BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Klimaschutz: Deutsche Autos müssen abspecken

Spritfresser (amerik. "Hummer") in Berlin
Klimahammer: Spritfresser (amerik. "Hummer") in Berlin

Brüskiert gibt sich die Automobilindustrie angesichts der Pläne, die zurzeit in der EU zur Senkung des Spritverbrauchs geschmiedet werden. Von einem „Vernichtungsfeldzug gegen die deutsche Autoindustrie“ sprechen Lobbyisten. Dabei war abzusehen, dass sich etwas ändern muss. Denn bereits 1998 versprach die europäische Autoindustrie, die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Pkw zu reduzieren. Passiert ist seitdem wenig. Besonders deutsche Hersteller hinken hinterher.


Autos müssen abspecken

Da die Hersteller freiwillig ihr Versprechen nicht eingehalten haben, wird auf EU-Ebene nun ein System von CO2-Grenzwerten und Strafzahlungen ausgetüftelt. Der BUND hat jedoch ausgerechnet, dass der vorliegende EU-Kommissionsvorschlag nicht ausreichen wird, den von der EU angestrebten durchschnittlichen Grenzwert von 120 Gramm CO2 pro Kilometer für die Pkw-Flotte in Europa einzuhalten. Nur wenn das Gewicht von Neuwagen reduziert wird, kann auch der Spritverbrauch drastisch gesenkt werden. Für die Gewichtsreduzierung fehlen jedoch bisher wirksame Anreize.


BUND legt Konzept vor

Der BUND hat nun ein eigenes Konzept vorgelegt, wie die CO2-Emissionen des europäischen Autoverkehrs merklich gesenkt werden können: Hersteller schwerer und luxuriöser Fahrzeuge sollen ab 2012 hohe Strafen zahlen, wenn ihre Wagen mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen - für jedes Gramm mehr wären 150 Euro fällig. Bis 2012 soll die Grenze auf 120, bis 2020 auf 80 Gramm pro Kilometer abgesenkt werden. Ohne diese substanziellen Änderungen am Vorschlag der Kommission würden die Pkw keinen ausreichenden Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele bis 2030 leisten. Mit dem eingenommenen Geld sollte die EU gezielt die Entwicklung und den Kauf besonders sparsamer Autos und den Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel fördern.


Bundesregierung ist Lobbyistin der Autoindustrie

Besonders skeptisch sieht der BUND die Rolle der Bundesregierung bei den Verhandlungen auf EU-Ebene. Das stufenweise Modell, für das sich Merkel und Sarkozy im Juni 2008 aussprachen, ähnelt auffallend einem Vorschlag der deutschen Automobillobby und setzt eine Schonfrist für alle "Spritfresserproduzenten".  Es verwässert den ohnehin schon laschen Vorschlag der EU-Kommission noch mehr. Die Bundesregierung verhindert auf diese Weise die wirksamste Methode zur Senkung des Spritverbrauchs, nämlich das Downsizing und die stufenweise Reduzierung des Fahrzeuggewichts. 

Vor allem Mercedes, Audi und BMW sind jetzt an der Reihe,  die CO2-Emissionen ihrer Neuwagen zu mindern. Derzeit stoßen ihre Fahrzeuge durchschnittlich 180 Gramm CO2 und mehr pro gefahrenem Kilometer aus.

 

BUND-Studie zu CO2-Grenzwerten für Pkw

Technische Einsparpotentiale längst vorhanden

Natürlich haben die Autohersteller auch sparsame und klimaverträgliche Kleinwagen im Sortiment, schließlich ist die Technik für eine CO2-Reduzierung seit langem vorhanden. So emittiert der Smart von Daimler 95 Gramm CO2 pro Kilometer, der Polo Blue Motion emittiert 104 Gramm CO2 je Kilometer. Audi und VW dagegen haben die Produktion ihrer sparsamsten Modelle (Audi A2 und VW Lupo, beide 3 Liter-Autos) 2005 wieder eingestellt.

Langfristig könnten 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bis 2020 eingespart und dadurch der CO2-Ausstoß der gesamten Pkw-Flotte halbiert werden. Dies kann zum Beispiel mittels technischer Maßnahmen geschehen (z.B. Einsatz von leistungsschwächeren Motoren und leichteren Fahrzeugen, Reduzierung von Reibungsverlusten und Rollwiderstand, Hybrid-Antriebe).

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/verkehr/autoverkehr/co2grenzwerte/