Das
sagten die gewählten Landtagsabgeordneten auf Fragen des BUND
Antworten aus den Wahlkreisen der Region
Der BUND Regionalverband
Mittlerer Oberrhein hat fünf Fragen an die Kandidatinnen und Kandidaten
für den Landtag im Stadt- und Landkreis Karlsruhe geschickt. Ausgenommen
hatten wir die Bewerber und Bewerberinnen im Wahlkreis Karlsruhe-West,
da wir uns an diese bereits vorher mit anderen Fragen gewandt hatten.
Die Rücklaufquote
war leider sehr unterschiedlich. Nur ein CDU- und kein FDP-Kandidat hielt
es für nötig, dem BUND zu antworten. Von den befragten SPD-Kandidaten
schickte immerhin die Hälfte den ausgefüllten Fragebogen zurück.
Die Grünen Bewerber haben uns hingegen ausnahmslos eine Antwort zukommen
lassen.
Im Folgenden dokumentieren
wir Fragen und Antworten der gewählten Abgeordneten:
1. Wie soll es mit
der Atomkraft in Baden-Württemberg weitergehen ? Sollen die Atomkraftwerke
gemäß Atomkonsens in den nächsten Jahren stillgelegt werden
oder sind Sie für eine Laufzeitverlängerung?
Gisela Splett (Grüne)
- Kandidatin im Wahlkreis Karlsruhe Ost
Der Atomausstieg muss konsequent weitergehen, u.a. mit der Stilllegung
des Reaktor Philippsburg I im Jahr 2012. Die Risikotechnologie mit ihren
strahlenden Hinterlassenschaften sollte so schnell wie möglich beendet
werden.
Manfred Groh (CDU)
- Kandidat im Wahlkreis Karlsruhe-Ost
Solange der Energiebedarf mittelfristig nicht ohne Kernkraft bedarfsausreichend
und wirtschaftlich gedeckt werden kann, weil z.B. erneuerbare Energien,
Geothermie, Biogasanlagen, Wasserkraft noch nicht umfassend erforscht,
entwickelt und markteingeführt sind, muss über eine Laufzeitverlängerung
von Atomkraftwerken nachgedacht werden. Zudem erscheint eine grundlegende
Auseinandersetzung mit den jeweiligen Zielkonflikten dringend angezeigt,
denn ein Steinkohlekraftwerk würde den CO2 Ausstoß um 50% erhöhen,
was dem Gesamtausstoß des Autoverkehrs entspräche.
Ute Vogt (SPD) -
Kandidatin im Wahlkreis Bretten
Ich bin für den vereinbarten Atomkonsens. Atomkraftwerke müssen
abgeschaltet werden. Wir brauchen nicht noch mehr Atommüll, wir brauchen
mehr erneuerbare Energien.
2. Auf dem Gelände
der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe wird voraussichtlich im nächsten
Jahr die so genannte Atomsuppe verglast. Wie wollen Sie sicher stellen,
dass die Bevölkerung im Landkreis Karlsruhe vor, während und
nach der Verglasung umfassend und zutreffend informiert wird ?
Gisela Splett (Grüne)
Ich habe mich schon als Karlsruher Stadträtin dafür eingesetzt,
dass über die Aktivitäten und Planungen zur Stilllegung und Beseitigung
der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe besser informiert wird (vgl. Antrag
der Grünen Gemeinderatfraktion Karlsruhe vom 13. September 2005) und
will mich auch im Landtag dafür einsetzen, dass die Bevölkerung
in der Region mehr und bessere Informationen erhält.
Manfred Groh (CDU)
Soweit mir bekannt ist, wird über die allgemeine Presse und
die Mitteilungsblätter der umliegenden Gemeinden regelmäßig
über den Fortgang des Verfahrens und der Arbeiten informiert. Verschiedene
Teilgenehmigungen sind bereits veröffentlicht worden. Bekannt ist
auch, dass die Bürgermeister und Gemeinderäte der angrenzenden
Kommunen bei einem Besuch in der Vergalsungseinrichtung sich vor Ort über
den Stand der Arbeiten informiert haben. Im übrigen weise ich darauf
hin, dass das Forschungszentrum zum Tag der offenen Tür am 23.9.06
die Bevölkerung einlädt.
Ute Vogt (SPD)
In der Regierungsverantwortung werden wir die Bevölkerung
selbstverständlich umfassend und zeitnah über alle Schritte der
Verglasung informieren. Als Landtagsfraktion können wir diese Information
leider nicht selbst sicherstellen. Wir haben jedoch im Zuge der Kontrollmöglichkeiten
des Parlamentes darauf geachtet, dass diese Vorgänge transparent stattfinden
und höchste Sicherheitsstandards dabei eingehalten werden.
3. Die Bundesregierung
möchte die Regionalisierungsmittel für den öffentlichen
Nahverkehr drastisch senken. Davon werden viele ÖPNV-Verbindungen
und auch viele Arbeitsplätze betroffen sein. Was werden Sie dagegen
unternehmen ?
Gisela Splett (Grüne)
Ich möchte alle meine politischen Möglichkeiten nutzen,
um die Kürzung der Regionalisierungsmittel zu verhindern bzw. rückgängig
zu machen. Die jetzige Grüne Landtagsfraktion hat das Thema sehr frühzeitig
aufgegriffen, die Folgen für Baden-Württemberg aufgezeigt und
die Landesregierung aufgefordert, öffentlich zu machen, wie sie die
Kürzungen konkret umsetzen will.
Manfred Groh (CDU)
Ich setze mich dafür ein, dass ungeachtet der angespannten
Haushaltssituation auch künftig der hohe Standard des ÖPNV im
Land gesichert und bedarfsgerecht ausgebaut werden kann. Dabei werde ich
besonders darauf achten, dass die Leistungen des Landes für Investitionsvorhaben
des SPNV und ÖPNV aus Mitteln des GVFG, RegG und aus originären
Landesmitteln sowie Komplementärmittel des Landes erhalten bleiben.
Ute Vogt (SPD)
Im Rahmen der Beratungen des Haushaltsbegleitgesetzes des Bundes
standen zuletzt Einsparungen bei den Regionalisierungsmitteln von 2,3 Mrd.
Euro zur Disposition. Den Verkehrspolitikern aus den Ländern und dem
Bund ist es jedoch gelungen, 2006 von jeglichen Kürzungen auszunehmen
und auch die Fördersummen dieses Jahres für 2007 festzuschreiben.
Erst im Laufe des nächsten Jahres wird dann zwischen Bund und Ländern
die planmäßig anstehende Revision der Regionalisierungsmittel
ab dem 1. Januar 2008 zu beraten sein. Dabei werden wir selbstverständlich
auf eine weitere angemessene Ausstattung des ÖPNVs mit Regionalisierungsmitteln
drängen. Zusätzlich haben wir beschlossen, aus den Mehreinnahmen
des Landes in Folge der Steuerrechtsänderungen der Bundesregierung
50 Mio. Euro für die Förderung des Schienen- und Busverkehrs
einzusetzen. Damit sollen für die ÖPNV-Förderung, nach den
jahrelangen Streichungen durch die CDU/FDP-Landesregierung, wieder originäre
Landesmittel zur Verfügung stehen.
4. Erstmals soll
in wenigen Wochen im Kreis Karlsruhe gentechnisch veränderter Mais
angebaut werden. Der BUND, einer der Hauptinitiatoren der "Gentechnikfreien
Region Mittlerer Oberrhein", möchte dies verhindern. Werden Sie
uns bei unseren Bemühungen unterstützen ?
Gisela Splett (Grüne)
Wir Karlsruher Grünen sind Gründungsmitglied der Gentechnikfreien
Region Mittlerer Oberrhein und unterstützen selbstverständlich
die Bemühungen, den Landkreis vom Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen frei zu halten. Für die Kundgebung am 19.03. in Forchheim
habe ich meine Teilnahme zugesagt.
Manfred Groh (CDU)
Richtig ist, dass auf den Versuchsflächen in Rheinstetten
die Aussaat von zugelassenem Insekten-resistenten Mais erfolgen soll. Diese
gentechnisch veränderte Maissorte erfüllt alle Voraussetzungen
aus dem deutschen Gentechnikrecht. Es gibt laut Auskunft der Bundesforschungsanstalt
für Ernährung Karlsruhe keine Indizien für irgendwelche
gesundheitlichen Schäden bei Mensch oder Tier. Mit diesem Forschungsvorhaben
soll geprüft werden, inwieweit Koexistenzen unterschiedlicher Anbauformen
möglich sind. Ich halte diese Forschung für notwendig, weil nach
EU-Recht die Koexistenz, die Haftungsfragen und die Wahlfreiheit zu regeln
sind. Im übrigen weise ich darauf hin, dass der Verzicht auf europaweit
zugelassene GVO eine Entscheidung des Landwirts ist.
Ute Vogt (SPD)
Das habe ich bereits getan. Ich habe mich mehrfach und eindeutig
gegen die Aussaat genmanipulierter Pflanzen ausgesprochen, und den Agrarminister
Herrn Hauk zum Verzicht aufgefordert. Und ich werde mich auch weiterhin
für die gentechnikfreie Landwirtschaft in der Region Mittlerer Oberrhein
und darüber hinaus in ganz Baden-Württemberg einsetzen.
5. Der Flächenverbrauch
in Baden-Württemberg ist trotz der Flaute am Bau immer noch viel zu
hoch. Welche konkreten Maßnahmen werden Sie unterstützen, um
die Natur vor der Versiegelung zu schützen ?
Gisela Splett (Grüne)
Ich habe mich in meinen bisherigen politischen Funktionen (Stadträtin,
Mitglied der Regionalverbandsversammlung u.ä.) in vielen Einzelentscheidungen
für eine Reduzierung des Flächenverbrauchs eingesetzt. Insgesamt
bedarf es zur Eindämmung des Flächenverbrauchs aber einer umfassenden
Strategie, die u.a. eine ökologische Grundsteuerreform und planungsrechtliche
Regelungen wie einen Bedarfsnachweis für neues Bauland umfasst. Die
Einführung handelbarer Flächenzertifikate halte ich für
eine gute Idee.
Manfred Groh (CDU)
Ich unterstütze auf Landes- und Kommunalebene die Schaffung
eines umfassenden Flächenmanagements, mit folgendem Inhalt:
- optimale Nutzung aller Flächen, also
- eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern,
- das ökologische Gleichgewicht erhalten oder wiederherstellen,
- soziale Aspekte einbeziehen und
- vorhandene Potenziale und Zielkonflikte berücksichtigen.
Weiterhin ist die Innenentwicklung vorrangig zu fördern, und der Freiflächenverbrauch
zu minimieren.
Es müssen überall Kataster über ungenutzte Flächen
in Industriegebieten und Kommunen erstellt werden. Anhand dieser muß
darauf hingewirkt werden, daß diese Flächen wieder benutzt werden
und nicht immer neues Baugebiet ausgewiesen wird.
Ute Vogt (SPD)
Unsere Fraktion befasst sich seit Jahren mit diesem wichtigen Problem.
Die Versiegelung ist eines der drängendsten Umweltprobleme überhaupt.
Mit mehreren parlamentarischen Initiativen haben wir bereits versucht,
die Regierung zu Aktivitäten hierzu zu veranlassen. Insbesondere wird
die Herangehensweise dadurch erschwert, dass für eine umfassende Verbesserung
der Situation Bund, Land und Kommune gleichermaßen wichtig sind.
Vom Steuer- bis zum Planungsrecht, vom Bundesbau- oder -bodenschutzgesetz
bis zur kommunalen Planungshoheit spielen viele Faktoren eine Rolle und
müssen zahlreiche Regelungen geändert werden. Ähnlich wie
im Naturschutz ist es in diesem Bereich auch typisch, dass sich alle Akteure
über das Problem einig sind, in konkreten Abwägungsfragen, zum
Beispiel bei Ausweisung eines neuen Gewerbe- oder Wohngebietes, der Aspekt
des Landverbrauches jedoch meist „weggewogen" wird. Das Programm MELAP
der Landesregierung begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich,
wir halten es jedoch für stark unterfinanziert und unzureichend, wenn
man wirklich ein landesweites Umschwenken erreichen will. Angesichts der
kommunalen Planungshoheit ist es dem Land jedoch nur möglich, Anreize
für die bauliche Entwicklung auf Brachflächen und gegen das Bebauen
der grünen Wiese zu schaffen und in den Förderprogrammen zu verankern.
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