Wenig Geld, viel Engagement
Die Wälder der Erde sind eine „Schlüsselressource" der Menschheit und die komplexesten Ökosysteme. Komplex sind auch die Themen des AK Wald. In Mitteleuropa wären von Natur aus 85 Prozent der Fläche bewaldet. 90 Prozent der 30 000 Arten gehören eigentlich zu Waldlebensgemeinschaften. Holz war unser erster Bau-, Werk- und Brennstoff, und es ist noch heute in der Ökobilanz allen Substituten (Plastik, Aluminium) weit überlegen. Ohne Schutzwald wären Gebirge weder bewohn- noch passierbar, Hochwässer häufiger und höher, das Klima rauer, Erholungsmöglichkeiten geringer.
Nur noch zehn Prozent der ursprünglichen Waldfläche der Welt aber sind heute noch in natürlichem Zustand. Der Wald wird von politischer Seite her vor allem als Bebauungs- und Industrialisierungshindernis gesehen, mit Abgasen vergiftet, dem Vergnügen von Hobbyjägern geopfert und weltweit mit einem Tempo von etwa einem Hektar pro Sekunde vernichtet. Die deutschen Holzpreise decken oft kaum die Erntekosten, und die deutsche Forstwirtschaft wäre ohne Subventionen fast überall defizitär, weil auch Holzimporte und Holzsubstitute subventioniert werden.
Die offizielle Forstpolitik war nie in der Lage, diesen Zustand aus eigener Kraft zu ändern. Deshalb kämpft der BN/BUND seit seiner Gründung 1913 für den Wald. Seit den 70er Jahren ging es dem Wald immer schlechter (Waldsterben, Tropenwaldvernichtung), der politische Druck auf verantwortungsbewusste Förster stieg. Der BUND begann Facharbeitskreise zu gründen. So entstand auch der AK Wald, mit dem Autor als Sprecher, dem Schwarzwaldförster Walter Trefz als Stellvertreter und dem Wirtschaftsgeograph Klemens Laschefski als Ansprechpartner für Tropenwaldfragen.
Unterschiedlichste Interessen und Akteure gruppieren sich um den Wald. Sie reichen vom Schutz der Biodiversität bis zur Existenzsicherung indigener Völker; vom finanziell interessierten Waldbesitzer bis zum Erholung suchenden Bürger; vom Staatsforstbetrieb mit 8500 km2 bis zum Kleinbauern mit 500 Bäumen; vom Industrie-Exporteur BRD bis zum Holzexporteur Gabun; vom Strom- und Chemiekonzern bis zum Zweckverband Waldkindergarten.
Die Suche nach gangbaren Wegen in einem derart komplexen Themenfeld kann nur erfolgreich sein in einem echten Team, das diese waldpolitische Vielfalt widerspiegelt. Die Mitglieder des AK, derzeit eine „handverlesene" Auswahl von 32 Forstprofessoren, Förstern, Biologen, Ökologen, Bodenkundlern und Geographen, müssen einander vertrauen, damit Diskussionen fruchtbar verlaufen. Wichtig ist uns, dabei jeden BUND-Landesverband, die wichtigsten „Nachbar- AKs", Partnerverbände und Gewerkschaften einzubinden. Wer sind die Mitglieder? Leute mit wenig Geld, aber starkem forstpolitischem Engagement, die in jede Richtung denken und ihre Ergebnisse ebenso konsequent auch wieder in Frage stellen.
Wir treffen uns in der Regel viermal jährlich zu gemeinsamen Arbeitssitzungen. Neben den gemeinsamen Diskussionen sind lehrreiche und motivierende Exkursionen ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.
Die Sacharbeit des AK teilt sich in vier Themenbereiche:
- Die fachliche Beratung des Bundesvorstandes des BUND zu allen forstpolitischen Fragen entsprechend der Satzung des BUND.
- Die Umsetzung des BUNDWaldprogramms „Wald für die Zukunft", von der „herkömmlichen Forstwirtschaft" zur „ökologischen Waldnutzung". Dies geschieht über viele Veranstaltungen und Publikationen sowie den Einsatz für die Zertifizierungssysteme FSC und NATURLAND ®, an deren Entstehung wir wesentlichen Anteil haben.
- Das Thema Waldsterben, tief mit der Industrialisierung und Mobilisierung der Gesellschaft verflochten, ist so komplex, dass es unsere Möglichkeiten eigentlich überfordert. Hierzu liefert kaum jemand sonst noch nennenswerte politische Anstöße, weil dies nach 20 Jahren mit einem Negativthema schwierig und unerfreulich ist.
- Das waldpolitische Tagesgeschäft, mit einer stetigen Abfolge von Gremiumssitzungen, Podiumsdiskussionen, Presse- und sonstigen Auskünften, Leserbriefen und Recherchen.
Kontakt
Arbeitskreissprecher: Lázló Máraz
Stellvertretender Arbeitskreissprecher: Dr. Helmut Klein