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Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Regionalverband Mittlerer Oberrhein
| 25 Jahre BUND-Regionalverband Mittlerer
Oberrhein - 1
Rede von Margareta
Barth, Präsidentin der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg,
bei der Jubiläumsfeier "Zuerst möchte ich dem Geburtstagskind, dem BUND-Regionalverband Mittlerer-Oberrhein meine herzlichen Glückwünsche zu seinem 25-jährigen Jubiläum aussprechen. Auch wir, die Landesanstalt für Umweltschutz, hatten vor nicht allzu langer Zeit Grund zum Feiern. Im Jahr 2000 hatten wir unser 25-jähriges Jubiläum. Und wir sind noch immer stolz darauf, 1975 die erste Umweltbehörde auf Länderebene gewesen zu sein, in der alle Umweltbereiche zusammengefasst wurden. Die Gründung Ihres Regionalverbandes Mittlerer-Oberrhein im Jahr 1978, drei Jahre nach der des BUND Deutschland und der LfU fand in einer Zeit statt, als man noch viele Menschen für den Umweltschutz mobilisieren konnte. In dieser Zeit waren die Umweltprobleme noch mit den Sinnen wahrnehmbar: Sie erinnern sich sicher an Zeiten, in denen man rauchende Schlote mit schwarzen Abgasfahnen sehen und riechen konnte, Schaumberge auf den Flüssen trieben und Fischsterben regelmäßig auftraten. Diese Umweltbelastungen konnte jeder einzelne mit seinen Sinnen wahrnehmen, sie wurden nicht nur von Experten mit hoch komplizierten Messinstrumenten erkannt. Die Ursachen waren überschaubar und von jedem nachzuvollziehen: Fischsterben wurde durch Abwassereinleitung verursacht, Schaumberge durch phosphathaltige Waschmittel und rauchende Schlote waren das Ergebnis fehlender Filteranlagen. Die Umweltprobleme jener Zeit hatten immer einen lokalen Bezug, d.h: es gab immer Bürgerinnen und Bürger, die direkt betroffen waren. Heute gehören diese Umweltprobleme weitgehend der Vergangenheit an: Die Qualität unserer Flüsse hat sich durch den Bau von Kläranlagen deutlich verbessert – Lachse kehren in den Rhein nach BW zurück, die Luftqualität ist durch drastische Emissionsreduzierungen bei Großemittenten, Kraftwerken und Industriefeuerungen besser geworden, rauchende Schlote gehören der Vergangenheit an. Die Schwefeldioxid-Emissionen betrugen 1973 in Baden-Württemberg 330 000 t heute sind wir unter 70. 000 t.- eine Reduzierung um 80 %. 1974 waren 31 % aller Fließgewässer stark belastet, heute sind es noch 3 %. Das heißt aber nicht, dass wir heute keine Umweltprobleme mehr hätten. Die heutigen sind eher global, in der Regel ist ihre Entwicklung schleichend und die Komplexität hat zugenommen. Neben der zunehmenden Verknappung natürlicher Ressourcen und der schleichenden Schadstoffanreicherung in Boden, Wasser, Luft und in der Nahrungskette, ist die sich inzwischen immer deutlicher abzeichnende Veränderung unseres Klimas wohl das bedeutsamste Umweltproblem der Zukunft. Diese Probleme werden aber von den Menschen kaum als direkte Bedrohung erkannt. Es fehlt für viele die unmittelbare Gefahr, die uns zum Handeln antreibt.
Der Klimawandel ist für mache vordergründig sogar positiv – die Toskana in Baden-Württemberg, der zunehmende Ressourcenverbrauch ist in einer Gesellschaft, die auf Konsum ausgerichtet ist, eher positiv und das steigende Artensterben ist für viele, die sich mit Natur nicht beschäftigen, sowieso kein Thema. Wie können wir einen Wandel bei großen Bevölkerungskreisen hin zu einem "nachhaltigen" Verhalten erreichen? In Zukunft wird es neben technischen Lösungen, Emissionsminderung und Minderung des Ressourcenverbrauchs, verstärkt um die Änderung des individuellen Verhaltens gehen. Das ist aber nur erreichbar, wenn es gelingt, die großen Zusammenhänge in den eigenen Erlebnis- und Erfahrensbereich herunter zu brechen. Klar zu machen, dass wir damit, was global geschieht, etwas zu tun haben, dass wir betroffen sind. Wir müssen weg von dem Denken, das die eigene kleine Welt im Zentrum sieht, hin zu einem verantwortungsvollen Handeln und Leben, das eine weltweite nachhaltige Nutzung der Ressourcen sicherstellt, um auch künftigen Generationen eine Lebensgrundlage zu garantieren. Das Ziel ist uns allen vor Augen – leider haben wir noch keine Lösungsansätze, um die anstehenden Umweltprobleme in breite Teile der Öffentlichkeit zu transportieren. Im Gegenteil, das Thema Umwelt verliert immer mehr an Bedeutung. Ich möchte dieses an einem Beispiel erläutern: In der Werbung unterscheiden Kommunikationswissenschaftler zwischen „Lebensstiltypen“. Eine vor kurzem im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführte Untersuchung zur Akzeptanzsteigerung des Naturschutzes ergab die Existenz von 6 „Lebensstilgruppen“. Jede dieser Gruppen zeichnet sich durch gemeinsame Wert- und Normorientierungen, ähnliche Vorlieben und übereinstimmende Präferenzen bei Arbeit und Freizeit aus. Für die Gruppe der „Jungen Materialisten“ – immerhin 5% - ist Naturschutz schlicht und einfach unwichtig. Den „Sportlich Urbanen“ (21%) und den „Unabhängig Flexiblen“ (30%) fallen vor allem zu viele Vorschriften auf, sie stellen ihre Eigeninteressen über den Naturschutz und befürchten eine Schwächung der Wirtschaft. Lediglich die Gruppe der „Älteren Individualisten“ (14%) und der „Aktiven Ruheständler“ (19%) steht noch zur eigenen Verantwortung für die Natur. Daneben gibt es noch die „Sicherheitsorientierten“ (11 %), die primär Naturschutz als Aufgabe des Staates sehen. Ich vermute, dass die meisten von Ihnen noch nicht zu den „Aktiven Ruheständlern“, sondern wahrscheinlich eher zu den „Älteren Individualisten“ zählen, für die es selbstverständlich ist, Verantwortung für die Natur zu tragen, andere Lebewesen zu achten und die Schöpfung zu bewahren. Die Ergebnisse der Untersuchung belegen deutlich, dass besonders die Jüngeren sich nicht mehr oder nur schwer für das Thema „Naturschutz“, und das gilt sicherlich für den gesamten Umweltschutz, aktivieren lassen. Für die Zukunft wird es aber entscheidend sein, ob es uns gelingt, in breitem Maß eine "Kultur der Nachhaltigkeit" zu etablieren. Das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung ist in der heutigen Zeit des Bevölkerungswachstums, der Globalisierung und zunehmender Mobilität die einzige dauerhafte Überlebensstrategie für die Menschen und für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Für globale Probleme wie Klimawandel oder Ressourcenverbrauch müssen regional praktikable Lösungen diskutiert und diese vor Ort lokal umgesetzt werden. Die Qualität unserer natürlichen Lebensgrundlagen wie die Güte der Luft, des Wassers, des Bodens, sowie der Erlebnisreichtum von Natur und Landschaft bestimmen sowohl das Maß an Lebensqualität wie auch die Konkurrenzkraft des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. Die Qualität des Wirtschaftsstandorts misst sich nicht daran, wie viel Hektar Land jeden Tag verbraucht werden, - das verkennen manche Gemeinden - vielmehr ist der sparsame Umgang mit dem Boden eine Grundlage dafür, dass künftige Generationen auch noch ein Entwicklungspotenzial haben. Deshalb müssen wir die endliche Ressource Boden schützen. Wir haben als LfU für die Kommunen ein Flächenressourcenmanagement erarbeitet, das sie in die Lage versetzen soll, Innenentwicklung vor Außenentwicklung zu betreiben, also nicht den geringsten Weg des Widerstands zu gehen und bei Neuansiedlungen nur die grüne Wiese zu beplanen, sondern Industriebrachen und stillgelegte Gewerbeflächen, ja Altlasten in Angriff zu nehmen. Die privaten Umweltverbände haben in den letzten Jahrzehnten einen großen Beitrag zur Lösung von Umweltproblemen geleistet. Sie haben sehr deutlich und akzentuiert auf Umweltprobleme hingewiesen – den Finger in die Wunde gelegt. Aber nicht nur das, sie haben auch durch praktische Arbeit einen immensen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt geleistet. Betrachtet man die Aktivitäten des BUND-Regionalverbandes Mittlerer-Oberrhein, erkennt man in vielen Bereichen, dass die aufgegriffenen Themen die gleichen sind, die auch wir in der LfU als vorrangig ansehen: Flächenverbrauch, Natur- und Artenschutz und nachhaltige Entwicklung in allen Lebensbereichen. Bei der Betrachtung Ihrer Aktivitäten ist mir aber auch aufgefallen, dass Sie einen erheblicher Anteil Ihrer Kapazitäten auf die Kinder- und Jugendarbeit lenken. Ich halte dies für außerordentlich wichtig, denn die heutigen Kinder und Jugendlichen sind die Verbraucher von morgen. Es ist wichtig, bereits bei Kindern ein Gefühl für Umwelt und Natur zu verankern. Die anstehenden Umweltprobleme können wie nur lösen, wenn wir eine Änderung unseres Verhaltens erreichen. Nicht zurück in die Steinzeit, kann das Motto sein, aber Nutzung neuer technischer Entwicklungen- wie zB der Russfilter für Dieselmotoren – oder Veränderung des Einkaufs- und Konsumverhaltens – wie regionale Qualität vor Masse, die vielleicht noch auf Kosten der Menschen in der 3. Welt produziert wird. Der staatliche Umweltschutz kann diese Ziele allein nicht erreichen. Per Verordnung verändern wir keinen Menschen. Wir brauchen, wie bisher schon, den privaten Umweltschutz, als Frühwarner, als Partner, als Ideengeber und als Vermittler von komplexen Zusammenhängen. Nicht zu vergessen, wir benötigen Sie als Lobby – in schwierigen Zeiten, in denen Sparen angesagt ist. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, dass es Ihnen gelingt, die anstehenden Probleme zu meistern und ich wünschen uns allen, dass wir den Kurs des Dampfers Umwelt auf eine nachhaltige Entwicklung auszurichten – zu unserem Nutzen und zum Nutzen künftiger Generationen." Landesanstalt
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