Konzepte für die Zukunft
Als der BUND 1976 aus der Taufe gehoben wurde, war für die Gründer selbstverständlich, dass sich Umwelt- und Naturschutz auf gleicher Augenhöhe begegnen und ergänzen. Allerdings wies der BUND Umweltaspekten eine zentrale Rolle für die Gestaltung und Erhaltung unseres natürlichen Umfeldes zu. Daneben besaß der Naturschutz für die BUND-Landesverbände und die Arbeit der Kreis- und Ortsgruppen schon immer größte Bedeutung. Der Arbeitskreis "Arten- und Biotopschutz" – seit 1997: "Naturschutz" – besetzte also eine zentrale, doch zuweilen unterschiedlich bewertete Position im Verband. Vor Zielkonflikten zwischen Umwelt- und Naturschützern ist der BUND nicht gefeit, man denke nur an die Diskussion um Windkraft oder Kleinwasserkraftwerke. Die wissenschaftliche Ökologie als Bezugsgröße hinkt leider oft der aktuellen Entwicklung hinterher und wird an den Hochschulen zudem immer weiter zurückgefahren.
Der AK Naturschutz hat derzeit etwa 25 Mitglieder aus allen Bereichen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, den harten Kern bilden 15 engagierte Fachleute. Wir werben um Mitarbeit aus möglichst allen Bundesländern, vor allem im noch schwach vertretenen Osten. Auf vierteljährlichen Sitzungen behandeln wir neben aktuellen Themen meist einen Schwerpunkt. Exkursionen vor Ort – etwa zur Schafhaltung in der Rhön –ergänzen die Theorie. Andere Ziele waren die Nationalparke Bayerischer Wald und Eifel oder der wertvolle Buchenwald "Hohe Schrecke" in Thüringen. Bietet es sich thematisch an, tagt der AK gemeinsam mit anderen Arbeitskreisen, etwa dem AK Wald.
In den ersten Jahren standen Artenschutzprojekte im Vordergrund unserer Arbeit. So setzte sich der AK für den Schutz von Schmetterlingen und Amphibien genauso ein wie für den Aufbau einer Rhönschafherde samt Ankauf von 30 Hektar Weidefläche. Später wandte sich der AK grundlegenderen Fragen des modernen Naturschutzes zu. Dies äußerte sich z.B. in der BUNDPosition "Naturschutzpolitik: eine gesellschaftspolitische Aufgabe" (1989, inkl. Aktionsprogramm). Im Rahmen eines Seminars der Akademie Bad Boll fragten wir 1999: "Naturschutz, quo vadis?". Mit dem Leitantrag "Naturschutz 2000" und dem Wettbewerb "Zukunftsfähiger Naturschutz" entwickelte der AK zur Jahrtausendwende neue tragfähige Konzepte für den BUND. Daraus ging das "Wildniskonzept" hervor, flankiert von umfangreichem Begleitmaterial. Ausgiebige Diskussionen gab es über die BUND-Position "Naturnahe Beweidungssysteme".
Doch Mitglieder des Arbeitskreises sind weiter auch praktisch aktiv. So macht sich Klaus Döring um den Schutz der Wanderfalken verdient, Susanne Salinger um den Schutz des Mauerseglers. Auch die politische Arbeit trug Früchte: Ein großer Erfolg war dem Arbeitskreis mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (2002) beschieden, unterstützt durch die wertvolle Lobbyarbeit des BUND-Bundesverbandes in Berlin. Nach der schwierigen Novellierung des Bundesjagd- und Bundeswaldgesetzes hoffen wir ein ähnlich positives Fazit ziehen zu können.
Zu den künftigen Aufgaben des Arbeitskreises gehört es, eine neue Naturschutz-Position auf den Grundlagen der Biodiversitätskonvention von Rio zu erarbeiten. Wer sich hier fachlich einbringen möchte, ist herzlich zur Mitarbeit eingeladen.
Kontakt
Arbeitskreissprecher: Professor Dr. Gerhard Kneitz, Hans-Gebhardtstr. 40, 97280 Remlingen, Tel: 0 93 69 / 139
Stellvertretende Arbeitskreissprecher: Astrid Kreisel-Fonck und Dr. Kai-Uwe Frobel