Im Oktober 2008 wollte die Deutsche Bahn 24,9% ihrer Verkehrs- und Logistiksparte an die Börse bringen. Im Mai 2008 hatte der Bundestag diese Teilprivatisierung beschlossen. Aufgrund der Finanzkrise wurde der Börsengang jedoch verschoben. Dennoch betonte Finanzminister Peer Steinbrück noch Ende 2008, der Börsengang an sich stehe nicht in Frage.
Nach dem Rücktritt des Bahnchefs Hartmut Mehdorn Ende März 2009 bleibt die Zukunft des Börsengangs unklar. Der neue Chef, Rüdiger Grube, hat bereits angekündigt, an einer Teilprivatisierung festzuhalten. Und auch die CDU betonte, das "aufgeschoben nicht aufgehoben" bedeutet.
Der BUND wird sich zusammen mit 15 Organisationen weiterhin im Bündnis „Bahn für Alle“ für eine bessere Bahn und gegen den Börsengang einsetzen. Denn eines ist sicher: Mit einer Privatisierung würde sich der Netzabbau fortsetzen. Seit 1993 wurde das Schienennetz bereits um rund 7.000 km abgebaut.
Mit jeder Kapitalprivatisierung würde die Bundesregierung Einfluss auf Netzinfrastruktur und Bahnverkehr verlieren. Die privaten Investoren vertreten ihre eigenen Interessen, die zu einem Desaster führen können. Dies haben die Privatisierungen in Großbritannien (Pleite der privaten Infrastrukturgesellschaft) oder Litauen (teure Rückverstaatlichung der Bahn) gezeigt.