23. August 2002
Johannesburg-Gipfel muss Unternehmen zur Übernahme globaler Verantwortung zwingen. Nicht-Regierungsorganisationen fordern Regeln für die Wirtschaft -
Vor dem übermorgen im südafrikanischen Johannesburg beginnenden Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), amnesty international und die Organisation Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED) global gültige soziale, ökologische und menschenrechtliche Regeln für multinationale Konzerne verlangt. Da die Tätigkeit dieser Unternehmen gravierende Auswirkungen habe, müssten sie verpflichtet werden, für die umfangreichen Folgen ihrer Aktivitäten einzustehen.
BUND, amnesty und WEED fordern eine verbindliche internationale Konvention zur Unternehmensverantwortung, in der ethische Standards für wirtschaftliches Handeln festgelegt sind. Dazu gehöre die Verpflichtung der Unternehmen, umfassend über die ökologischen und sozialen Folgen ihrer Tätigkeit öffentlich Bericht zu erstatten. Bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte müssten dabei in ihrer Gesamtheit und Unteilbarkeit geachtet und gefördert werden. Von wirtschaftlichen Projekten Betroffene seien an entsprechenden Entscheidungen zu beteiligen. Anwohner und Gemeinden sollten ein verbrieftes Recht auf die natürlichen Ressourcen erhalten, die sie für eine menschenwürdige und nachhaltige Lebensweise benötigen. In Streitfällen müssten sie die Möglichkeit bekommen, Unternehmen auch in deren Heimatländern zu verklagen.
Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Das Verhalten global agierender Unternehmen trägt entscheidend dazu bei, dass sich viele Umweltprobleme in der Welt verschärfen. Ein internationales Abkommen über soziale und ökologische Normen für die Wirtschaft kann helfen, diesen Trend zu stoppen. In Johannesburg muss die Bundesregierung deshalb ein solches Abkommen auf den Weg bringen."
Die Organisationen stellen fest, dass Entwicklung in vielen Ländern der Erde durch gravierende Menschenrechtsverletzungen unter Beteiligung multinationaler Konzerne gefährdet ist. "Ohne die Verwirklichung der Menschenrechte in ihrer Gesamtheit und Unteilbarkeit ist eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich", so Dr. Mathias John, Experte für Wirtschaft und Menschenrechte bei amnesty international. "Multinationale Konzerne haben die Verpflichtung, wirtschaftliche und soziale, aber auch bürgerliche, politische und kulturelle Rechte in ihrer Geschäftstätigkeit sicherzustellen und sich im breiteren gesellschaftlichen Rahmen für die Menschenrechte einzusetzen."
Heidi Feldt, Vorstandsmitglied von WEED: "Es sind vor allem die Menschen in den Entwicklungsländern, die unter ökologischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen am meisten leiden. Manche Unternehmen wollen zwar mit Einzelbeispielen demonstrieren, dass sie ökologisch und sozial verantwortlich handeln. Diese isolierten Aktivitäten greifen aber zu kurz und lassen die schwarzen Schafe unbeeindruckt. International verbindliche Regeln für alle Unternehmen sind daher notwendig." Die beteiligten Nicht-Regierungsorganisationen unterstützen die Forderungen für eine Konvention zur Unternehmensverantwortung jeweils im Rahmen ihrer eigenen Aufgabenstellungen und Mandate.
Bei Rückfragen: Daniel Mittler, BUND-Referent für internationale Umweltpolitik: Tel. in Johannesburg: 0173-9234747 oder +27-72-4015394; Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425, Fax: -449; e-mail: presse@bund.net; amnesty-Pressestelle: Dawid Bartelt, Tel. 030-420248306, e-mail: presse@amnesty.de; www.amnesty.de WEED: Heidi Feldt, Vorstandsmitglied, Tel. 0201-2480985; Jens Martens, Vorstandsmitglied, Tel. 0228-7661312 (ab 27.8. mobil in Johannesburg: 0170-777 9005), e-mail: weed@weedbonn.org, www.weedbonn.org