 2003

„Bericht zur Lage der Elbe“: Hochwasser sind auch menschengemacht und vermeidbar

Hochwasser an der B 184 in Königsborn, östlich von Magdeburg.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Bundesbau- und Verkehrsminister Stolpe aufgefordert, den Hochwasserschutz nicht zu verzögern. Bei der Vorstellung eines „Berichts zur Lage der Elbe“ zum Jahrestag des Jahrhunderthochwassers verlangte der Umweltverband neue Bauregeln für Überschwemmungsgebiete, die schnelle Verabschiedung des Hochwasserschutzgesetzes und stärkere Anstrengungen für ökologische Maßnahmen gegen Hochwasser. Einen nationalen Kraftakt gegen die Folgen dürfe es nicht erst wieder nach einer nächsten Flut geben.

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Ernst Paul Dörfler, Elbe-Experte des BUND: „Hochwasser sind auch menschengemacht und zumindest teilweise vermeidbar. Deshalb muss die Vorsorge vor Schäden an Mensch und Wirtschaft an erster Stelle stehen. Hier hat Stolpe als Minister für Verkehr, Bau und Aufbau-Ost eine hohe Verantwortung, damit Häuser, Wohnungen und Unternehmen nicht wieder überflutet werden. Die beste Versicherung gegen Hochwasser sind naturnahe Flüsse. In Auenlandschaften dürfen keine Bauprojekte genehmigt werden.“

Stolpe müsse dem weiteren Ausbau der Elbe und der Planung des wirtschaftlich sinnlosen Saale-Seiten-Kanals eine klare Absage erteilen. Obwohl in den zurückliegenden 10 Jahren rund 100 Millionen Euro zur vorgeblichen Instandsetzung der Elbe verbaut wurden, sei die auf dem Fluss transportierte Gütermenge von 8 Millionen im Jahr 1990 auf 4 Millionen Tonnen zurückgegangen. Neue wirtschaftliche Potentiale sieht der BUND stattdessen in der Förderung des naturnahen Tourismus und in flussangepasster Schifffahrt.

Wie das Extremhochwasser im letzten Jahr werde auch das derzeitige Austrocknen der Flüsse durch Eingriffe des Menschen begünstigt. Es fehle an Auenflächen und Mooren, die „wie ein Schwamm wirken“ und in Trockenperioden Wasser abgeben könnten. BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer kritisierte die Wiedererrichtung von Bauobjekten in Überschwemmungsge-bieten wie am Elbzufluss Müglitz. Die Entsiegelung von Flächen wie im sächsischen Röderau komme dagegen nur langsam voran. Der BUND selbst will sich an der Umsetzung von Konzepten für lebendige Flüsse beteiligen, die Regierung und Umweltverbände kurz nach dem Jahrhunderthochwasser auf einer gemeinsamen Flusskonferenz entworfen hatten. Dazu gehörten die Rückverlegung von Deichen, der Aufkauf von Flächen zur natürlichen Regulierung bei Hochwasser und das Öffnen von Überflutungsräumen. Außerdem müssten die immer noch existierenden Planungen von Elbe-Staustufen auf tschechischer Seite gestoppt werden.

Ein Jahr nach der Flut habe sich der Zustand der Elbe insgesamt verbessert. Probleme gebe es noch durch Belastungen von Fischen, Sedimenten und landwirtschaftlichen Flächen mit ausgeschwemmten Schwermetallen. Das Hochwasser habe gezeigt, wie schnell gefährliche chemische Altlasten mobilisiert werden könnten.

Bei Rückfragen: Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425 (0171-8311051), E-Mail: presse@bund.net

Elbe-Bericht zum Downloaden (Kurzfassung). Der vollständige "Bericht zur Lage der Elbe" kann zum Förderpreis von 5 Euro bestellt werden beim BUNDladen, Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Fax: (030) 27586-466, Fon: -480, E-Mail: bundladen@bund.net, Bestellnummer: 06.036)

Bilder zum Downloaden

Bild 1: Hochwasser an der B 184 in Königsborn, östlich von Magdeburg. Quelle: BUND/EPD Bild 2: Ernst Paul Dörfler an der Elbe. Quelle: Heidör Bild 3: BUND-Aktive betrachten das frisch geschotterte Elbufer "Griboer Schweiz" bei Wörlitz. Quelle: BUND/EPD

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