Vom "Schadstoff des Monat" zur Produktkette
PBC, Dioxin, Bhopal, Seveso – diese Begriffe haben die chemiepolitische Debatte bis in die 80er Jahre geprägt. Trotz neuer Gesetze und eines besseren Umweltmanagements in der Industrie: Die Gefahr durch Chemikalien ist nicht gebannt, sondern heute nur weniger sichtbar: Schadstoffe gelangen noch immer in großen Mengen in die Ökosysteme, besonders über ihre weit verbreitete Verwendung in Konsumprodukten. Viele reichern sich in Organismen an – mit diversen schädlichen Auswirkungen, die wegen der Komplexität des Systems wissenschaftlich häufig nicht mehr zu erfassen sind. Wer effektive Lösungen finden will, muss sich heute mit der gesamten Produktkette auseinandersetzen.
Gesetzgebung mitgestalten ...
Gesetze werden heute zunehmend auf europäischer Ebene gemacht. Der Arbeitskreis "UTox" beteiligt sich mit fachlichen Stellungnahmen und trägt die Diskussion in die Öffentlichkeit – in enger Kooperation mit dem Koordinationsbüro der europäischen Umweltverbände (EEB) in Brüssel und unseren "Friends-of-the-Earth"-Partnern in anderen Ländern. Für einzelne Bereiche, wie den Kunststoff- oder Textil-Sektor, erarbeiten wir auch eigenständige Positionen. Die Diskussion um die Chlorchemie in den 90er Jahren gestaltete der Arbeitskreis entscheidend mit. Und mehrere AK-Mitglieder haben an der stoffpolitischen Enquete-Kommission des deutschen Bundestages mitgewirkt.
... und die Industrie einbeziehen
Der Staat alleine kann keinen effektiven Schutz vor gefährlichen Chemikalien gewährleisten: Stoffströme sind global und komplex, die Gesetzgebung stößt schnell an ihre Grenzen und dauert zu lange, Vollzugsbehörden sind überfordert. Daher arbeitet der Arbeitskreis eng mit innovativen Weiterverarbeitern von Chemikalien zusammen, um direkt auf die internationalen Wertschöpfungsketten einzuwirken. Federführend umgesetzt wurde dies in den letzten Jahren für Textilien.
Interdisziplinäre Experten
Für seine Aufgaben kann der Arbeitskreis auf ein breites Netzwerk von Experten zurückgreifen. Dazu zählen Chemiker, Biologen, Toxikologen, Betriebswirte, Ingenieure, Juristen und Journalisten sowie engagierte BUND-Mitglieder, die sich beispielsweise als Ehrenamtliche im Rahmen von Genehmigungsverfahren ein umfassendes Wissen angeeignet haben. Durch ihre Tätigkeit in Universitäten, Behörden und Unternehmen können zahlreiche Informationen und Kontakte einbezogen werden. So haben etwa Henning Friege, Karl-Otto Henseling und Frank Claus die chemiepolitische Debatte in Deutschland seit 1980 entscheidend mitgeprägt.
Vorsorge und internationale Vernetzung
Zur Zeit wird an einer neuen, vorsorgenden EU-Chemikalienverordnung gearbeitet, mit der alle Substanzen vor ihrer Markteinführung registriert und bewertet werden sollen. Gefährliche Chemikalien sind dann nur noch für eingeschränkte Anwendungen zugelassen. Der AK UTox treibt in einem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt – und zusammen mit anderen Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutzverbänden – diese Reform aktiv voran. Wir werden die Ausarbeitung des Gesetzestextes, den Dialog mit der Industrie und die Information der Öffentlichkeit intensiv begleitet.
Um die Vernetzung, auch international, auf noch bessere Beine zu stellen, betreibt der Arbeitskreis seit Sommer 2003 eine interaktive Internetplattform. Über diese können Dokumente, Positionen und Wissen ausgetauscht, gemeinsame Positionen entwickelt und die Zusammenarbeit noch effektiver gestaltet werden.
Kontakt
Arbeitskreissprecher: Prof. Dr. Uwe Schneidewind
1. Stellvertretender Arbeitskreissprecher: Dr. Dieter Cohors-Fresenborg
2. Stellvertretender Arbeitskreissprecher: Prof. Hartwig Muhle