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Mai 2009: Ein Paradies für Adebar

Wenn Großmutter und Großvater manchmal schimpfen: "Früher war alles besser…", so haben sie zumindest im Hinblick auf den Bestand einheimischer Tiere leider viel zu oft recht. Störche zum Beispiel begegneten einem früher wesentlich öfter als heute. Die intensive Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden und die Zersiedlung ihres Lebensraumes haben zu einem starken Rückgang der Bestände geführt. Um dem entgegenzuwirken, taten sich die BUND-Ortsgruppe Markdorf und der Landkreis Bodensee zusammen und schufen in der Talsenke im Süden von Markdorf ein neues Storchenparadies: Feuchtwiesen mit vielen leckeren Würmern, Fröschen und kleinen Fischen.

Störche im Horst, Foto: www.pixelio.de/D. Bleyenberg

Die Niederung, die sich von Markdorf bis zum benachbarten Oberteuringen hinzieht, drängte sich als Refugium für Störche geradezu auf. Also kaufte der Landkreis etliche Hektar Land, um sie dem Naturschutz im Allgemeinen und dem Weißstorch im Besonderen zur Verfügung zu stellen. Viele freiwillige Helfer vom BUND verhalfen diesem von der intensiven Landwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogenen Stück Natur zu seinem ursprünglichen Gesicht oder zumindest diesem wieder etwas ähnlicher zu sehen. Denn zu Zeiten als Großmutter und Großvater frisch verliebt in der Abenddämmerung durch die Wiesen stapften, bekamen sie dabei noch nasse Füße und ein ordentliches Froschkonzert zu hören!

Errichtung eines Storchennestes im "Eisweiher". Die weiße Farbe soll das Nest als gebraucht markieren.
Errichtung eines Storchennestes im "Eisweiher". Die weiße Farbe soll das Nest als gebraucht markieren.

Damit die Weißstörche bleiben, müssen die Bedingungen stimmen. Störche sind in der Regel sehr bequem: Einen eigenen Horst zu bauen, kostet Zeit und Energie. Deswegen nisten sie sich gern in schon bestehende Horste ein. Also widmeten sich die BUNDler nicht nur der Pflege der Feuchtgebiete, sondern schufen auch Nistmöglichkeiten unweit der besten Futterplätze. Insgesamt acht Horste dienen mittlerweile vorüberziehenden Weißstörchen als Nistplatz. Sie alle wurden mit viel Liebe zum Detail gefertigt und aufgestellt. 1,20 Meter misst der Reisigring, der auf einer Holzplattform befestigt und mit Sägespänen gefüllt wird. Am oberen Rand wurden die Horste sogar weiß angestrichen, weil benutzt aussehende Horste für die Störche noch attraktiver sind.

Wiedervernässungen tragen dazu bei, Störche anzusiedeln.
Mithilfe schweren Geräts wurden neue Kleingewässer geschaffen.

Flache Gewässer mögen Weißstörche besonders, denn hier finden sie ausreichend Nahrung. Die ehrenamtlichen Naturschützer haben deshalb die mitten durch das Projektgebiet fließende Brunnisach renaturiert, Gräben aufgestaut und zusätzliche Wasserflächen geschaffen. Zweimal haben sie sogar einen Bagger organisiert und viele Kubikmeter Erde umgeschichtet.

Eine groß angelegte Entbuschungsaktion gehört ebenfalls zum Pflegeprogramm. Bereits im Jahr 2006 sind ein Duzend BUND-Aktive dem stark zugewachsenen Naturschutzgebiet "Eisweiher" auf die Pelle gerückt: Sie entfernten Weiden und schufen wunderbare Kleinbiotope für manch seltene Pflanzen und Tiere. Davon profitiert wiederum unser Freund, der Storch, der am Ende der Nahrungskette steht und sich tüchtig satt fressen kann.

Weisstorch im Wasser stehend, Foto: www.pixelio.de/domino

Das Konzept ging auf! In den beiden Naturschutzgebieten, die die Ortsgruppe um Markdorf betreut, haben sich seit 2000 jedes Jahr Storchenpärchen niedergelassen und ihre Jungen großgezogen. Der Bruterfolg kann sich sehen lassen. Wenn auch nicht alle Jungtiere ihren ersten Sommer überleben und im August die Reise nach Süden antreten, so können doch bereits knapp zwei Duzend Weißstörche Markdorf als ihren Geburtsort bezeichnen.

Aber damit nicht genug der guten Nachrichten! Der Bestand einiger Amphibienarten, darunter der Gras-, Spring- und Laubfrosch sowie die Gelbbauchunke nahm deutlich zu. Bekassinen, Braunkehlchen, Rohrammern und Wiesenpieper nutzen ebenfalls den neu gestalteten Lebensraum. Das in Baden-Württemberg als verschollen geltende Gefärbte Laichkraut hat sich wiederangesiedelt. Breitblättriges Wollgras, Duftendes Händelwurz, Weiße Sumpfwurz, Fleischfarbenes Knabenkraut und Heilziest entfalten sich prächtig.

Heckrinder sorgen für eine natürliche Pflege der ökologisch wertvollen Feuchtwiesen.
Heckrinder im "Einsatz". Sie erhalten die wertvollen Feuchtwiesen, ohne dass moderne Mähgeräte zum Einsatz kommen müssen.

Um dieses Biotop zu erhalten, wurden im vergangenen Jahr drei Heckrinder zur extensiven Beweidung angeschafft. Diese Form der Pflege hält schwere Maschinen vom Gebiet fern, die sich negativ auf die vorhandene Fauna auswirken würde. Die Rinder haben sich sogar schon vermehrt.

Nun warten die Bewohner von Markdorf und des umliegenden Bodenseekreises schon gespannt, was sich in diesem Jahr auf den Storchenhorsten zutragen wird. Die beiden Storchenpaare aus dem vorigen Jahr sind bereits wieder eingetroffen, haben es sich gemütlich gemacht und beginnen vielleicht schon bald mit der Brut?

Kontakt

BUND-Geschäftsstelle Markdorf
Ansprechpartner Franz Beer
Tel. 0 75 44 / 51 62
Fax 0 75 44 / 7 26 35
E-Mail bund.markdorf@bund.net

www.bund.net/markdorf



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Foto: eyewire / fotolia.com
Kinderzeichnung: Vogel mit Brief im Schnabel

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Mädchen mit Lupe auf der Wiese, Foto: www.pixelio.de/filastockphoto

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