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Juni 2008: Hohes Gras für dicke Bäuche – Wanstschreckenschutz in Thüringen

Eine saftige Wiese im August, mit langen Grashalmen und bunten Wildkräutern. Ein lautes Sirren ist zu hören. Es steigert sich langsam, geht in eine Folge von Zick-Zack-Lauten über und verklingt am Ende wie ein abgewürgter Automotor. Das eigentümliche Geräusch kommt von den Gräsern her und wiederholt sich in immer gleicher Weise. Es ist der Gesang eines Wanstschrecken-Männchens. Mit diesem Konzert versuchen die Männchen zur Paarungszeit Weibchen anzulocken. Der in fünf Phasen gegliederte Gesang gehört zu den eindrucksvollsten und lautesten Gesängen heimischer Heuschrecken. Wer ihn einmal gehört hat, erkennt ihn immer wieder.

Wanstschrecke auf Hand sitzend, Foto: K. Kowol
Die Wanstschrecke gehört zur Familie der Laubheuschrecken.

Mit imposanten Sprüngen oder gar Flügen kann die dickbauchige Wanstschrecke hingegen nicht punkten. Die begnadete Sängerin mit dem großen Sattelschild und der breiten Stirn ist aufgrund ihrer Flügelstummel flugunfähig und bewegt sich nur langsam und behäbig fort. Bei Gefahr bleibt sie im Gegensatz zu vielen anderen Heuschrecken ruhig sitzen oder lässt sich fallen. Aber sie ist gut getarnt: Mit ihrer leuchtend grünen Farbe mit gelben und schwarzen Einsprengseln ist die Wanstschrecke optisch perfekt an frische, krautreiche Wiesen angepasst.

Gut getarnte Wanstschrecke auf Gras sitzend. Foto: K. Kowol
Die Wanstschrecke ist optisch perfekt an ihren Lebensraum angepasst.

Doch die Lebensräume der Wanstschrecke –  Wiesen mit langen Grashalmen und ihren Lieblingskräutern Wiesenknopf, Storchschnabel oder Klappertopf –  sind zur Paarungszeit häufig bereits abgemäht. Ein Problem für die Wanstschrecke, die aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität in zerschnittener Landschaft keine Möglichkeit hat, kurzerhand in einen anderen Lebensraum zu wechseln.

Die Wanstschrecke ist in Deutschland heute als stark gefährdet eingestuft. In Thüringen galt sie bereits als ausgestorben, bis sie nach der Wende zwischen Rhön und Grabfeld im Grünen Band und dessen Umgebung wiedergefunden wurde. Hier haben sich Altgrasbestände gehalten. Doch seit dem Abbau der Grenzanlagen werden auch die Flächen am Grünen Band intensiver genutzt. Soll die Wanstschrecke hier nicht verschwinden, muss ihr Lebensraum geschützt werden.

Willi Wanstschrecke mit Freundin Wanda.
Willi Wanstschrecke mit Freundin Wanda.

Der BUND Thüringen hat 2003 das Projekt "Willi Wanstschrecke will ins Grüne Band" ins Leben gerufen. Er kaufte eine zehn Hektar große Fläche, die sogleich stillgelegt wurde. BUND-Aktive erfassten den Bestand und entwickelten ein Maßnahmenkonzept. Viele Ehrenamtliche engagieren sich für die Wanstschrecke. Schüler der Regelschule Römhild kümmern sich seit Jahren um Erfassung und helfen bei der Pflege der Fläche.

Mit Willi Wanstschrecke soll vor Ort und anderswo die Akzeptanz für den Schutz weniger bekannter Arten steigen. Inzwischen ist Willi sehr beliebt geworden. Jeder, der das Maskottchen gesehen hat - ob Grafiker, Druckereimitarbeiter oder Landwirtin - fragt nach ihm. In Kürze soll ein Kinderbuch mit Willi Wanstschrecke erscheinen.

Schüler und Lehrer der Regelschule Römhild bei der Bestandserfassung, Foto: K. Kowol
Schüler und Lehrer der Regelschule Römhild bei der Bestandserfassung.
Baldrianfalter, Foto: K. Kowol
Durch die Stilllegung wurden die Wiesen auch für Falter attraktiver.
Exkursion zur BUND-Wanstschreckenfläche in Thüringen, Foto: K. Kowol
Exkursion zur BUND-Wanstschreckenfläche in Thüringen.

Auf der BUND-Ankaufsfläche gibt es bereits erste Erfolge. Während die Wanstschrecke zu Beginn nur im Randbereich zum angrenzenden Pfersbach zu finden war, singt sie nun auch auf der Fläche selbst. Das Areal ist zwischenzeitlich deutlich artenreicher und bunter geworden, was es zunehmend auch für Tagfalter interessant macht. In den nächsten Jahren sollen einige der vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden. So sollen entlang von Gräben Randstreifen für die Verbesserung des Biotopverbunds angelegt werden.

Kontakt:
Bund Thüringen
Karin Kowol
Trommsdorffstraße 5
99089 Erfurt

Tel.  03 61 / 55 50 31-3
E-Mail: karin.kowol@bund.net

Projekt Willi Wanstschrecke auf den Internetseiten des BUND Thüringen



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Foto: eyewire / fotolia.com
Kinderzeichnung: Vogel mit Brief im Schnabel

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Mädchen mit Lupe auf der Wiese, Foto: www.pixelio.de/filastockphoto

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