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Bunte Vielfalt unterm Trecker: Ackerwildkräuter bei Hannover

Es ist Sommerzeit – mit viel Glück können wir nun auf Deutschlands Äckern bunte Farbtupfer aus Klatschmohn, Kornblume oder Feld-Rittersporn erspähen.

Ackerrittersporn, Kamille und Mohn auf bestelltem Weizenfeld

Diese sogenannten Ackerwildkräuter wachsen als Begleitflora auf Jahr für Jahr umgebrochenen Äckern oder an Ackerrändern. Nur in dieser Kulturlandschaft finden sie eine Möglichkeit zum Keimen und Blühen. Anderswo, beispielsweise auf unbewirtschafteten Wiesen, werden sie von konkurrenzstärkeren mehrjährigen Pflanzen verdrängt. Ohne Ackerkultur gäbe es also auch keine Ackerwildkräuter. Diese bilden einen wichtigen Bestandteil der Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen auf den Feldern.

BUND-Schild mit der Aufschrfit "Naturschutzacker" vor einem Feld

Durch intensive Landwirtschaft, insbesondere durch den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln und Kunstdünger, ist die Artenvielfalt unserer Äcker jedoch erheblich zurückgegangen. In Niedersachsen steht ein Drittel der etwa 300 Ackerwildkräuter auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. Doch es gibt Hoffnung: Der BUND Region Hannover hat ein Projekt zum Schutz von Ackerwildkräutern ins Leben gerufen. Sieben Äcker in der Gemeinde Sehnde mit einer Fläche von insgesamt 10,8 Hektar hat der BUND seit 1989 gepachtet. Sie werden ohne Spritzmittel und chemische Düngung bestellt – ein Landwirt vor Ort hat sich bereit erklärt dabei zu helfen.

Projektleiter Karsten Poschadel auf dem BUND-Naturschutzacker.
Projektleiter Karsten Poschadel auf dem BUND-Naturschutzacker.

Auf den landesweit seltenen, für diesen Raum jedoch typischen Kalkmergelböden bzw. feucht-sandigen Lehmböden haben sich bereits erste Erfolge dieser sanften Bewirtschaftung eingestellt: Ehrenamtliche BUND-Aktive konnten auf den Flächen bereits 22 Arten, die auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzen Niedersachsens stehen, nachweisen. Der Projektleiter Karsten Poschadel berichtet von Acker-Quellkraut, Buntem Vergissmeinnicht, Sand-Vergissmeinnicht und Gezähntem Feldsalat. "Selbst zwei landesweit vom Aussterben bedrohte Arten, den Ysopblättrigen Weiderich und den Acker-Kleinling haben wir auf den Flächen nachweisen können", erzählt er. Andernorts seltene Arten wie Sumpfquendel und Mäuseschwänzchen seien mit jeweils mehreren 10.000 Exemplaren vertreten.

"Mit der Pflanzenvielfalt ist auch die Vielfalt an Spinnen und Insekten auf den Äckern gestiegen", berichtet Poschadel weiter. Sogar Rebhuhn und Feldhamster – zwei deutschlandweit stark gefährdete Tierarten – hätten sich auf den Flächen eingefunden. Poschadel: "Diese Ergebnisse zeigen anschaulich, wie der Schutz von Ackerwildkräutern einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft leisten kann."

Ackerrittersporn
Ackerrittersporn steht in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Viele dieser heute gefährdeten Arten gehörten bereits seit Beginn des Ackerbaus in Mitteleuropa zu unserer Kulturlandschaft. Mit den Ackerbaukulturen vor rund 5000 Jahren wurde in unseren Breitengraden ein Lebensraum für Ackerwildkräuter und für die von ihnen lebenden Tiere geschaffen. Der größte Artenreichtum an Ackerwildkräutern herrschte in der vorindustriellen Landschaft. Durch den Rückgang von etwa 90 Prozent der Ackerwildkräuter seit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sind auch die von ihnen lebenden Insekten, Vögel und Säugetiere in ihrem Bestand sehr stark gefährdet oder kommen gar nicht mehr vor.

Von den rund 1.200 auf Äckern lebenden Tierarten sind heute 90 Prozent verschwunden oder stark dezimiert. Dies sind beispielsweise Rebhuhn und Wachtelkönig, welche die an den Ackerwildkräutern lebenden Insekten als Nahrung brauchen. Aber auch Feldhamster, der Kleine Perlmutterfalter oder verschiedene Laufkäferarten gehören dazu.


Kontakt:  
Bund Region Hannover 
Sibylle Maurer-Wohlatz     
Goebenstraße 3 a
30161 Hannover
Tel. 05 11 / 66 00 93    
E-Mail: Sibylle.Maurer-Wohlatz@nds.bund.net 



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