13. August 2002
BUND lädt Joschka Fischer zum „Lauf am Grünen Band“ ein – 41 Jahre nach Mauerbau Todesstreifen zur Lebenslinie machen
Anlässlich des Besuches von Joschka Fischer am „West-Östlichen Tor“ - einem Kunstdenkmal des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf der früheren innerdeutschen Grenze im Eichsfeld zwischen Thüringen und Niedersachsen - überreichte ihm der BUND heute die Einladung für einen Lauf am „Grünen Band“. Damit will der Umweltverband bei Fischer um Unterstützung für den Schutz dieses wertvollen Biotopverbundes werben, „sollte nach dem Wahlmarathon unerwartet einmal mehr Zeit sein für echte läuferische Herausforderungen“ - so BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm im Einladungstext.
Der BUND hat kürzlich eine Bestandsaufnahme der schützenswerten Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vorgestellt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass 41 Jahre nach dem Mauerbau auf dem früheren Grenzstreifen ungewollt außergewöhnlich viele wertvolle Naturschätze vorhanden sind.
Timm: „Von der Ostsee bis ins Vogtland bildet das Grüne Band eine Perlenkette wertvollster Biotope. Zugleich erinnert es an die Teilung Deutschlands und Europas. Das Grüne Band verbindet Naturschutz und politische Geschichte. Wir zeigen Außenminister Fischer gern beim Joggen in ausgewählten Teilstrecken des Grünen Bandes diese natürlichen Schätze. Er kann uns dabei behilflich sein, das Gebiet zu schützen um so den Todesstreifen zur Lebenslinie zu machen.“
Der BUND bietet für Naturschützer eine „Grüne Aktie“ an, mit deren Erlösen Teilstücke des „Grünen Bandes“ aufgekauft werden. Auf diese Weise wurden bereits mehr als 120 Hektar für den Biotopschutz gesichert. Um den aktuellen Zustand der Biotope auf dem ehemaligen Grenzstreifen zu ermitteln und Schutzkonzepte zu erarbeiten, hat der BUND eine Bestandsaufnahme der seltenen Tier- und Pflanzenarten im „Grünen Band“ durchgeführt. Dabei wurden über 80 verschiedene Biotoptypen erfasst. Knapp die Hälfte der Fläche des Grünen Bandes besteht aus Biotopen, die von der Roten Liste als gefährdet eingestuft werden, wie zum Beispiel Halbtrockenrasen, orchideenreiche Buchenwälder, Zwergstrauchheiden. In einigen ausgewählten Gebieten wurden auch Tier- und Pflanzenarten aufgenommen. Dabei wurden bereits 1044 Arten nachgewiesen, die in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Durch die Vielfalt der Biotope bietet das Grüne Band Rückzugsräume für seltene Tiere wie Laubfrosch, Braunkehlchen, Raubwürger und Wachtelkönig.
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme untermauern die hohe Schutzwürdigkeit des 194 km2 großen und 1393 km langen Grünen Bandes, das vor allem durch Flächenverkäufe, landwirtschaftliche Eingriffe und Straßenbauprojekte bedroht wird.
Bei Rückfragen: Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle, Tel. 030-27586-425/ -489, Fax: -449; Mobil: 0171-8311051, E-Mail: presse@bund.net