1. November 2002
Klimagipfel muss langfristigen Reduktionsprozess einleiten. BUND fordert deutsches Aktionsprogramm Klimaschutz 2020
Kurz vor Ende des Klimagipfels in Neu-Delhi appelliert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an die Teilnehmerstaaten, einen Prozess der langfristigen Reduktion von Treibhausgasen einzuleiten. Eine Abschluss-Deklaration ohne diese Perspektive wäre ein Fehlschlag. Mit dem Kyoto-Protokoll könne bis 2012 lediglich der stete Anstieg der Emissionen gestoppt werden. Zur Bekämpfung des Klimawandels seien vor allem in den Industrienationen drastische Reduktionsprogramme notwendig. Die Bundesregierung habe mit ihrer Ankündigung, die deutschen Emissionen bis 2020 um 40 Prozent senken zu wollen, international ein wichtiges Zeichen gesetzt. Jetzt müsse sie aber auch erklären, wie dieses Ziel erreicht werden soll.
Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: „Während Unwetter, Hochwasser und Dürren weltweit zunehmen, stehen die internationalen Klimaverhandlungen auf der Stelle. Zu viele Regierungen versuchen möglichst billig davonzukommen, anstatt Verantwortung zu übernehmen. Allen voran die USA verhindern, dass auf immer fundiertere wissenschaftliche Warnungen angemessen reagiert wird. Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung an ihrer Vorreiterrolle festhält und ein nationales Aktionsprogramm für den Klimaschutz bis 2020 ausarbeitet."
Der BUND kritisiert, dass wichtige Entscheidungen über das Kyoto-Protokoll in Neu-Delhi vertagt wurden. Zum Beispiel werde weiterhin nicht ausgeschlossen, dass Industrieländer auch für ökologisch und sozial verheerende Entwicklungsprojekte wie Großstaudämme oder Waldplantagen Emissionskredite erhalten. Der Clean Development Mechanism (CDM) müsse stattdessen zur intensiven Förderung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz in Entwicklungsländern genutzt werden. Bei der Finanzierung der verschiedenen Maßnahmen fordert der BUND das Verursacherprinzip. Wer für den Klimawandel verantwortlich sei, müsse auch die Folgekosten tragen. Dies gelte insbesondere für die USA, die als Klimasünder Nummer eins das Kyoto-Protokoll bekämpfen und sich auch weigern, in die internationalen Klimaschutzfonds einzuzahlen.
Langfristiges Ziel müssten weltweit gleiche Obergrenzen für die Pro-Kopf-Emission von Treibhausgasen sein. Die gerechte Verteilung von Umweltressourcen würde in den Industrieländern eine Reduktion des CO2-Ausstoßes von mindestens 80 Prozent bis 2050 erfordern. Schließlich müsse der Klimaschutzprozess regelmäßig auf seine Effektivität überprüft werden. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf zu erfahren, wie gut die internationalen Vereinbarungen sie vor katastrophalen Klimaveränderungen schützen können.
Ein Aktionsprogramm zur Reduktion der deutschen CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent muss laut BUND vor allem in den Bereichen Verkehr, Energie und Finanzen ansetzen. Dazu gehöre der Ausbau erneuerbarer Energien, die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel, die Fortsetzung der Ökosteuer, der Abbau umweltschädlicher Subventionen und ein Emissionshandel ohne Schlupflöcher. Auf internationaler Ebene solle die Bundesregierung mit diesem Kurs für den Klimaschutz werben.
Bei Rückfragen: Vor Ort in Neu-Delhi: Kate Hampton, Koordinatorin der Klimakampagne von Friends of the Earth International, Mobil: ++44-7748967323
In Berlin: Daniel Mittler, BUND-Klimaexperte, Tel. 030-27586-468 und BUND-Pressestelle, Philipp Prein, Tel. 030-27586-464, Fax: -449, E-Mail: presse@bund.net
Den BUND-Hintergrund zum Klimagipfel finden Sie im Netz zum Downloaden.
Der BUND ist die deutsche Sektion von Friends of the Earth International: www.foei.org