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März 2009: Rasenmäher mit Charme – Exmoor-Ponys in der Goitzsche

Über tausend Hektar Wald, Offenland und Wasserflächen hat die BUND-Stiftung in der Goitzsche, einem ehemaligen Braunkohletagebau bei Bitterfeld gekauft. Schon seit Mitte der 90er Jahre darf sich dieses Gebiet zu einer "Wildnis aus zweiter Hand" entwickeln. An die BUND-Flächen grenzt eine etwa sieben Hektar große Fläche, die die Bergbau-Sanierer als Wirtschaftsgrünland hergerichtet haben. Die BUND-Kreisgruppe Bitterfeld hat diese Fläche gepachtet, um eine intensive landwirtschaftliche Nutzung dieses Gebietes zu verhindern, denn damit wäre es mit der Ungestörtheit der angrenzenden Wildnisflächen vorbei gewesen.

Exmoor-Pony mit Fohlen in der Goitzsche, Foto: H. Heidecke

Wie aber kann das Offenland, das für stark bedrohte Arten und Lebensgemeinschaften existentiell ist, bewahrt werden? Am besten, so dachten die BUNDler, mit robusten vierbeinigen Rasenmähern.

Also zäunten die Ehrenamtlichen das Areal ein, bauten, da es noch keine schattenspendenden Bäume gibt, einen Unterstand, und dann kamen sie – die wuscheligen neuen Mitarbeiter: fünf echte Exmoor-Ponys. Und so ist die Goitzsche mit der kleinen Ponyherde seit Herbst 2006 um eine Attraktion reicher.

Exmoor-Ponyhengst in der Goitzsche, Foto: H. Heidecke
Der keine Hengst wurde am 2. April 2009 geboren.

Inzwischen hat sich schon zum zweiten Mal Nachwuchs eingestellt, am 2. April 2009, wurde wieder ein kleiner Hengst geboren. Mit ihm weiden nun eine Stute, ein Hengst und vier Wallache im Kerngebiet des ehemaligen Tagebaus und sorgen dafür, dass das Offenland und somit der Strukturreichtum in der Goitzsche erhalten bleiben.

Bildergalerie zum kleinen Hengst

Für die Ponys konnten auch Paten gewonnen werden: Regionale Wirtschaftsunternehmen und Honoratioren beteiligen sich an der Flächenpacht, an den Kosten für die Elektrozäune und für den Tierarzt.

Die Exmoor- Ponys bleiben das ganze Jahr über auf der Weide, denn es sind keine ausgewilderten Hauspferde, sondern echte Wildpferde, die sich im Südwesten Englands seit Jahrhunderten ohne menschliches Zutun vermehren. Dort leben sie in einer sehr hügligen, landwirtschaftlich nur schwer nutzbaren Landschaft, in der Ginster, Heide und Büsche vorherrschen.

Exmoor-Ponys, Foto: H. Heidecke

Exmoor-Ponys sind optimal an ein raues Klima angepasst: Die kräftigen Kiefer erlauben große Zähne, die sehr tief und somit fest verwurzelt sind. Dadurch können sich die Ponys auch von sehr harter und grober Vegetation ernähren. Die Tiere haben einen kräftigen Rücken sowie eine runde, muskulöse Hinterhand und können so auch extrem steile Hänge erklimmen und wieder hinunterrutschen. In ihrer Heimat rutschen sie tatsächlich auf dem Hinterteil die steilen Hügel hinunter!

Die zwei Schichten des Winterfells sorgen dafür, dass sich die Ponys nie unterkühlen, egal bei welcher Witterung. Die untere Schicht ist sehr dicht und lässt die Wärme nicht nach außen dringen. Sie ist außerdem sehr fettig und somit wasserabweisend. Das Deckhaar leitet den Regen ab. Selbst Schnee kann den Ponys nichts anhaben, denn ihr Fell lässt so wenig Wärme durch, dass der Schnee ohne zu schmelzen auf dem Deckhaar liegenbleibt und nicht in die untere Schicht gelangt.

Exmoor-Ponys in der Goitzsche werden gefüttert und getränkt.
Jeden Tag kontrolliert ein Freiwilliger, ob es den Ponys gut geht und ob der Elektrozaun funktioniert. Außerdem muss für frisches Wasser an der Tränke gesorgt werden, da es auf der Koppel keinen natürlichen Wasserzulauf gibt.

Der Januar 2009 brachte mit viel Schnee und Kälte für die BUND-Aktiven eine doppelte Herausforderung: Die Koppel der Herde liegt mitten in der Goitzsche, und so mussten die Helfer und Helferinnen jeden Tag erst einmal fünf Kilometer durch Schnee und Eis stapfen. Damit der Hahn des Wassercontainers nicht einfriert und die Ponys genug zu trinken bekommen, waren dann allerlei Tricks gefragt. Zwar ist der Container gut eingepackt und hält auch einigen Minusgraden stand, aber bei diesem Dauerfrost mussten die Aktiven mit Petroleumlampe oder Grablichtern im verpackten Container noch ein wenig heizen.

Tagaus, tagein müssen die Ponys betreut werden, was die Bitterfelder BUND-Gruppe immer wieder von Neuem herausfordert, denn immerhin sind inzwischen fünfzehn Pony-Freiwillige zu koordinieren. 

Auf Anfrage bieten die BUND-Aktiven ab einer Gruppengröße von sechs Personen naturkundliche Führungen verschiedener Art durch die Goitzsche und zu den Wildpferden an. Das Angebot gilt auch für Schulklassen. Weitere feste Termine finden Sie auf der Homepage des Wildnis-Projekts www.goitzsche-wildnis.de.


Kontakt:

BUND-Kreisgruppe Bitterfeld
Heidrun Heidecke
Tel. 01 76 / 77 08 79 06 von 10 bis 18 Uhr
E-Mail  bund-goitzsche@web.de

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