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Oktober 2008: Sichere Stube für wilde Kinder – Wildkatzenhöhlen im Rhein-Pfalz-Kreis

Sie hat scharfe Krallen und spitze Zähne – doch wenn es um ihre Jungtiere geht, benötigt Mama Wildkatze einen sicheren Ort. Nicht nur für die Geburt, sondern auch für die ersten Lebenswochen der Kleinen. Denn diese kommen wie Hauskatzenkinder blind und hilflos zur Welt und entwickeln sich erst im Laufe der Zeit zu kleinen wehrhaften "Tigern". Bis dahin können ihnen selbst die allesfressenden Wildschweine gefährlich werden.

Wildkatzenkinder mit Wildkatzenmutter, Foto: Th. Stephan


In unseren bewirtschafteten Wäldern sind solch sichere Plätze – natürliche, große Höhlen in entsprechend alten Bäumen jedoch äußerst rar oder kommen gar nicht vor. BUND-Aktive aus dem Rhein-Pfalz-Kreis haben jedoch eine pfiffige Lösung gefunden, die sie gemeinsam mit dem örtlichen Jagdteam zum Wohl der wilden Samtpfoten im Schifferstadter Wald umsetzen: Wurfkisten für Wildkatzenmütter.

Gorch Peter Nolte, Leiter des Jagdteams des Stadtwaldes, hat bereits 2007 die ersten Wildkatzen im Schifferstadter Wald gesehen. Mittlerweile ist sicher, dass das seltene Tier in dem forstlich genutzten Gebiet vorkommt, welches sich bei Neustadt über 20 Kilometer erstreckt, beginnend an der Weinstraße bis fast in das Auengebiet des Rheins. Ohne Berührungsängste wurden BUND-Aktive gemeinsam mit dem Jagdteam aktiv, um den Wildkatzenbestand zu fördern. So unterstützen sie die Ansiedelung der scheuen Jäger durch Wurfkästen und untersuchen ihre noch nicht genau bezifferte Populationsgröße mit Hilfe selbstauslösender Kameras.

Initiator des Wurfkasten-Projekts Wolfgang Kluger vom BUND Rhein-Pfalz-Kreis und Heinz Beimer vom Jagdteam des Schifferstadter Waldes. Foto: BUND Rhein-Pfalz-Kreis
Initiator des Wurfkasten-Projekts Wolfgang Kluger vom BUND Rhein-Pfalz-Kreis und Heinz Beimer vom Jagdteam des Schifferstadter Waldes.
Kaum noch sichtbar: Ein Wurfkasten am Aufstellort. Foto: BUND Rhein-Pfalz-Kreis
Kaum noch sichtbar: Ein Wurfkasten am Aufstellort.
BUND-Aktive Renate Klingert beim Aufhängen einer selbstauslösenden Kamera. Foto: BUND Rhein-Pfalz-Kreis
BUND-Aktive Renate Klingert beim Aufhängen einer selbstauslösenden Kamera.

Im Mai 2008 stellten BUND-Aktive und Jäger, begleitet von intensiver Öffentlichkeitsarbeit, die ersten Wurfkisten im Wald auf. Die Kisten müssen in angemessener Entfernung vom Erdboden und gut versteckt installiert werden. Nur dann sind sie sicher vor Wildschweinen und haben eine Chance, von den Wildkatzen angenommen zu werden. "Wildkatzen sind allgemein sehr scheu und verstecken sich", so der BUND-Aktive Wolfgang Kluger. Daher komme es selten vor, dass Spaziergänger die Tiere tatsächlich zu Gesicht bekämen.

Info-Stand des BUND beim Wildkatzenfest in Kandel. Foto: BUND Rheinland-Pfalz
Info-Stand des BUND beim Wildkatzenfest in Kandel.

Das öffentliche Interesse am Projekt ist groß, und die Resonanz durchweg positiv. Dies kommt sicherlich einem weiteren, zentralen Anliegen der Wildkatzen-Schützer zugute: der Vernetzung von Lebensräumen zur Förderung des Bestandes der samtpfotigen Jäger, aber auch anderer seltener Tier- und Pflanzenarten des Waldes. So setzen sich die BUND-Engagierten Seite an Seite mit den Jägern für Grünbrücken an A61 und B9 sowie die Verbindung von Waldgebieten durch sogenannte Trittsteine ein. Hierfür sollen kleine landwirtschaftliche Flächen zwischen den Waldgebieten gekauft oder gepachtet und in geeignete Grün-Inseln umgewandelt werden. Die Aktivitäten der Rhein-Pfalz-Kreisgruppe sind somit Teil des großen bundesweiten BUND-Projektes "Rettungsnetz Wildkatze".

"Die Hälfte der deutschen Wildkatzen lebt in Rheinland-Pfalz", erklärt die BUND-Kreisvorsitzende Doris Stubenrauch, "deshalb haben wir eine besondere Verantwortung, Lebensräume für die Wildkatze zu erhalten".

Kontakt:
BUND Rhein-Pfalz-Kreis 
Wolfgang Kluger
Tel. 0 62 36 / 8 84 36
Rhein-Pfalz-Kreis@bund-rlp.de



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