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Dezember 2008: Grüne Tunnel für die Vielfalt – Alleenschutz auf Rügen

Die Alleen der Insel Rügen sind Markenzeichen und Tourismusmagnet. Kein Wunder, dass sich die Allee des Jahres 2008 auf Rügen befindet. Die "grün-goldenen Tunnel" bestechen nicht nur durch ihre Schönheit, sie sind auch von großem Nutzen für Mensch und Natur. Sie produzieren Sauerstoff und filtern Feinstaub und CO2 aus der Luft. Darüber hinaus bieten sie Brut- und Rastplätze für Vögel, Insekten, Kleinsäuger und verbinden Lebensräume miteinander.

Allee an der Kreisstraße 5 auf Rügen


Doch der Bestand der Rügener Alleebäume ist extrem gefährdet. Allein im letzten Winter wurden auf der Insel 1.000 Bäume zur Fällung freigegeben, weil sie nicht mehr standsicher waren. Ein Sturm der Empörung brach los. 2.000 Unterschriften wurden für den Erhalt der Alleen an die Landrätin übergeben.

gefällter Alleenbaum auf Rügen, Foto: BUND Mecklenburg-Vorpommern
Ein unsachgemäßer und oft alleenunfreundlich geplanter Straßenausbau bereitet Baum- krankheiten vor und bedingt Fällungen.

Der enorm angewachsene Straßenverkehr auf Rügen ist die Ursache dafür, dass die Alleenbäume krank und schließlich gefällt werden. Durch die Anhebung der Straßendecken werden die Bäume bis an die Wurzelansätze am Stamm verschüttet. Die Folge ist akuter Sauerstoffmangel im Wurzelbereich. Auf der Straßenseite werden von Alleebäumen Starkäste abgesägt, damit der Weg für den Schwerlastverkehr und große Busse frei ist. Riesige Astungswunden bilden die Eintrittspforte für Pilze und Fäulnis. Auch das beim Winterdienst eingesetzte Tausalz belastet die Alleenbäume – sie können im nächsten Frühjahr schwerer Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Den Rest gibt ihnen die Landwirtschaft durch das Pflügen im Wurzelbereich auf der Ackerseite.

Alleenpaten pflanzen Linden

Zur Rettung der Alleen haben BUND-Aktive auf Rügen ein Netzwerk von Freiwilligen errichtet, die sich um den Fortbestand der Alleen kümmern. Beispielhaft pflegen diese Alleenpaten eine Allee an der Kreisstraße 5, welche Teil der deutschen Alleenstraße ist. Dort wurden vor acht Jahren 70 Linden in entstandene Lücken gepflanzt. Seitdem kümmern sich die Paten engagiert um das Gedeihen dieser jungen Bäume.

Baumsachverständige und Vertreter der örtlichen Naturschutzbehörde begutachten junge Alleenbäume auf Rügen. Foto: BUND Mecklenburg-Vorpommern
Baumsachverständige und Vertreter der örtlichen Naturschutzbehörde begutachten junge Alleenbäume auf Rügen.

Von den Alleenpaten entdeckte Rindenschäden waren Anlass zu einer gemeinsamen Baumschau mit einem Baumsachverständigen und Vertretern der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Die notwendigen Maßnahmen zur Pflege der Bäume führten die Paten selbst durch, da es dem Landkreis an Geld und Personal mangelte. Auch die schweren Sturmschäden vom Juli 2007 behoben die Freiwilligen in Eigenarbeit. Unter Anleitung eines Baumgutachters richteten sie die sehr windexponierten jungen Alleebäume wieder auf und banden sie fest. Dank ihres Einsatzes werden die kleinen Linden nun auch in Zukunft gerade wachsen.

Aufgrund bereits entstandener Schädigungen an vielen alten Alleebäumen entlang der K5 mussten im Winter 2007/2008 bereits mehr als 30 Bäume gefällt werden. Fast 100 weitere Bäume sind abgestorben. Sie wird in absehbarer Zeit das gleiche Schicksal ereilen. Ein Teil der Allee an der Kreisstraße ist fast unversehrt. Doch auch dieser Abschnitt ist durch einen drohenden Kiesabbau und den nachfolgenden Schwerverkehr durch den Kiestransport bedroht.

Die Paten kämpfen jedoch für den Erhalt der Allee und planen gemeinsam mit dem Landkreis Nachpflanzungen. Die Allee ist im Alleenentwicklungskonzept des Landkreises als Schwerpunkt benannt. Das Problem: Die Mittel des Landkreises für Nachpflanzungen sind sehr beschränkt.

Alleenfest in Gingst

Oktober 2008: Rügener Alleenpaten pflanzen gemeinsam mit ihrer Landrätin und Kindern aus der Region einen symbolischen ersten Baum. Foto: BUND Mecklenburg-Vorpommern
Oktober 2008: Rügener Alleenpaten pflanzen gemeinsam mit ihrer Landrätin und Kindern aus der Region einen symbolischen ersten Baum.

So griffen die Alleenpaten zur Selbsthilfe: In einer großangelegten Aktion organisierten sie ein Alleenfest mit der Kirche in Gingst. Kindergartenkinder bastelten Alleen aus Papier und Ton, Grundschüler veranstalteten Projekttage zum Thema Allee. Ein Musikprogramm wurde einstudiert, Gedichte und Geschichten zu Alleen und Bäumen vorgetragen. Eine Künstlerin gestaltete einen Phantasiebaum mit einem Einwurf für Spenden. Die BUND-Alleenausstellung wurde mit einer regionalen Fotoausstellung ergänzt und in Gingst präsentiert.

Am 4. Juli 2008 kamen 300 Menschen in die Gingster Kirche zu einem großen Alleenfest, an dem auch die Landrätin Kerstin Kassner teilnahm. Die Menschen waren begeistert, die Resonanz groß. Viele Bürger Rügens aber auch Besucherinnen spendeten für den ersten Baum. Die Alleenpaten pflanzten ihn am 10. Oktober 2008 gemeinsam mit der Landrätin und Rügener Kindern. Der Baum soll ein symbolischer Anfang für weitere Nachpflanzungen sein.

Kontakt:
BUND LV Mecklenburg-Vorpommern
Corinna Cwielag
Tel. 03 85 /52 13 39 0
bund.mv@bund.net

vorort.bund.net/mv



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Foto: eyewire / fotolia.com
Kinderzeichnung: Vogel mit Brief im Schnabel

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Mädchen mit Lupe auf der Wiese, Foto: www.pixelio.de/filastockphoto

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