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Januar 2009: Vielfalt in der Tiefe – Tauchermonitoring in der Ostsee

Wenngleich die meisten von uns nie weit unter die Meeresoberfläche hinabtauchen, so geht vom Leben unter Wasser mit seinen vielfältigen Formen und Farben doch eine große Faszination aus. Diese Vielfalt zu schützen und gleichzeitig die Gewässerqualität zu verbessern, ist in Deutschland und Europa von großer Bedeutung.

Fadennacktschnecke aufgenommen in der Ostsee, Foto: H. auf dem Venne
Fadennacktschnecke, aufgenommen in der Ostsee, Foto: H. auf dem Venne

Auch die Ostsee ist von vielen verschiedenen Lebensgemeinschaften besiedelt. Seegraswiesen sind ein wichtiger Lebensraum für Jungfische. Gleichzeitig schützen sie den Meeresboden gegen Wellenerosion. Geröllfelder bieten aufgrund der darauf siedelnden Algen gute Lebensbedingungen für viele Fische sowie Schnecken, Würmer u.a. Wirbellose.

Seegras der Blütenpflanze Zostera marina und Algen, Foto: D. Fleischer
Seegraswiesen gibt es fast ausschließlich in Küstenbereichen. Hier finden Jungfische Schutz vor Fressfeinden.

Sand- und Schlickflächen stellen in der Ostsee den wohl größten Lebensraum dar und die verschiedenen Sedimente beheimaten ganz unterschiedliche Tiergemeinschaften. Im groben Sand der Strände können nur wenige Tiere überleben, während in den feineren, schlickigeren Sedimenten der tieferen Bereiche eine Vielzahl von Würmern, Muscheln und Krebstieren vorkommen. Dieser Artenreichtum unter der Wasseroberfläche bleibt den meisten Menschen verborgen. Dennoch ist es für den Erhalt des Lebensraumes Ostsee wichtig zu wissen, wie groß die Seegraswiesen, die Sandflächen oder durch Sauerstoffmangel bedingte Schwefelbakterienfelder sind.

Seenelke, Foto: H. auf dem Venne
Seenelken gehören zu den Seeanemonen und können bis 30 cm groß werden.
Steinpicker , Foto: H. auf dem Venne
Der Steinpicker lebt am Meeresgrund und kommt v.a. in der südlichen Ostsee vor.
Strandkrabbe, Foto: H. auf dem Venne
Die Strandkrabbe ist die häufigste Krabbe der Nord- und Ostsee.


In küstennahen Meeresbereichen ist das Monitoring der biologischen Vielfalt erheblich schwieriger als an Land. Lebensräume lassen sich schwerer abgrenzen und jede Untersuchung, sei sie auch noch so kurz, ist mit einem erheblichen technischen Aufwand verbunden. Im flachen Bereich der Küste ist es nicht möglich, Forschungsschiffe mit teurer Sonar- oder Videoausrüstung einzusetzen, da immer wieder die Gefahr besteht, mit dem Schiff auf Grund zu laufen. Auch vom Land aus lassen sich  Biotope nicht vermessen und bestimmte Entwicklungen nicht abschätzen. 

TaMOs – ein Projekt von BUND und Tauchsport-Landesverband Schleswig-Holstein

TaMOs-Taucher mit Unterwasserkamera, Foto: Andreas Czerniak
TaMOs-Taucher mit Unterwasserkamera

Deshalb tauchen engagierte BUND-Aktive in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft der Sporttaucher seit mehreren Jahren ins Wasser, um die Vielfalt der Unterwasserwelt an der Ostseeküste zu dokumentieren. Taucher-Monitoring in der Ostsee, kurz "TaMOs" heißt das Gemeinschaftsprojekt von BUND und Tauchsport-Landesverband Schleswig-Holstein (TLV-SH).

Das Projekt bietet versierten Sporttauchern die Möglichkeit, mehr über die Artenvielfalt in ihrem Hausgewässer zu erfahren und gleichzeitig im Umweltschutz aktiv zu werden. Die etwa 5.000 Sporttaucher in Schleswig-Holstein tauchen das ganze Jahr über in der Ostsee, meist an einem bestimmten Tauchplatz. Einige interessieren sich sehr für die biologische Vielfalt und haben bei ihren regelmäßigen Tauchgängen Veränderungen festgestellt. TaMOs bietet diesen Tauchern kostenlose Fortbildungen, um Arten besser bestimmen zu lernen.

TaMOs-Taucher mit Unterwasserschreibtafel, Foto: Andreas Czerniak
Mit Spezialstiften notieren TaMOs-Taucher die Daten auf einer Unterwasserschreibtafel.

Ausgestattet mit einer Unterwasserschreibtafel dokumentieren die geschulten Sporttaucher das Vorkommen von Pflanzen und Tieren. Dabei geben sie die Tiefe und die Entfernung zum Strand an. Tiere werden wenn möglich mit einer digitalen Unterwasserkamera festgehalten. Auf diese Weise entsteht für jedes Tauchgebiet eine genaue Karte mit den topografischen Besonderheiten, der Tiefenverteilung sowie der Ausdehnung der einzelnen Lebensräume.

Das Ziel von TaMOs ist eine Kartierung der einzelnen Habitate in den küstennahen Bereichen der deutschen Ostsee. Sie wäre ein erster Meilenstein zu einer unabhängigen Dokumentation der Veränderungen in diesen schwer zu überwachenden Lebensräumen. Auf dieser Basis könnten die Veränderungen bewertet und mögliche Auswirkungen menschlicher Aktivitäten bzw. des Klimawandels identifiziert werden.

Logo TaMOs

Das TaMOs-Projekt sucht weitere interessierte SporttaucherInnen, die sich in den Seminaren ausbilden lassen und das Monitoring vorantreiben.

Kontakt: dfleischer@tauchmonitor.de

Mehr Infos: www.tauchmonitor.de



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Foto: eyewire / fotolia.com
Kinderzeichnung: Vogel mit Brief im Schnabel

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Mädchen mit Lupe auf der Wiese, Foto: www.pixelio.de/filastockphoto

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