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Schwerin, den
31.07.08 / 43-08
Bürger verhindern
Güllelagune im Landschaftsschutzgebiet
BUND warnt vor negativen Auswirkungen übergroßer gewerblicher
Biogasanlagen auf Natur und Umwelt
Die
Bürgerinitiative von Hohen Mistorf, Landkreis Güstrow hat durch
originelle Protestaktionen und sachliche Auseinandersetzung mit den
zukünftigen Betreibern einer Biogasanlage ein riesiges Gärrest- sowie
ein Silagelager im Landschaftsschutzgebiet verhindert.
Evelyn
Seemann, Sprecherin der Bürgerinitiative:
„Wir sind sehr froh, dass die geplante Gärrestlagune und die Silagelager
nicht bei uns gebaut werden. So wird unsere Lebensqualität durch den
Gärrestgestank und die möglichen gesundheitlichen Risiken nicht
beeinträchtigt und unsere Grundstücke behalten ihren Wert.“
Dr. Burkhard Roloff, Agrarexperte des BUND
zur Standortwahl und zu den möglichen Folgen für die Umwelt und Natur:
„Wir kritisieren auf das Schärfste die geplante Standortwahl in
einem Landschaftsschutzgebiet und in unmittelbarer Nähe des
landschaftlich schön gelegenen Dorfes Hohen Mistorf in der
Mecklenburger Schweiz. Die Gärreste aus Biogasanlagen können sich
nachweislich negativ auf die Natur und Umwelt auswirken. Neben der
Geruchsbelästigung bei der Lagerung und der Ausbringung sind die
veränderten Eigenschaften des Gärsubstrates kritisch einzuschätzen.
Die Gärreste reagieren deutlich saurer als die verwendete Gülle, es
wird dadurch die Bodenversauerung gefördert. Da beim Gärprozess der
Kohlenstoff vergoren wird, ist der Gärrest viel stickstoffhaltiger.
Die Humusbildung im Boden wird dadurch verringert, weil weniger
Kohlenstoff gebunden werden kann. Verwerflich finden wir auch, dass
sowohl die geplante Lagerung des Gärrestes als auch der Silage von der
bzw. für die gewerblich genutzte Biogasanlage in Teterow stammen soll
bzw. für diese bestimmt war“
Hintergrund:
Die Gärreste der
neuen Biogasanlage von Teterow sollten nach Planung des
Landwirtschaftsbetriebes Milchhof Alt Sührkow dauerhaft in einer
riesigen, offenen Lagune (Abmaße 60m x 30m x 6m, 10.000 m³) nur ca. 200m
entfernt vor dem Ortseingang Hohen Mistorf (PLZ.:17166, in Richtung
Niendorf) entsorgt und offen gelagert werden. Keiner der Einwohner wurde
diesbezüglich befragt. Zusätzlich waren 3 Silage-Silos mit einem
Gesamtfassungsvermögen von 30.000 m³ geplant.
Diese Anlage
hätte für die Einwohner von Hohen Mistorf eine ganzjährige
Geruchsbelästigung bedeutet. Bis zu 80 Prozent des Jahres herrscht hier
Süd- und Südwestwind vor, der den Gestank direkt in das Dorf gebracht
hätte.
Die
Geruchsbelästigung bedrohen nicht nur die Gesundheit der Einwohner
sondern auch die Lebensräume der einzigartige einheimische Fauna und
Flora, welche nach § 10 Abs. 2 Nr. 5 und § 11 BNatSchG besonders bedroht
und schützenswert sind. Dazu gehören u.a. Feldhamster, Haselmaus,
Fledermaus, Grünspecht, Rebhuhn, Rotkehlchen, Eisvogel, Heidelerche,
Kornweihe, Kranich, Fisch- und Silberreiher, Habicht, Rotmilan, Sperber,
Uhu. Auch die imposanten Seeadler konnten während der letzten Winter auf
den umliegenden Äckern beobachtet werden.
Die Gemeinde
wurde in der Planungsphase des Gärrestlagers nur darüber informiert,
dass sämtliche Genehmigungen vorliegen. Da es sich angeblich nur um eine
Anlage zur Lagerung und nicht um eine Produktionsanlage handelt, seien
keine umfassenden Genehmigungen erforderlich.
Rückfragen:
Evelyn Seemann, Sprecherin der Bürgerinitiative, Tel: 03996 182141,
Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600.
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